Wenn Sir Simon Rattle heute Abend in der Alten Oper seine Berliner Philharmoniker dirigiert, dann liegt das auch ein wenig an der Deutschen Bank. Das Institut ist seit Jahren exklusiver Partner des Orchesters, einer der positiven Nebeneffekte für Frankfurt ist, dass es so einmal im Jahr zum Gastspiel in die Stadt kommt. Die Bank hat 150 Kunden zu dem Konzert eingeladen, samt anschließendem Empfang mit Vorstandsmitglied Jürgen Fitschen und dem Dirigenten.
Im Jahr 2007 habe das größte deutsche Kreditinstitut 82 Millionen Euro in die Kulturförderung gesteckt, rund vier Millionen davon seien in Projekte im Rhein-Main-Gebiet geflossen, sagt Michael Münch, der die Corporate Social Responsibility, also das gesellschaftliche Engagement der Bank, verantwortet. Zwar stehe die Zahl für 2008 noch nicht fest, aber er gehe davon aus, dass sie auf ähnlichem Niveau liege, und jene für 2009 ebenfalls.
Fördermaßnahmen sollen nicht gekürzt werden
Die Finanzkrise reißt tiefe Löcher in die Bilanzen der meisten Banken. Die Auswirkungen auf den Kulturbetrieb der Stadt scheinen sich aber bislang in Grenzen zu halten. Wie die Deutsche Bank, sagt auch ein Sprecher der Landesbank Hessen Thüringen, die zum Beispiel zu den Hauptsponsoren des Rheingau Musik Festivals zählt, dass die bisherigen Fördermaßnahmen nicht gekürzt würden. Die Höhe des Budgets will er nicht beziffern.
In Frankfurt fördert die Deutsche Bank zum Beispiel den Portikus und den Mousonturm nach eigenen Angaben jeweils mit fünfstelligen Beträgen jährlich. Für Furore hatte das Haus im Herbst gesorgt, als es dem Städel 600 Kunstwerke aus der eigenen Sammlung als Dauerleihgabe überreichte. „Es gibt nichts aus unserem laufenden Förderprogramm, was wir abgesagt haben“, sagt Münch.
„100 statt 130 Prozent“
Für neue Engagements dürfte es aber schwieriger werden. „Wenn jetzt Spendenanfragen von lokalen Institutionen kommen“, sagt Münch, „prüfen wir natürlich noch kritischer als zuvor, ob das Projekt wirklich zu uns passt.“ Mittelfristig dürfte die Finanzkrise also nicht ohne Folgen für den Kulturbetrieb bleiben. „Wenn ein Museum vorher mit 130 Prozent gefahren ist, muss es jetzt mit 100 Prozent auskommen“, sagt Münch. Aber man könne schließlich an Stellschrauben drehen, so dass eine schlechtere finanzielle Ausstattung nicht sofort sichtbar werde – etwa eine bestehende Ausstellung verlängern, statt eine neue zu konzipieren.
Frankfurt dürfte seiner Ansicht nach davon profitieren, dass viel von Stiftungen gefördert werde, weil deren Kapitalausstattung nicht vom operativen Geschäft von Unternehmen abhängt. Die vier Millionen Euro, die die Deutsche Bank in der Region ausgebe etwa, kämen zur Hälfte von der Stiftung des Hauses.
„Projekte uneingeschränkt fortführen“
Da Stiftungskapital aber meist angelegt wird, können sich auch hier die Turbulenzen der Kapitalmärkte zeigen. Ralf Suermann zeigt sich glücklich, dass die Jürgen-Ponto-Stiftung der Dresdner Bank, deren Geschäfte er führt, ihr Geld konservativ, nicht in Aktien, angelegt habe. „Wir können unsere Projekte uneingeschränkt fortführen“, sagt Suermann und beziffert die jährliche Ausschüttung auf rund 280 000 Euro.
Zum Beispiel gebe es eine Kooperation mit dem Museum für Moderne Kunst Zollamt. Für dieses Jahr seien wieder zwei Ausstellungen von Stipendiaten der Stiftung geplant, sagt Suermann. Die Stiftung ist auch von der Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank nicht betroffen. Wie es allerdings in dem neu entstehenden Kreditinstitut weitergeht, ist noch unklar.
Veränderungen schlagen sich auch in die Kultur durch
„Bestehende Sponsoring-Verträge des Dresdner- Bank-Konzerns werden im Rahmen der Integration geprüft, laufen zunächst aber unverändert weiter“, heißt es aus der Commerzbank, die selbst „auch künftig zu ihren Sponsoring-Engagements stehen“ werde. Noch nicht entschieden ist somit etwa auch, ob das English Theater wie bisher seine Stücke weiter im Gallileo-Turm der Dresdner Bank aufführen kann.
„Lehman Brothers gibt es nicht mehr, Bear Stearns gibt es nicht mehr, andere Häuser fusionieren und werden ihre Fördergelder sicher nicht verdoppeln“, sagt Andreas Dombret, Geschäftsführer der Bank of America Deutschland. Er ist sich sicher, dass sich diese Veränderungen auch in der Kultur durchschlagen werden.
Lehman Brothers war Partner der Schirn und anderen
Lehman Brothers zum Beispiel war einer der Partner der Schirn, des Städels und des Liebieghauses und spendete jährlich einen fünfstelligen Betrag. Kurz nach dessen Pleite im Herbst stieg die Bank of America als Förderer ein, so dass sie quasi als Nachfolger gilt.
Die Ausstellungen „Bunte Götter“ im Liebieghaus, die gerade zu Ende gegangen ist, oder die noch laufende Schau „E.W. Nay“ in der Schirn wurden mit Geld der Amerikaner finanziert. Zusammen mit den Engagements bei der Skulpturenausstellung „Blickachsen“ in Bad Homburg und der Cellistenschule Kronberg Academy komme die Bank of America auf ein jährliches Fördervolumen in sechsstelliger Höhe. Alle drei Projekte seien gesichert – zumindest bis 2010.
Sahnebonbons
joachim bovier (jbovier)
- 17.02.2009, 18:00 Uhr

