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Einkommen von Schriftstellern : 12 000 Euro sind fünf Monate Lebenszeit

Kein einsamer Schriftsteller in seiner Klause: Ulrich Petzer schraubt sein Namensschild am Stadtschreiberhaus von Bergen-Enkheim an Bild: Frank Röth

Wer mit ihr über Geld spricht, dem gibt die Frankfurter Schriftstellerin Eva Demski eine traurige Auskunft. In finanzieller Hinsicht, sagt Demski, sei das Schreiben ein „so unbeschreiblich demütigender Beruf“.

          Wer mit ihr über Geld spricht, dem gibt die Frankfurter Schriftstellerin Eva Demski eine traurige Auskunft. In finanzieller Hinsicht, sagt Demski, sei das Schreiben ein „so unbeschreiblich demütigender Beruf“, dass die meisten Kollegen um ihr Einkommen „ein großes Theater“ machen müssten. „Es ist so ein verlogenes Thema, es wird Ihnen keiner die Wahrheit sagen.“

          Florian  Balke

          Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Hört man sich um, sind manche Autoren auskunftsfreudiger als gedacht. Preisgegeben werden aber nur ausgewählte Informationen. Sicher scheint eines: Der schreibende Mensch lebt selten vom Buch allein. Oft gelingt das sogar dann nicht, wenn man einen Erfolgstitel wie Demskis „Gartengeschichten“ verfasst hat, der sich seit fast einem Jahr gut verkauft – ohne dass im Insel-Verlag während der Wirren des Suhrkamp-Umzugs viel für das Buch getan worden wäre. Demskis Garten-Band ist nach der bislang letzten Zählung schon 23 000 Mal über den Ladentisch gegangen. „Es läuft noch immer gut, aber man kann davon nicht leben“, sagt seine Verfasserin.

          „Nur mit hohen Vorschüssen tut der Verlag was für die Werbung“

          Weil das so ist, kommt zum Honorar für das aktuelle Buch oft der Vorschuss für das nächste. Auch da lernt man als Schriftsteller nie aus. Demski hat es nie gelegen, auf größeren Vorschüssen zu bestehen. Ein Fehler, wie ihr eine Freundin klarmachte, die bei Bertelsmann veröffentlicht. „Nur mit hohen Vorschüssen tut der Verlag was für die Werbung.“

          Bekannt werden Bücher auch durch Lesungen. Sie bringen zudem Geld, für nennenswerte Summen muss man allerdings auf Lesereise gehen. Für einen Auftritt im Frankfurter Literaturhaus erhalten Schriftsteller nach Auskunft von Programmleiterin Maria Gazzetti zwischen 500 und 600 Euro. Gewinnern namhafter Literaturpreise zahle man gelegentlich 700 Euro. „Aber das ist schon viel.“ Das entspricht bei einer Lesungsdauer von neunzig Minuten einem Stundenlohn von 375 bis 450 Euro. Doch die kann meist nur verdienen, wer einen neuen Titel vorzustellen hat, was im Zweifelsfall nur alle paar Jahre passiert. Die Frankfurter Schriftstellerin Alissa Walser etwa geht mit ihrem aktuellen Roman „Am Anfang war die Nacht Musik“ in diesem Jahr auf eine Lesereise von mehr als dreißig Stationen.

          70 Termine pro Jahr

          Matthias Altenburg bewegt sich, wenn er unter seinem Krimi-Decknamen Jan Seghers unterwegs ist, an der oberen Grenze der von Gazzetti genannten Beträge. „Krimiautoren sind in der privilegierten Position, dass die Säle meistens voll sind“, berichtet er. Altenburg ist nicht erst seit dem Erscheinen des neuen Seghers-Bandes „Die Akte Rosenherz“ einer der Schriftsteller, die von ihren Honoraren leben können. Altenburg nimmt in diesem Jahr nach eigenen Angaben etwa 70 Termine wahr.

          Eine große Hilfe ist für viele Schriftsteller das Verfassen von Sendungen für das Radio. Schon in der Nachkriegszeit finanzierte sich Arno Schmidt, der es in Darmstadt nur drei Jahre aushielt, durch das Schreiben von Hörspielen den Kauf seines Hauses in der Lüneburger Heide. Auch Ror Wolf sagt, die Tantiemen aus seinen Hörspielen hätten ihm und seiner Frau geholfen, sich ihre Wohnung in Mainz zu leisten. Noch heute kann es vorkommen, dass der Hessische Rundfunk Schriftstellern für eine Sendung von einer Stunde Länge etwa 3000 Euro zahle, sagt Hans Sarkowicz, Wellenteamleiter Kultur, Bildung und künstlerisches Wort im Sender hr2-kultur. Oft könne er solche Aufträge allerdings nicht vergeben.

          Auch mit Mittelklasse-Preisgeldern lässt sich etwas anfangen

          Viele Autoren dürften mit einem solchen Betrag eine ganze Zeit lang über die Runden kommen. Andere dürfen sich über eine der mehr als siebenhundert literarischen Auszeichnungen freuen, die in Deutschland vergeben werden. Die Gewichtsklassen reichen vom Gerhard-Beier-Preis der Literaturgesellschaft Hessen (1500 Euro) bis zum Deutschen Buchpreis (25 000 Euro), der zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse vergeben wird und die Verkaufszahlen der Siegertitel hochschnellen lässt.

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