09.06.2009 · Es ist, keine Frage, der wichtigste Ort dieser Biennale. Denn hier gibt es Kaffee, Croissants, Panini. Er heißt „Was du liebst, bringt dich auch zum Weinen“. Der Gestalter des Großausstellungs-Restaurationsbetriebs hat dafür einen Preis bekommen, eine der begehrtesten Auszeichnungen für bildende Kunst überhaupt.
Von Michael Hierholzer, FrankfurtEs ist, keine Frage, der wichtigste Ort dieser Biennale. Denn hier gibt es Kaffee, Croissants, Panini. Er heißt „Was du liebst, bringt dich auch zum Weinen“. Das gibt zu denken. Kann aber auch einfach so hingenommen werden. Der Gestalter des Großausstellungs-Restaurationsbetriebs hat dafür einen Preis bekommen, eine der begehrtesten Auszeichnungen für bildende Kunst überhaupt. Die mit dem Goldenen Löwen für die beste künstlerische Leistung bedachte Café-Bar von Tobias Rehberger, dem stellvertretenden Rektor der Frankfurter Städelschule, ist rasch zum Dreh- und Angelpunkt der Weltkunstausstellung an der Lagune geworden. An den Möbeln des Design-Klassikers Alvar Aalto hat er sich orientiert, ihnen aber alles Konsequente genommen. Er hat sie in die Länge gezogen, einzelne Elemente überpointiert, ließ schwarz-weiße Streifen den Raum erobern und schuf quietschbunte Farbinseln.
Das einstige Sperrgebiet zwischen Kunst und Öffentlichkeit, autonomem Werk und Design machte er schon seit den frühen neunziger Jahren zugänglich. So hat der 1966 geborene Schüler von Thomas Bayrle und Martin Kippenberger mehrfach Bars und Cafés entworfen, in denen man Teil eines Gesamtkunstwerks wurde, ohne sich sonderlich anstrengen zu müssen: Es genügte, Speisen oder Getränke zu konsumieren. Oder einfach nur dazusitzen. Auch in Venedig verhält es sich nicht anders.
Die Städelschule sorgt in der Serenissima und überhaupt in der internationalen Kunstszene für Furore: Drei Turner-Preisträger kommen mittlerweile von dort, Absolventen und Dozenten zählen zu den gefragten Künstlern zwischen New York, London, Tokio, und dass diese Biennale mit Daniel Birnbaum einen künstlerischen Leiter hat, der im Hauptberuf Städelschul-Rektor ist, könnte das offizielle Frankfurt zum Anlass nehmen, seine kleine Kunsthochschule mit der großen Ausstrahlung entsprechend zu würdigen. Indem es sich zum Beispiel in Venedig die Ehre gibt. Zu Eröffnung und Preisverleihung war allerdings niemand vom Magistrat erschienen. In Rehbergers Bar trafen sich zwar viele Frankfurter, aber keine politischen Entscheidungsträger. Dabei hat es seit langem keine bessere Werbung für die Stadt gegeben als den venezianischen Auftritt der Städelschul-Frankfurter.