15.05.2009 · Im jüngst eröffneten „Art Foyer“ der DZ Bank ist eine Ausstellung mit Werken junger Fotokünstler eröffnet worden. „Gute Aussichten“ ist der Titel der Schau.
Von Michael HierholzerDer überraschende Blick auf die Wirklichkeit. Das Enthüllen verborgener Realitäten. Die Inszenierung von Menschen und Dingen. Die nüchterne Dokumentation des Unspektakulären. Die Suche nach Mustern, Formen, Gesetzmäßigkeiten in den Erscheinungen der äußeren Welt. Die Reflexion über Gegenstand und Abbild. Die Analyse des eigenen Mediums und der Verfertigung der Bilder. Dies und noch viel mehr leistet ein Genre, von dem erst seit zwanzig, dreißig Jahren angenommen wird, dass es unter Umständen Kunst sein kann.
Dabei hat sich die Lichtbildnerei seit ihren Anfängen nicht nur als bloße Verdoppelung des Vorgefundenen verstanden, sondern auch als schöpferischer Umgang mit den Sujets. Mit ihrer Anbindung an die Avantgarde-Bewegungen des 20. Jahrhunderts bekam die Fotografie verstärkt mit Fragen zu tun, die sich allgemein im Zusammenhang einer nicht länger auf das Mimetische, Repräsentative, Figürliche fixierten Kunst stellten.
Stripperinnen in der Dunkelkammer
Im jüngst eröffneten lichten und großzügigen „Art Foyer“ der DZ Bank ist nun eine Ausstellung mit Werken junger Fotokünstler eröffnet worden, die vor diesem Hintergrund ihren je spezifischen Zugang zum Medium erarbeiten. „Gute Aussichten“ ist der Titel der Schau, die aus dem gleichnamigen Wettbewerb hervorgegangen ist: Aus 103 Vorschlägen, die von 39 deutschen Akademien und Universitäten stammen, sind neun Positionen ausgewählt worden. Sie sind nun im City-Hochhaus des Geldinstituts am Platz der Republik zu besichtigen. Etwa 100 einzelne Werke werden in Frankfurt gezeigt. Die Stadt ist erstmals Station für die Ausstellung, die regelmäßig mit dem 2008 zum fünften Mal veranstalteten „Wettbewerb für Fotografie“ verbunden ist.
Die meisten Themen der Teilnehmer sind bei aller gestalterischen Avanciertheit nicht von einer Kunst-, sondern ganz und gar von dieser unserer aller Welt. Das Zusammenspiel von Baum und Ampel, Grün und innerstädtischer Technik, urban eingepferchter Natur und anbei stehenden Stadtmöblierungen hat Florian Rexroth in reduzierter Weise ins Bild gesetzt: Indem er nämlich weite Teile der Umgebung mit Tüchern abgehängt, verhüllt, dem Auge gütig entzogen hat. So wird die Aufmerksamkeit auf merkwürdige Kontraste und eigentümliche Harmonien gelenkt, die man gewöhnlich nicht wahrnimmt. Der Eindruck zenbuddhistischer Gärten drängt sich auf. Und der ökologische Aspekt kommt erfreulich spielerisch und unaufgeregt in die Szenerie.
Laura Bielau begibt sich ins Innerste eines aussterbenden Handwerks: Sie haucht Räumen und Objekten, die der Entwicklung von Filmen dienen, im Zeitalter der Digitalisierung aber zunehmend an Bedeutung verlieren, neues Leben ein, das zugleich reichlich gespenstisch wirkt. So in ihrer Serie mit Stripperinnen in der Dunkelkammer, die sich dort in einem Rotlicht zur Schau stellen, das mit der Ausleuchtung schummriger Bars aufs trefflichste korrespondiert. Katrin Trautner zeigt alte Menschen beim, vor oder nach dem Liebesspiel, ein Thema, das spätestens seit Andreas Dresens „Wolke 9“ aus der Tabuzone herausgerückt ist. Der nackte gealterte Körper ist allerdings bei einem Fotokünstler wie John Coplans schon in einer formalen Vollendung abgelichtet worden, von der die hier gezeigten Arbeiten noch ziemlich weit entfernt sind.