Für den einen sind es sprachliche Feinheiten, für die anderen gravierende handwerkliche Mängel: Der Magistrat der Stadt Frankfurt hat gestern der Vorlage des zuständigen Kulturdezernenten Hans-Bernhard Nordhoff (SPD) zur Fusion des Deutschen Filminstituts (DIF) mit dem Deutschen Filmmuseum nicht zugestimmt - das Thema wurde abermals vertagt.
Gegen Nordhoffs Vorlage sollen die für die Umsetzung der Fusion zuständigen Ämter dem Vernehmen nach zahlreiche Einwände gehabt haben - von "nicht im Interesse der Stadt" bis "nicht akzeptabel". Das Papier sei nicht beschlußreif gewesen, heißt es. Damit ist eine weitere Verzögerung in einem Prozeß eingetreten, der vor nunmehr drei Jahren von der Stadtverordnetenversammlung begonnen worden war - Nordhoff war damals beauftragt worden, die Fusion zu prüfen und den Bürgervertretern zu berichten.
Diese hatten sich, in Form der Grünen-Fraktion, tags zuvor im Kulturausschuß noch einmal gefragt, wo denn jener Prüfbericht über Sinn und Form einer solchen Zusammenlegung bleibe. Der Bericht steht aus, eine Vorlage gibt es nun, was einige Befürworter der Zusammenlegung mit Freude gesehen haben: Hegte den Fusionswunsch doch schon der ehemalige Kulturdezernent Hilmar Hoffmann, heute Vorsitzender des Verwaltungsrates des DIF, als er das Institut seinerzeit aus Wiesbaden in das 1984 gegründete Museum holte. In Erwartung einer Fusion hatte das Land Hessen schon 2004 seine Zuschüsse für das DIF um 70 000 Euro auf 226 000 Euro erhöht.
Daß nun eine weitere Verzögerung eintritt, wiewohl der Magistrat schon im Dezember 2003 beschlossen hatte, die Direktorin des DIF, Claudia Dillmann, solle binnen eines Jahres die Zusammenlegung planen, sorgt für Tuscheln hinter den Kulissen - zumal als angestrebtes Fusionsdatum seit geraumer Zeit der 1. Januar 2006 genannt wird. Für die beiden betroffenen Institutionen dürften angesichts der kurzen Zeitspanne, die für die Planung nun noch bleibt, allerhand Mehrbelastungen entstehen.
Der zuständige Dezernent gibt sich optimistisch: "Wir sind in der Zielphase." Am nächsten Freitag, davon gehe er aus, werde der Magistrat die Vorlage beschließen, die aus insgesamt vier Verträgen bestehe. "In sprachlicher Hinsicht einen kleinen Klärungsbedarf" gebe es noch, so Nordhoff. Auch das angestrebte Fusionsdatum soll laut Nordhoff eingehalten werden - selbst wenn nicht alle Formalitäten bis dahin geregelt seien, könnten sie rückwirkend angewandt werden.
Die Eckpfeiler sind seit langem bekannt: Das Museum soll in den Verein integriert werden - eine Lösung, die schon ein im Auftrag des Magistrats von Dillmann im vergangenen Sommer erarbeitetes Konzept vorschlug. Das Gebäude soll vom DIF genutzt und das Museum samt Kino betrieben werden; das Personal, so heißt es seit langem, soll städtisch bleiben und dem DIF "gestellt" werden. Einigkeit besteht weitgehend darin, daß eine Zusammenlegung inhaltlich sinnvoll sei und Frankfurt zu einem wichtigen Standort der Filmkultur und Filmwissenschaft in Deutschland machen werde. Einsparungen brächte sie der Stadt jedoch nicht: Für fünf Jahre soll der jetzige Unterhalt des Filmmuseums dem DIF zukommen, dann soll weiterverhandelt werden. Dennoch scheinen zahlreiche Details den zuständigen Ämtern ungeklärt zu sein: Nächste Woche wird sich zeigen, ob diese "sprachlichen Hürden" überwunden werden können. emm.

