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Frankfurter Literaturhaus Elend der Integration

12.06.2007 ·  Im Frankfurter Literaturhaus wurde über die Auswirkungen von Immigration diskutiert. Während die Menschenrechtlerin Mina Ahadi von Steinigungen berichtete, vertrat der Forscher Ferdinand Sütterly die These, die Deutschen wünschten den sozialen Aufstieg von Immigranten nicht.

Von Claudia Schülke
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Man glaubt, man steht im Wald: Da öffnet Maria Gazzetti den Großen Saal ihres Literaturhauses, und schon grünt es so grün wie drüben in Paris’ Bistro-Bar. Die frisch gestrichenen Wände dämpfen das aggressive Licht der gigantischen Leuchter. Endlich kann man sich hier zu Hause fühlen. Endlich wähnt man sich integriert in den neoklassizistischen Musentempel.

Doch ausgerechnet diesmal stand das „Elend der Integration“ auf der Tagesordnung. Auf Einladung des Instituts für Sozialforschung und des Hessischen Rundfunks (hr2) saßen auf dem Podium drei Männer der nüchternen Analyse und eine Frau, die es wissen muss, weil sie ihre Pappenheimer kennt und sich selbst als Ex-Muslimin in die westliche Gesellschaft integrieren musste: Die iranische Menschenrechtlerin Mina Ahadi hatte drei Bodyguards mitgebracht, weil sie sich nach massiven Drohungen nicht mehr sicher fühlt.

Bericht: Steinigungen auf offener Straße

Selten ist die Brüchigkeit der Zeit in der Diskussionsreihe der „ZeitBrüche“ so mit den Händen greifbar gewesen wie bei dieser Veranstaltung. Am unangenehmsten fiel Werner Schiffauer von der Europa Universität Viadrina in Frankfurt/Oder auf, der sich als Mann der „wissenschaftlichen Analyse“ vorstellte und seine hochemotionalisierte Gesprächspartnerin ziemlich taktlos der politischen Agitation zieh.

Er hatte leicht reden, schließlich musste er nicht mit seinem Leben für seine Analysen einstehen. Wo Frau Ahadi von Steinigungen auf offener Straße zu berichten wusste, von der Verletzung von Kinder- und Frauenrechten, weil zum Beispiel deutsche Lehrer Angst hätten, ihre muslimischen Schüler vor den eigenen Eltern zu schützen, da berichtete Schiffauer von einer emanzipatorischen Frauenbewegung, die zwischen 1985 und 2000 aus den islamischen Immigranten-Gemeinden hervorgegangen sei.

Mina Ahadi griff ihren Gesprächspartner nicht mit dem unlauteren Mittel der Insinuation an. Moderator Peter Kemper mischte sich wenig ein, und Jörg Lau, Berliner Korrespondent der „Zeit“ sowie wissenschaftlicher Assistent an der Universität Gießen, versuchte zu vermittteln. Anders als Frau Ahadi, die in der Islam-Konferenz nur ein Angstsignal deutscher Politiker vor dem politisierten Islam sieht, hält er das Gespräch der Regierung mit den muslimischen Organisationen für richtig.

These: Aufstieg von Immigranten unerwünscht

Aber auf das Sicherheitsdenken von Innenminister Schäuble und die weitere verfassungsrechtliche Beobachtung möchte er auch nicht verzichten. Wo Schiffauer das Recht der Muslime auf Differenz verteidigte, warnte Lau vor der Segregation einzelner Gruppen, die etwa das Tragen eines Kopftuches als politisches Bekenntnis erwarteten.

Ferdinand Sütterly vom Frankfurter Institut für Sozialforschung hielt es eher mit Schiffauer, indem er der deutschen Bevölkerung nachwies, gar nicht auf die Integration ihrer türkischen Mitbürger erpicht zu sein. Jedenfalls präsentierte er eine Studie, die belegte, dass vor allem die sozialen Aufsteiger unerwünscht seien, jene Immigranten also, die sich am besten integriert hätten. Die Deutschen, so Sütterly, pflegten eine „Idealvorstellung“ vom subalternen türkischen Gastarbeiter.

Gerade die beiden jüngeren Immigrantengenerationen seien aber von dem Wunsch nach sozialem Aufstieg in die Mitte der bürgerlichen Gesellschaft beseelt, ergänzte Schiffauer und warnte zugleich vor der inneren Emigration der Immigranten. Weder er noch Lau fürchten mit der umstrittenen Moschee eine Eroberung von Köln, Sütterly pochte immerhin auf die Grundrechte. Nur Mina Ahadi kritisierte eine Politik, die aus Angst Illusionen nähre.

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