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Goethe-Museum Vom Zauberbuch zur Weltliteratur

29.08.2007 ·  Eine Ausstellung im Goethe-Museum Frankfurt folgt dem künstlerischen Weg, den die Motive von den Faustlegenden des 16. Jahrhunderts bis zur begeisterten Aufnahme des „Faust“ nach seiner Veröffentlichung zurücklegten.

Von Florian Balke
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Vor Carl Friedrich Zimmermanns „Erscheinung des Erdgeists“ verfällt der Besucher der Ausstellung ins Sinnen. Das klare Jupiter-Antlitz des Geists, den Faust in der 1835 entstandenen Illustration zur Eingangsszene von Goethes „Faust“ beschwört, ähnelt kaum noch den alchemistischen Anfängen, die diese Szene besaß, als Goethe sich ihr im Frankfurt der siebziger Jahre des 18. Jahrhunderts zum ersten Mal widmete.

Aber dem Dichter, der 1790 Rembrandts dunkle Radierung „Der Alchemist“ als Titelkupfer für „Faust. Ein Fragment“ ausgewählt hatte, veränderte sich das, was er im „Faust“ schuf, noch während er daran arbeitete. So hatte er den Erdgeist in einer in Weimar aufbewahrten Bleistiftskizze schon um 1810 auch selbst als strahlenden Apollon darstellen können. Dem weiten künstlerischen Weg, den die Motive des Goethedramas von den Faustlegenden des 16. Jahrhunderts bis zur begeisterten Aufnahme des „Faust“ in den Jahrzehnten nach seiner Veröffentlichung zurücklegten, folgt jetzt eine Ausstellung im Goethe-Museum Frankfurt.

Faust - Verwandlungen eines Hexenmeisters“

Die zum Geburtstag des Dichters als Auftakt der Frankfurter Goethefestwoche eröffnete Schau „Goethes Faust – Verwandlungen eines Hexenmeisters“ geht den Ideen, die Goethe im „Faust“ aufgriff, auf den Grund. Dabei kam es Petra Maisak, Leiterin des Museums und Kuratorin der Schau, besonders darauf an, das zu zeigen, „was Goethe selbst gesehen, was er vorgefunden hat“.

Zu Beispielen für die zahlreichen Vertonungen und Illustrationen des faustbesessenen 19. Jahrhunderts kommen aus diesem Grund Exponate, die man sonst nur selten sieht. Sie führen in Zusammenhänge ein, die mit der Gestalt des historischen Doktor Faustus schon von den Legenden des 16. Jahrhundert in Verbindung gebracht wurden: Wahrsagerei, Alchemie und hermetisches Wissen.

Goethe begleitete dieses vorwissenschaftliche Denken sein Leben lang. Zu einem späteren Zeitpunkt erschienen ihm die Ideen und der Jargon von Alchemie und Hermetik nur noch als Bildsprachen, gut geeignet, um Poesie und Phantasie auszudrücken. In den „Materialien zur Geschichte der Farbenlehre“ schreibt er 1810, behandele man den „poetischen Theil der Alchymie mit freyem Geist“, so finde man ein „aus allgemeinen Begriffen entspringendes auf einen gehörigen Naturgrund aufgebautes Mährchen“.

Das Okkulte hinterlässt seine Spuren

Anders sah er das, als er im Sommer 1768 krank vom Studium in Leipzig nach Frankfurt zurückgekehrt war. Mit der Pietistin Susanna Katharina Klettenberg las er esoterische Schriften und richtete sich im Elternhaus ein kleines Labor für alchemistische Experimente ein. Im Spätbarock war ein solches Interesse am frühneuzeitlichen Okkulten aus der Mode geraten, die Aufklärung jedoch hatte es wiederentdeckt, entweder als irrationalen Gegenstand einer Untersuchung durch den rationalen Verstand oder als Nachtschattengewächs, das blühte, wenn die Vernunft schlief.

Goethe, unzufrieden mit dem im Leipziger Studium erlangten Schulwissen und auf der Suche nach einem Ausdrucksausweg aus den Konventionen seiner Zeit, fühlte sich von der zweiten Seite dieser Ideen sofort angezogen. Während der Straßburger Studienzeit wurde seine Begeisterung für Schriften, die vorgaben, das von der Gestalt des Hermes Trismegistos überlieferte Wissen Adams weiterzugeben, und davon raunten, alles sei mit allem verbunden, rasch geringer. Trotzdem hinterließ das Okkulte im „Faust“ seine Spuren, von den „Hauptszenen“, die Goethe nach eigenen Worten im Frühjahr 1772 „gleich so ohne Konzept“ niedergeschrieben haben will, bis zum 22. Juli 1831, dem Tag der Vollendung des „Faust II“.

Zu diesem Zeitpunkt hatte die begeisterte Rezeption des Dramas schon eingesetzt. Nach der Veröffentlichung des „Faust I“ im Jahr 1808 begannen Künstler und Musiker, den „Faust“ zu illustrieren oder mit Musik zu versehen. Das Goethe-Museum zeigt auch hierzu reiche Belege aus eigenem Bestand, von einem Notenblatt Franz Schuberts vom Mai 1817 bis zu einer lavierten Federzeichnung Dante Gabriel Rossettis aus dem Jahr 1856. Zu sehen ist aber auch, womit alles anfing, der Rohstoff der Faustlegenden des 16. Jahrhunderts, Zauberbücher, die ihren Benutzern als magische Ratgeberliteratur mit Formeln und Ritualen bei der Beschwörung verborgener Geister helfen sollten.

Gottes Einverständnis

Auch die Volksbücher, die aus dem historischen Wanderwahrsager Faust den mächtigen Magier im Bund mit dem Teufel machten, sind zu sehen, unter ihnen die von Johann Spies 1587 in Frankfurt veröffentlichte „Historia von D. Johann Fausten“. Die beim Buch Hiob aufgeschlagene Lutherbibel von Goethes Vater erinnert zusammen mit Simone Cantarinis 1640 entstandener und zu Goethes Kunstsammlung zählender Radierung „Adam und Eva“ schließlich daran, dass auch der „Faust“ die Geschichte der Versuchung des Menschen mit dem Einverständnis Gottes erzählt.

Zwischen den Exponaten ergeben sich auf diese Weise Bezüge, die frappierend den „Rapports“ ähneln, die nach Ansicht der Alchemisten zwischen den Elementen herrschten, wenn sie von einem zum anderen zerfielen oder zusammen mit einem zweiten ein drittes ergaben. Der „Faust“ ist eben doch der Stein der Weisen.

Die Ausstellung ist im Goethe-Museum Frankfurt, Großer Hirschgraben 23-25, bis zum 11. November zu sehen und montags bis samstags von 10 bis 18 und sonntags von 10 bis 17.30 Uhr geöffnet. Anmeldungen für das pädagogische Begleitprogramm für Oberstufenschüler und Grundschüler unter 0 69/1 38 80-206 und 0 69/1 38 80-251.

Quelle: F.A.Z.
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Jahrgang 1972, Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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