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Film „Sing it loud“ : Afrika singt gut lutherisch

Lobgesang unter afrikanischem Himmel: Szene aus dem Film „Sing it loud - Luthers Erben in Tansania“, der am Sonntag mit dem Chor Premiere feiert Bild: JIP Filmproduktion

Pop und Halleluja: Die Frankfurter Regisseurin Julia Peters und ihr Team gehen mit ihrem Film „Sing it loud“ auf Tour – und haben einen ganzen Chor dabei.

          Dass sie einmal mit einem ganzen Chor und ihrem Film quer durch Deutschland reisen würde, hätte sich die Frankfurter Regisseurin Julia Irene Peters wohl nicht träumen lassen. Genau das tut sie aber von Sonntag an, wenn ihr Film „Sing it loud“ im Frankfurter Kino Cinema seine Premiere feiert. Und wenn die 19 jungen Sängerinnen und Sänger des Kanaani-Jugendchors aus Arusha, Tansania, Ende Mai in Peters’ Heimatstadt Weimar fahren, werden diejenigen, die das möchten, dort einen Schwimmkurs machen. In Tansania war Peters mit den jungen Leuten öfter schwimmen – und hat festgestellt, dass die wenigsten das können. Und ein bisschen Freizeitvergnügen muss auch drin sein, zwischen all den Auftritten, die von den tansanischen Gästen bestritten werden.

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Vor fast 14 Jahren ist Peters, weil ihre Eltern eine Reise dorthin unternahmen, das erste Mal in Tansania gewesen. Und hat dort eine Art von Musik gehört oder vielmehr erlebt, die ihr noch nie untergekommen war. Kirchenmusik, ja – aber so anders als das, was man hierzulande darunter versteht, dass sie sofort fasziniert war. Aus der evangelisch-lutherischen Mission heraus hat sich in Tansania, vor allem im Norden des Landes, eine Art der Chormusik entwickelt, die deutsche Kirchenmusiktradition und afrikanische Musik zu einer ganz eigenen Mischung vereint. Seit mehr als 60 Jahren gibt es einen nationalen Chorwettbewerb, den Tausende von Sängern, 1500 Chöre, jedes Jahr vorbereiten. Drei davon hat Peters begleitet. Die Aufgabe: ein selbstkomponiertes Lied vortragen und einen vorgegebenen Choral. Im Jahr 2016 war es „Ein feste Burg ist unser Gott“ – auf Swahili.

          „Zum Zurücklehnen und Genießen“

          „Ich habe mich sofort in diese Musik verliebt, dass ich davon Gänsehaut bekam. Und ich hoffe, das geht den Leuten jetzt auch so“, sagt Peters. Das Ziel haben Peters und ihre Ko-Regisseurin Jutta Feit, mit der sie das Projekt fast ohne Förderung gestemmt hat, erreicht: Ihr Dokumentarfilm, gedreht von Kamerafrau Vita Spieß, er erzählt von Religion, Spiritualität, Kolonialgeschichte, aber auch davon, dass Musik Menschen froh macht und ihnen hilft, sich zu emanzipieren.

          „In Tansania ist diese Musik Pop“, erklären sie, Handy-Klingeltöne, Musikvideos, Mitschnitte der beliebtesten Chöre sind gang und gäbe. Deswegen sind etliche Passagen des Films inszenierte Musikvideos, „zum Zurücklehnen und Genießen“, wie Feit sagt. Vor allem die Clips mit dem Kanaani-Jugendchor, der am Pfingstmontag auf dem Frankfurter Römerberg bei der Reformationsfeier singen wird. Die jungen Leute zwischen 13 und Anfang 20 können die Videos und professionellen Tonaufnahmen, die Peters und ihr Team für den Film gemacht haben, nun für ihre Vermarktung nutzen, kostenlos, versteht sich.

          Dass sie selbst einige schlaflose Nächte wegen des Projekts hatten, vor allem bevor sie mit 3Sat einen Koproduktionspartner fanden, hat Peters und Feit im Grunde noch mehr bestärkt. Den Verleih und bundesweiten Start der neun Kopien haben sie selbst übernommen, organisieren mit der Hilfe der evangelischen Kirche und weiterer Partner die Präsentation ihres Films und die Konzerttour. Das schweißt zusammen: Ihre nächsten Projekte werden die beiden Frauen, die zuvor Erfahrungen unter anderem in der Frankfurter Filmproduktion von Daniel Zuta gesammelt haben, als Team realisieren. Ihr erster Streich soll der neue Spielfilm des Frankfurters Andy Siege werden.

          „Sing it loud“ im Kino

          „Sing it loud“ hat Premiere am Sonntag um 20.30 Uhr im Frankfurter Cinema, in Anwesenheit des Filmteams und des Kanaani-Chors, der ein Konzert gibt. Von 18. Mai an ist der Film im Kino zu sehen. Am Montag um 16 Uhr singt der Chor bei einem „Flashmob“ am Frankfurter Hauptbahnhof, ebenfalls am Montag um 20 Uhr sind das Team und der Chor im Murnau-Filmtheater Wiesbaden. Weitere Termine im Internet unter www.singitloud.de.

          Quelle: F.A.Z.

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