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Frankfurt Wenn das Chaos keine Theorie bleibt: Schlingensief-Abend im Schauspiel

17.03.2005 ·  Es war nicht wirklich ein Dramaturg des Frankfurter Schauspiels, der da auf die Bühne trat, und auch an der Identität der anderen Personen darf gezweifelt werden. Es ist halt doch alles Theater. Nur: Schlingensief ist Schlingensief.

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Es war nicht wirklich ein Dramaturg des Frankfurter Schauspiels, der da auf die Bühne trat, und auch an der Identität der anderen Personen darf gezweifelt werden. Es ist halt doch alles Theater. Nur: Schlingensief ist Schlingensief. Und machte daraus auch auf der Großen Bühne des Sprechtheaters keinen Hehl, das jetzt eine der wenigen Tournee-Stationen eines Abends mit dem Titel "Schlingensief intim - Fickcollection, A. Hipler" war. Er sei in einem Fluß, alles sei im Fluß, ließ der vorigen Sommer als "Parsifal"-Regisseur in Bayreuth überraschend erfolgreiche Grenzgänger zwischen den Genres das Publikum wissen. Daher unterscheiden sich die Theaterereignisse auf der Kurztour auch von Stadt zu Stadt erheblich.

Keine Lesung also dieses Mal aus dem Briefwechsel zwischen Wolfgang Wagner und dem Inszenator. Gebe es heute nicht, verkündete der Kunstbegriffsdreher und -wender barsch und geriet sich mit dem vermeintlichen Dramaturgen, der eine vermeintliche Talkshow zu moderieren versuchte, vermeintlich in die Haare. Die Produktion von Chaos kam denn auch, schlingensiefüblich, rasch in die Gänge, das Irritationsmoment, ob es sich vielleicht tatsächlich um eine Gesprächsrunde handeln könnte, verflog rasch, der höhere Blödsinn obsiegte. Und später die reine Langeweile.

Das Publikum wurde förmlich aus dem Theater getrieben, die Akteure verabschiedeten sich nur, um wiederzukommen. Der Formlosigkeit eine Form, wehe den Bedeutungen, so war das mal in der sogenannten Postmoderne, und so ist es bei Schlingensief noch immer. Viele Leute treten auf und wieder ab und wieder auf. Filmeinspielungen allenthalben, laute Störmusik, und ständig Zitate früherer Aktionen, Inszenierungen. Ein Stück wird daraus nicht, das Ganze ist eine Performance, und wer es partout nicht merken will, wird so lange mit Anspielungen malträtiert, bis er es irgendwann schon begreift. Das geht los mit einer Diskussion, bei der Joseph Beuys über seinen erweiterten Kunstbegriff spricht, und reicht über die Konversation über eine in einem Kunstkatalog (der Flickcollection? der Fickcollection?) abgebildete Installation von Dieter Roth bis zur Kreuzigung einer Pute. Ein Mann, der wie der zur Zeit gefeierte Jungkünstler Jonathan Meese genannt wird und auch ein bißchen so aussieht, führt das im Römertopf geschmorte Tier dieser Bestimmung zu, obwohl es doch zuvor geheißen hatte, damit sollten die Gesprächsteilnehmer ihren Hunger stillen.

Wieder mit dabei: Schlingensiefs Behinderten-Truppe, die authentischer ist als es jedwedes realistisches Theater je sein könnte. Und auch die unvermeidliche Zwergin fehlt nicht. Thematisch tritt gelegentlich Island in den Vordergrund, da wird auch schon mal Isländisches gesungen, und die Zwergin outet sich als Kobold. Und so weiter, und so fort, lauter Verweise und Bezüge. Worauf? Auf Schlingensief-Aktivitäten. Denn es geht um nichts anderes als den Schlingensief-Kosmos, und das ist irgendwie auch gut so, weil es dann nämlich um Kunst geht. Um eine andere Art des Unsinns, der uns täglich lähmt. Michael Hierholzer

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