24.11.2009 · „Open Doors“: An den diesjährigen Tagen der offenen Künstler-Ateliers in Frankfurt herrschte ein reges Publikumsinteresse. Insgesamt 24 Orte in ganz Frankfurt verband der Atelierrundgang dieses Mal.
Von Hortense Pisano„Nennen Sie mir ein Stichwort, irgendeins. Ich finde dazu den passenden 16-Millimeter-Film in meiner Sammlung.“ Mit diesem verlockenden Angebot begrüßte Nora de Baan die Besucher, die ihren Arbeitsraum im Künstlerhaus „Atelierfrankfurt“ (Hohenstaufenstraße 13–25) betraten. Eigens zur Veranstaltung „Open Doors“, zu der jetzt abermals 200 Künstler Einblicke in Frankfurter Ateliers gewährten, hatte die Züricher Filmemacherin ihren Raum in eine Art Non-Stop-Kino verwandelt.
Sichtlich fasziniert saßen die Zuschauer darin einzeln vor einem surrenden Filmapparat. Allein die Vorführsituation erwies sich als Erlebnis, da das Abspielformat des Films durch einen umgebauten Projektor auf die Größe eines Minikinos schrumpfte.
Förderung von Kultur
Wunderte man sich noch darüber, dass jener auf einer winzig runden Papierfläche projizierte Film nichts mit dem anfangs verlangten Stichwort zu tun hatte, erklärte die Künstlerin am Ende des Clips humorvoll: „Dies ist die Geschichte des kauenden Hasen, der eine Maus sein wollte.“ Geschickt füllte sie die Lücke zwischen gewünschtem Stichwort und sichtbarem Filmbild.
Gut besucht waren die „Open Doors“ auch in ihrem dritten Jahr. Insgesamt 24 Orte in ganz Frankfurt verband der Atelierrundgang dieses Mal. Parallel zu den 43 städtischen Ateliers, dazu zählen sowohl der Kulturbunker in der Schmickstraße 18 im Osthafen als auch die Ateliers in der Ostparkstraße 47–49, öffneten wieder die beiden Vereine „Atelierfrankfurt“ und „basis“ ihre Häuser. Schon zur Vernissage der „Artists in Residence“-Ausstellung waren viele Besucher gekommen, Felix Semmelroth, Kulturdezernent der Stadt Frankfurt, hielt die einführende Rede. Auch in Zeiten der Finanzkrise, versicherte er, sei die Förderung von Kultur weiterhin Sache der öffentlichen Hand. Für den Verbleib der Künstler in der Stadt seien finanzierbare Arbeitsräume eine wichtige Grundlage.
Deutsche Hausmannskost
Wie der Atelierrundgang nun zeigte, trägt das Modell, Künstlern zusätzlich zu den städtisch finanzierten Ateliers in Frankfurt auch günstige Arbeitsräume anzubieten, inzwischen ansehnliche Früchte. Direkt unter dem Dach des „Atelierfrankfurt“ konnten Neugierige einen exklusiven Blick auf jene Skulpturteile werfen, die Tomas Saraceno für die Kunstbiennale in Venedig produziert hatte.
Frische Gesichter mischten sich diesmal im „Atelierfrankfurt“ unter die etablierten Künstler. In dem 2008 neu hinzugekommenen Anbau hat der Amerikaner Jesse Farber einen Atelierraum bezogen. Auf dem Flohmarkt in Frankfurt fand er ein Kochbuch, dem Layout nach zu urteilen aus den 1970er Jahren. Die heute unappetitlich wirkenden Nahaufnahmen von deutscher Hausmannskost dienten dem Künstler als Vorlagen für seine horrorartigen bis surrealen Papiercollagen.
Schwindelerregende Geschwindigkeit
Während im „Atelierfrankfurt“ vor allem jene Arbeiten überzeugten, die sich am Rand des Surrealen bewegten, nahmen die Künstler und angewandten Designer in den beiden Atelierhäusern der „basis“ (Gutleut- und Elbestraße) verstärkt Bezug auf die gegenwärtigen digitalen Entwicklungen. Florian Jenett stellte seine neue Arbeit, bestehend aus achtzehn Computermonitoren, vor. In einer schwindelerregenden Geschwindigkeit überspielte sein Rechner live kurze Werbe-Clips, die Jenett von den Internetseiten internationaler Tageszeitungen bezieht.