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Frankfurter Städelschüler Am eigenen Schopf aus dem Sumpf

Die Abendschüler der Frankfurter Städelschule gehen künftig eigene Wege. Im April beginnt der Lehrbetrieb, nun zeigen sie in einer Ausstellung aktuelle Werke.

Es ist ein großes Wort, arg inflationär gebraucht in diesen an Zeichen und Wundern eher armen, an medial aufgeblasenen Sensationen aber überreichen Zeiten. Trotzdem scheint es hier einmal angebracht. Denn ein kleines Wunder ist es schon, dass es dem Freundeskreis der Abendschule der Frankfurter Städelschule aus eigener Initiative gelungen ist, das Konzept der Institution, die 1947 von den Beckmann-Schülern Theo Garve und Walter Hergenhahn als Vorklasse der Akademie gegründet wurde, womöglich doch zu retten. Und das nun schon zum zweiten Mal.

Das gilt auch dann, wenn man hinzufügt, dass das Dach, unter dem die Abendschule in Zukunft ihr Zuhause hat, nicht mehr die Städelschule, sondern als „Freie Kunstakademie Frankfurt“ gleichsam selbstgezimmert ist. Das von der Städelschule dieser Tage kommunizierte Programm zur Erwachsenenbildung für das nächste Semester, sagt Claudia Himmelreich, Vorsitzende des Freundeskreises, habe mit dem, was die Abendschule ausgezeichnet habe, „schlicht nichts mehr gemein“. Also hat man sich kurzerhand und entschlossen zum zweiten Mal am eigenen Schopf aus dem Sumpf gezogen. Und geht künftig eigene Wege.

„Kunststudium, quasi im zweiten Bildungsweg“

Zur Erinnerung: Die Abendschule hatte in einer starken Ausstellung mit Arbeiten von Lehrern und einstigen Schülern gerade erst auf ihre damals 60 Jahre zurückgeblickt, da schien es vor vier Jahren wie aus heiterem Himmel keine Zukunft mehr zu geben für dieses in Deutschland wohl einmalige Programm. Der „Arbeitsauftrag des Kuratoriums“ der Städelschule, den Betrieb der Abendschule für die Kunsthochschule kostenneutral zu gestalten, ließ an Deutlichkeit im Grunde wenig zu wünschen übrig. Die Städelschule, mochte man ihn übersetzen, zieht sich aus der Trägerschaft zurück. Und gibt damit den jahrzehntelang auf hohem Niveau eingelösten Anspruch auf, Laien und vielversprechenden Talenten vor dem Beginn des Hochschulstudiums „ein breites Kunststudium, quasi im zweiten Bildungsweg“ zu ermöglichen, wie es der einstige Leiter der Abendschule, Karl Bohrmann, einmal formuliert hat.

Die Aufregung war groß, nicht nur bei Schülern und Dozenten. Auch prominente Unterstützer wie Thomas Bayrle sprachen sich in eindringlichen Appellen für den Fortbestand der Abendschule aus. Man möge doch, äußerte seinerzeit der frühere Rektor der Städelschule, Raimer Jochims, „die Basis und die Spitze der Pyramide zusammen sehen und die ungemein bescheidene Summe“ - die Abendschule sprach von 40000 Euro, die Administration der Städelschule von 70000 Euro im Jahr - weiterhin bereitstellen. Zu retten sei eine für die Basisarbeit unverzichtbare Institution.

Bekannte Künstler begannen hier ihre Karriere

Es half alles nichts. So zog sich die Abendschule mangels administrativer Unterstützung ein erstes Mal selbst aus dem Sumpf und warb, über eigene Sparbemühungen und die Entscheidung der Hochschule für eine drastische Erhöhung der Kursgebühren hinaus, Geld für die Finanzierung ihres Betriebs ein. Die Abendschule, aus der in den vergangenen Jahrzehnten keineswegs nur Hobbykünstler hervorgegangen sind, sondern an der auch die Karrieren bekannter Künstler wie Britta Lumer, Karsten Bott oder Nora Schultz ihren Anfang genommen haben, schien vorerst gerettet.

Im Frühsommer dieses Jahres jedoch kündigte die Städelschule an, sich nunmehr endgültig aus der Trägerschaft zurückzuziehen. Bei einer Anhörung im Kulturausschuss der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung stellte sich heraus, dass die Administration der Hochschule es versäumt hatte, einen erheblichen Teil der von Vroni Schwegler, Leiterin der Abendschule, eingeworbenen Stiftungsgelder abzurufen. Das mochte man ein unglückseliges Versehen oder schlicht und einfach peinlich nennen. Kein Wunder war es jedenfalls, dass es der in der Kunstszene hartnäckig kolportierten Einschätzung neue Nahrung gab, die Abendschule in ihrer jetzigen Form sei schlicht nicht mehr gewollt. Nur sagen wollte dergleichen dann doch lieber niemand.

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