26.05.2008 · „Kempowski lesen“: Fünf Dozenten erinnern in der Frankfurter Gastdozentur Poetik an den verstorbenen Schriftsteller, der die Poetikvorlesung des vergangenen Wintersemesters hätte halten sollen. Wilhelm Genazino eröffnet die Reihe.
Von Florian BalkeDie Stiftungsgastdozentur Poetik der Frankfurter Goethe-Universität wird in diesem Sommersemester von fünf Dozenten wahrgenommen. Wilhelm Genazino, Andreas Maier, Josef Winkler, Eva Demski und Urs Widmer, alle ehemalige Frankfurter Poetikdozenten, erinnern in den nächsten Wochen an Walter Kempowski, der die Poetikvorlesung des vergangenen Wintersemesters hätte halten sollen.
Zur Erinnerung an den im Oktober vergangenen Jahres gestorbenen Schriftsteller steht die Vorlesungsreihe dieses Semesters unter dem Motto „Kempowski lesen“. In ihren Vorlesungen widmen sich die Dozenten Werken, die Kempowski für seine Frankfurter Vorträge noch selbst ausgesucht hatte.
Urs Widmer bespricht „Alles umsonst“
Eröffnet wird die Reihe, deren Veranstaltungen dienstags um 18 Uhr im Hörsaal VI des Hörsaalgebäudes auf dem Campus Bockenheim stattfinden, mit Wilhelm Genazinos Vorlesung über Kempowskis Roman „Aus großer Zeit“. Den Eröffnungsband seiner „Deutschen Chronik“, die vom Schicksal der Rostocker Reedersfamilie Kempowski zwischen Kaiserreich und Nachkriegszeit erzählt, brachte Kempowski 1978 heraus. Andreas Maier widmet sich am 3. Juni dem Buch, mit dem die Veröffentlichung der „Chronik“ 1971 ihren Anfang nahm, dem im nationalsozialistischen Deutschland angesiedelten „Tadellöser & Wolff“.
Josef Winkler spricht am 10. Juni über den 1988 erschienenen Roman „Hundstage“. Die Hauptfigur des Buches, den Schriftsteller Alexander Sowtschick, hatte Kempowski schon 1983 erfunden, als er an „Herzlich willkommen“ arbeitete. Dem 1984 veröffentlichten letzten Band der „Chronik“, in dem Kempowskis Ankunft in Westdeutschland nach dem Ende seiner Haftzeit in Bautzen beschrieben wird, ist Eva Demskis Vorlesung am 17. Juni gewidmet. Urs Widmer beschließt die Reihe am 24. Juni mit seiner Vorlesung über den 2006 erschienenen Fluchtroman „Alles umsonst“.