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Frankfurt-Film „Unter Dir die Stadt“ Wo auf engstem Raum alles passieren kann

24.08.2009 ·  Frankfurt ist im Kino schon lange nicht mehr zu Ehren gekommen. Das ändert sich nun. Regisseur Christoph Hochhäusler entdeckt Frankfurt als Drehort – mit Hilfe des neuen Stadtschreibers von Bergen-Enkheim.

Von Marie Katharina Wagner
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Frankfurt ist im Kino schon lange nicht mehr zu Ehren gekommen. Seit dem „Mädchen Rosemarie“ aus dem Jahr 1958 will einem kein spektakulärer Film einfallen, der die Stadt zu seinem Schauplatz gemacht hätte. Während Berlin und Hamburg es in dieser Hinsicht noch ganz gut getroffen haben, filmen die interessantesten jungen Regisseure in letzter Zeit auffallend gerne in der Provinz. Nun stecken wir aber gerade in einer dicken, fetten Bankenkrise. Und wo sollten die Filme zur Krise spielen, wenn nicht in Frankfurt?

Seit dem 11. August und noch bis Mittwoch dreht einer dieser interessanten jungen Regisseure, Christoph Hochhäusler, in Frankfurt seinen neuen Film „Unter Dir die Stadt“. Hochhäusler wird seit seinen ersten beiden Filmen „Milchwald“ und „Falscher Bekenner“ der „Berliner Schule“ zugerechnet, die in Frankreich begeistert „Nouvelle Vague Allemande“ genannt wird. Lange vor Ausbruch der Krise ist ihm eingefallen, dass die Stadt mit ihren glänzenden Hochhausfassaden und Anzugträgern, ihren Straßenschluchten und dem Bahnhofsviertel eine interessante Kulisse abgeben könnte, zumal für einen Film, in dem es um Bankangestellte geht. Er sehe die Stadt als „Summe aller Leben“, wo auf engstem Raum alles passieren könne, sagt Hochhäusler. Mit seinen Kontrasten und seiner Internationalität nutze er Frankfurt als Modell einer globalen Stadt, natürlich in deutscher Ausprägung.

Ein Bankmanager verliebt sich

Um die Krise geht es Hochhäusler in seinem neuen Projekt nicht, jedenfalls nicht vordergründig. Sie soll sich „mikroskopisch“ auf der Beziehungsebene des Films wiederspiegeln, was immer das heißen mag. Die Geschichte bezeichnet er als „modernes Königsdrama“. Wären der Regisseur, sein Drehbuch-Co-Autor Ulrich Peltzer, der am Freitag neuer Stadtschreiber von Bergen-Enkheim wird, und die Schauspieler Nicolette Krebitz, Mark Waschke und Robert Hunger-Bühler nicht so vielversprechend, könnte man auf den Gedanken kommen, die Handlung sei einem Groschenroman entnommen.

Ein Bankmanager verliebt sich in die Frau eines Angestellten. Er versetzt ihn, weil er die Frau für sich haben will. Das findet diese blöd, weil sie sich nicht manipulieren lassen will. Hochhäusler verpasst dem Plot zumindest theoretisch ein Tuning, indem er ihn als Variation der biblischen Geschichte von König David versteht, der Uria den Hethiter in den Tod schickte, weil er dessen Frau Bathseba begehrte.

„Entfernung von der Wirklichkeit“

Wahrscheinlich wird aus „Unter Dir die Stadt“ trotz simpler Geschichte ein – nicht nur aus Lokalpatriotismus – sehenswerter Film. Hochhäusler hat gemeinsam mit Peltzer viele Gespräche mit Bankern geführt, vor und nach der Krise. Es habe sich, jedenfalls bei denen, die ihre Jobs behalten hätten, gar nicht viel verändert, sagt er. Deutlich spürbar sei bei den meisten eine „große Entfernung von der Wirklichkeit“.

Aber dasselbe Phänomen wird Schauspielern ja auch gerne nachgesagt. Hunger-Bühler, der den skrupellosen Manager spielen wird, sagt, er habe sich aus Mangel an Vorbildern zunächst gar nicht vorstellen können, den Banker zu geben. Dann seien ihm die Könige aus Shakespeares Dramen eingefallen, die ebensolche „Allmachts-Alphatiere“ seien wie die Bankenchefs. Vielleicht wird dies das Interessanteste an “Unter Dir die Stadt“: Dass darin Schauspieler auf Banker und damit zwei weltfremde Welten aufeinander treffen.

„Unter Dir die Stadt“ soll im Herbst 2010 in die Kinos kommen.

Quelle: F.A.Z.
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