16.01.2009 · Das Ausstellungsjahr in der Schirn beginnt mit dem Spätwerk von Ernst Wilhelm Nay. Und im Städel dürften 2009 „Caravaggio in Holland“ sowie eine Botticelli-Schau zu Publikumsmagneten werden.
Von Michael HierholzerDie Finanzkrise wirft die Firma Hollein nicht aus der Bahn. Das bringt jedenfalls der Chef von Schirn, Städel und Liebieghaus selbstsicher zum Ausdruck. Gewiss sei die Investmentbank Lehman Brothers ein Hauptsponsor gewesen. Aber deren habe man viele. Und zahlreiche Unternehmen hätten sich langfristig an eines der drei Frankfurter Ausstellungshäuser gebunden. Auch belaste sicherlich die Situation im Augenblick die Gespräche zwischen Museen und Drittmittelgebern, und künftig werde es wohl rauher zugehen beim Konkurrenzkampf ums Geld für die Kultur.
Zumindest 2009 werde man jedoch allein schon deshalb keine Auswirkungen auf das Veranstaltungsprogramm merken, weil die Finanzierung der Projekte in der Kunsthalle am Römer und den Museen am Schaumainkai schon gesichert worden sei, bevor die Wirtschaft weltweit ins Trudeln geraten sei. Zudem gebe es auch positive Signale: So habe etwa die Bank of America sich erst vor kurzem zu einer dauerhaften Förderung der Schirn bekannt.
Die erste große Ausstellung in diesem Jahr, die das Spätwerk von Ernst Wilhem Nay in den Mittelpunkt rückt, wird von diesem Kreditinstitut finanziell unterstützt. Nicht ohne Grund, sagt der Direktor: Es gelte, auch mit der Wahl des Sponsors die Internationalität dieses Künstlers herauszustellen, dessen reifes Œuvre seinerzeit zu Unrecht harscher Kritik ausgesetzt gewesen sei. Dabei hatte er mit an der Decke plazierten Gemälden 1964 einen grandiosen Auftritt bei der „documenta“ in Kassel. Diese Inszenierung wird in der Nay-Ausstellung in der Schirn, die am 22. Januar beginnt, rekonstruiert.
So kann Max Hollein auch Anfang 2009 von einer sich fortsetzenden Erfolgsgeschichte berichten. Das zu Ende gegangene Ausstellungsjahr war in allen drei von ihm geleiteten Institutionen wieder äußerst erfolgreich. Die Schirn besuchten im vorigen Jahr 356.500 Kunstinteressierte, am meisten Zuspruch fand die Impressionistinnen-Schau mit knapp 185.000 Betrachtern.
Hollein sagte jedoch bei der Vorstellung der Aktivitäten in den nächsten zwölf Monaten, es komme nicht nur auf die Besucherzahlen, sondern auch auf die Qualität der Präsentationen und ihren kulturellen Wert an. Im Hinblick auf die große Darwin-Schau, die vom 5. Februar in der Schirn zu sehen sein wird, führte Hollein aus, es sei immer schwieriger, Objekte für thematische Ausstellungen zu erhalten. Leihgeber wollten oft nur noch Retrospektiven bestücken. Die Schirn sei mittlerweile weit und breit die einzige Einrichtung, die sich überhaupt noch an große Themenausstellungen wage.
Das Städel, das 2008 etwa 315.000 Besucher anzog, unter anderem mit einer weithin beachteten Cranach- und der zurzeit noch laufenden Meister-von-Flémalle-Schau, wartet 2009 mit zwei weiteren kulturellen Höhepunkten auf: der Schau „Caravaggio in Holland“ (vom 1. April an) und einer Botticelli-Ausstellung, zu der sogar die Florentiner Uffizien einen spektakulären Beitrag leisten (vom 13. November an). Für das altehrwürdige Museum ist ein kulturgeschichtsträchtiges Jahr zu Ende gegangen: Teile der Sammlungen von DZ Bank und Deutscher Bank wurden dem Haus überlassen, und bei einem Architekturwettbewerb war der Entwurf von Schneider + Schumacher für einen großenteils unterirdisch geplanten Erweiterungsbau siegreich.
Es bleibe, sagte Hollein, bei Baukosten in Höhe von 30 Millionen Euro, die Hälfte des Geldes sei schon beisammen. Ob wie ursprünglich vorgesehen 2010 mit der Eröffnung zu rechnen sei, könne man derzeit noch nicht genau sagen, wahrscheinlich sei aber eine Beendigung der Arbeiten Anfang 2011. Besonderer Liebling bei Kritik und Publikum war 2008 das Liebieghaus, das in neuem Glanz erstrahlte und mit erstklassigen Ausstellungen verblüffte. Dort wird 2009 die antike Sammlung neu aufgestellt.