Home
http://www.faz.net/-gzk-vany
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Fantasy Filmfest Die Russen kommen

 ·  Dass auch in den Großstädten die alten Mythen weiterleben, dafür liefern Fantasy- und Gruselfilme eindrucksvolle Überzeugungsbilder. Im August startet das 21. Fantasy Filmfest im Frankfurter Cinestar Metropolis.

Artikel Lesermeinungen (0)

Dass auch in den Großstädten die alten Mythen weiterleben, dafür liefern die Fantasy- und Gruselfilme im Westen seit jeher eindrucksvolle Überzeugungsbilder. Hier hat das russische Kino Nachholbedarf. Der Millionenerfolg der Verfilmung von Sergej Lukjanenkos Schauermärchen „Wächter der Nacht“ bestätigte die Aufnahmebereitschaft des heimischen und die Neugier des internationalen Publikums für die russische Variante gotischer Sujets. Die Adaption der Roman-Fortsetzung „Wächter des Tages“ gestaltete sich dann zum Medien-, wenn nicht Kulturereignis des Jahres in Putins Reich.

Nun kommt der mehr als zwei Stunden lange Film von Timur Bekmanbetov gut eineinhalb Jahre nach der Premiere auch nach Deutschland. Das Fantasy Filmfest, dessen 21. Runde heute auch in Frankfurt startet, macht es möglich, den Film kennenzulernen (8. August, 21.30 Uhr).

Neugier auf die russische Ästhetik

Wer die in deutscher Übersetzung erhältlichen Bücher gelesen hat, kann sich auf die Realitätsflucht in einer realistischen Kulisse gefasst machen. Denn das moderne Moskau ist der Hintergrund für ein Hexen- und Zaubererdrama, in dem Bewusstseins- und Wahrnehmungsebenen munter wechseln und destruktive oder schützende Mächte gleich legitim sind und allein die Liebe Rettung verspricht.

In der Fabel, die zwischen Imbissbudentristesse am Straßenrand und dem Glamour der neuen Business-Elite spielt, werden die Licht- und Schattenseiten der Gesellschaft, ihr Wechselspiel ohne Scheu vor trivialen Untiefen, aber mit spektakulären Aktionen dramatisiert. Brauchen wir das unbedingt? Zumindest sollten wir neugierig sein auf die russische Ästhetik. Sie wird sich mit weiteren Arbeitsproben, Nikolai Lebedevs monumentalem Historiendrama „Wolfshund“ (4. August, 23.45 Uhr), Pavel Ruminovs paranoidem Metropolenspuk „Todestöchter“ (6. August, 17 Uhr) und Mikhail Khleborodovs Sciencefiction-Thriller „Paragraph 78“ (3. August, 13 Uhr), vorstellen.

In der Vergangenheit hat das Festival Entdeckungen vor allem in der französischen, spanischen oder mexikanischen Horrorfilmkultur ermöglicht, die oft gleichermaßen barbarischen und poetischen Schocker kamen meist nur in Einzelfällen in die regulären Verleihstaffeln. Auch die Martial-Arts-Filme aus Korea, Hongkong oder Taiwan sicherten sich einen festen Platz bei den Fantasy-Liebhabern, ohne dass dieser Trend im von Hollywood dominierten Kinoprogramm angekommen wären. Grund also, ungemütliche Momente bei Alanté Kavaités Mysteryspiel „Fissures“ (7. August, 13 Uhr), Nacho Cerdàs mit Splattereffekten angetriebener Odyssee „Los Abandonados“ (3. August, 15 Uhr) oder Rigoberto Castanedas Unfallalptraum „Kilómetro 31“ (2. August, 17 Uhr) zu riskieren.

Amoklauf eines genmanipulierten Schafs

Die Freunde der Schwert- und Faustkämpferchoreographien kommen dafür bei „Jungcheon“ von Dong-oh Cho (1. August, 23.30 Uhr) auf ihre Kosten. Fest etabliert im internationalen Geschäft sind die Animes, die Zeichentricks aus Japan. Im Festival vertreten sind sie mit „Paprika“, einem Ausflug in irritierende Parallelwelten, von Satoshi Kon (5. August, 15 Uhr), „Tales from Earthsea“, dem ereignisreichen Vorstoß in eine exotische Sagenwelt, von Goro Miyazaki (8. August, 13 Uhr) und „The Girl Who Leapt Through Time“, einer neuen Variation des Zeitreisethemas, von Mamoru Hosoda (3. August, 19.30 Uhr).

Wieder nur eine marginale Rolle im fantastischen Genre spielen die deutschen Produktionen. Die beiden Filme „Nimmermeer“, ein nostalgisches Sozialdrama von Toke Constantin Hebbeln, und „Kaltmiete“, ein Kriegsspiel unter Nachbarn von Gregor Buchkremer, werden zusammen aufgeführt (5. August, 15.45 Uhr). Start ist am Mittwoch, 1. August, um 20 Uhr mit „Black Sheep“, dem von Jonathan King aus Neuseeland ausgedachten Amoklauf eines genmanipulierten Schafs voll makabrer und komischer Wendungen.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Zwischen Zuckeln und Rasen

Von Mechthild Harting

Der FDP-Verkehrsminister Florian Rentsch will kein Tempo-30-Limit nachts auf Frankfurter Hauptverkehrsstraßen. Das ist nun offensichtlich und nicht per se verwerflich. Seine Begründung hingegen klingt kurios. Mehr 3 3