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Goldene Löwen für zwei Hessen : Von Gießen und Fulda nach Venedig

Gießenerin mit Löwe: Anne Imhof bei der Biennale in Venedig Bild: dpa

Deutschlands Kulturszene feiert ihren Erfolg bei der Biennale von Venedig. Das ist besonders für Hessen schön: Zwei Goldene Löwen gingen an Künstler aus Gießen und Fulda.

          Schöner kann man sich der Kunst kaum nähern. Erst das blaue Wasser der Lagune, dann die Anlegestelle für die Fähren, dann die Bäume der Giardini, zwischen ihnen die Pavillons von mehr als 80 Nationen, die sich während der Biennale von Venedig mit Kunst und Besuchern füllen. Doch dann: Hunde. Ausgerechnet am deutschen Pavillon, dem man seine nationalsozialistische Umgestaltung auch dann ansieht, wenn man die geisterhaften Überreste des Schriftzugs „Germania“ über dem Eingang noch gar nicht wahrgenommen hat. Dem Kunstschönen tritt das Beunruhigende an die Seite.

          Florian  Balke

          Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Drinnen geht es weiter mit dem Eintauchen in eine Situation der Überwachung, des Anstarrens, der Unfreiheit und der latenten Gewalt. Unter einer Zwischendecke aus Glas zeigt Anne Imhof während der Biennale ihre Performance „Faust“, für die sie am Samstag zur Eröffnung der Kunstschau einen Goldenen Löwen erhalten hat. Die 1978 in Gießen geborene Künstlerin lässt die Besucher über die Darsteller hinwegschreiten, die unter Glas gefangen sind, miteinander und im Blick der Betrachter, zwischen Matratzenlagern, Fressnäpfen und Kämpfen.

          Von Gießen und Fulda nach Venedig

          In diesem Jahr ging aber auch der zweite Löwe nach Hessen: Außer Imhofs Preis für den besten nationalen Beitrag gab es einen weiteren für den 1939 in Fulda geborenen Franz Erhard Walther, der als bester Künstler ausgezeichnet wurde. Er zeigt im Arsenal, dort, wo Venedig seine Galeeren herstellte, Seile drehte und Segel zuschnitt, Arbeiten aus Nesseltuch.

          Von Gießen und Fulda nach Venedig ist es ein weiter Weg. Für Imhof und Walther führte er über das Rhein-Main-Gebiet. Beide haben an der Offenbacher Hochschule für Gestaltung und an der Frankfurter Städelschule studiert, der Walther 1961 verwiesen wurde, weil er, wie es im Archiv heißt, Dinge ohne Form verfertige. Demnächst feiert die Schule ihren 200. Geburtstag, Walthers Arbeiten wurden vor einigen Jahren im Städelgarten aufgestellt, und seine bald nach dem Rauswurf entstandene Arbeit „Erster Werksatz“ gehört seit 1981 zur Sammlung des Frankfurter Museums für Moderne Kunst, wie in Venedig mit viel Tuch. Susanne Gaensheimer wiederum, die scheidende Direktorin des Museums, hat den deutschen Biennalepavillon 2011 und 2013 kuratiert, beim ersten Mal holte auch sie einen Goldenen Löwen.

          Der Weg von Hessen nach Venedig ist lange gebahnt. Die Löwen, teilte Kulturdezernentin Ina Hartwig mit, zeigten aber auch die Bedeutung, die der internationale Kunstbetrieb Frankfurt zumesse. Imhof gehöre zu den derzeit interessantesten Künstlerinnen und mache ein radikales Gegenwartsgefühl zum Thema ihrer Arbeiten. Von Frankfurt aus lässt sich das leicht überprüfen – einfach ein Flugzeug nehmen, am Flughafen von Venedig den Rollkoffer ein paar hundert Meter bis zum Fähranleger ziehen, über die Lagune setzen und bei Walther und Imhof vorbeischauen. Die Biennale ist bis zum 26. November geöffnet.

          Quelle: F.A.Z.

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