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Ausstellung zu Reich-Ranicki : Porträt des Kritikers als Privatmann

Leserfreundlich: Marcel Reich-Ranickis Ledersessel ist in der Ausstellung ebenso zu sehen wie Reproduktionen der Schriftstellerbilder, die er um sich hatte. Bild: Helmut Fricke

Marcel Reich-Ranicki wäre in diesen Tagen 95 Jahre alt geworden. In Frankfurt erinnert eine Ausstellung des Archivs der Goethe Universität an den verstorbenen Literaturkritiker.

          Das Fotoalbum der Familie nimmt es weniger genau als die Texte des Kritikers. „Irgendwo in Dänemark“ steht unter dem hübschen kleinen Schwarzweißfoto einer Windmühle. Angefertigt haben Marcel Reich-Ranicki und seine Frau Teofila das Bild auf einer Urlaubsreise im Jahr 1959, kurz nachdem das Ehepaar aus Polen in die Bundesrepublik gezogen war. Sonnig ist das Wetter auf den dänischen Bildern, besichtigt wird in diesen Tagen, wie es sich für den Urlaub eines in das Theater seit seiner Berliner Jugendzeit verliebten Literaturkritikers gehört, auch Schloss Kronborg in Helsingör, der Schauplatz von Shakespeares „Hamlet“.

          Florian  Balke

          Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Ein Foto zeigt Reich-Ranicki auf einer der Bastionen. Mit eigentümlicher Wirkung: Er muss sich nur neben die gemauerte Brüstung links von ihm stellen, schon scheint es sich um die Schlossterrasse zu handeln, auf der Shakespeares Prinz dem Geist seines Vaters begegnet. Wo Reich-Ranicki ist, da ist Literatur.

          Fotos sind die schönsten Überraschungen

          Zu sehen ist das Foto in der Ausstellung „Marcel Reich-Ranicki - Sein Leben in unbekannten Fotos und Dokumenten“, die am Donnerstag in den Ausstellungsräumen des Archivs der Frankfurter Goethe-Universität eröffnet wurde. Die Bilder aus dem Fotoalbum der Familie gehören zu den schönsten Überraschungen der kleinen Schau, die in den nächsten Wochen an das Leben und Werk des Kritikers erinnert, der am 2. Juni 95 Jahre alt geworden wäre.

          Sie versammelt Erinnerungsstücke, die Andrew Ranicki, der Sohn der beiden Dänemark-Reisenden, nach dem Tod seines Vaters im September 2013 an Museen und weitere Empfänger in Frankfurt und an anderen Orten gegeben hat. Er hat nun auch die Familienfotos zur Verfügung gestellt.

          Sessel darf benutzt werden

          Genauer als die beiden Urlaubsreisenden bei der Beschriftung ihrer Ferienschnappschüsse nimmt der Kritiker es mit den Formulierungen in seinen Zeitungstexten. Ihre Reproduktionen bedecken die Wände des ersten Raums der Ausstellung.

          Ordnung herrscht auch in den Autorenmappen, die Reich-Ranicki zwischen dem Verfassen einzelner Kritiken sorgfältig führte und mit Ideen und Notizen füllte. Sie sind im größten Raum zu sehen, in dem auch der bequeme Sessel des Kritikers steht, bestens geeignet für ausführliche Telefonate mit Freunden und Kollegen. Er wird vom Universitätsarchiv gehütet, darf auch von den Besuchern der Ausstellung benutzt werden und wird umrahmt von Faksimiles der Schriftstellerzeichnungen, die Reich-Ranicki bei sich zu Hause im Frankfurter Dichterviertel sammelte. Thomas Mann ist gleich mehrfach vertreten.

          Als Leihgabe des Historischen Museums wird der einfache Schreibtisch gezeigt, an dem Reich-Ranicki zu Hause arbeitete. Er stammt aus den sechziger Jahren, ist aus Holz und dunklem Metall, die Arbeitsplatte zeigt einige Gebrauchsspuren. Anspruchslos und unsentimental seien die Reich-Ranickis in Fragen der Einrichtung und des Stils gewesen, sagt Eva Demski, die das Ehepaar viele Jahre lang über die Weihnachtstage zu sich einlud. Der Tisch, an dem die Schriftstellerin ihre Freunde bewirtete, steht nun ein Zimmer weiter.

          Und zum Geburtstag des Kritikers am 2. Juni erinnert sich Demski von 19.30 Uhr an gemeinsam mit der ehemaligen Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth an den gestorbenen Freund. Dazu gibt es eine Torte in Form eines aufgeschlagenen Buches.

          Die Schau

          „Sein Leben“ ist in den Ausstellungsräumen des Archivs der Frankfurter Goethe-Universität, Dantestraße 9, bis zum 30. Juni zu sehen.

          Öffnungszeiten: Montags bis freitags von 15 bis 19 Uhr sowie samstags und sonntags von 11 bis 20 Uhr

          In den folgenden Sommerwochen ist die Schau auf Anfrage unter Tel.: 069/79 82 27 17 zu besichtigen.

          Quelle: F.A.Z.

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