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„Doors“-Mitglieder live : Morrison lebt, doch das Idol bleibt unerreichbar

  • -Aktualisiert am

Einzigartig, eigenwillig, kauzig: Robby Krieger in Offenbach Bild: Marcus Kaufhold

Schnörkellose Adrenalingranate als Muntermacher: „Ray Manzarek & Robby Krieger Of The Doors“ im Offenbacher Capitol.

          Feste muss man feiern, wie sie fallen. Gleich zwei runde Jubiläen schieben die aktiven Originalmitglieder, Keyboarder Ray Manzarek und Gitarrist Robby Krieger, auf ihrer Welttournee mit nur zwei Gastspielen in Deutschland vor sich her: Da wäre der 40. Todestag des längst kultisch verehrten Frontmanns Jim Morrison, der durch sein frühes Ableben im Alter von 27 Jahren unter mysteriösen Umständen im Pariser Exil seinen Kollegen die schier unlösbare Aufgabe hinterließ, adäquaten Ersatz für ihn zu finden. Ebenso alt ist das sechste und letzte Album „L. A. Woman“, das als beste Arbeit der amerikanischen Formation „The Doors“ gilt.

          Carl Orffs hymnisches „O Fortuna“ eignet sich perfekt, um die kurze Spanne zwischen pünktlichem Lichtverlöschen und Plazieren der Band auf spärlich beleuchteter Bühne des Offenbacher Capitols zu überbrücken. Unermesslich phonstark der Publikumsjubel, als das aufgrund von Interventionen des Ur-Schlagzeugers John Densmore und der Erbengemeinschaft Morrison aus rechtlichen Gründen umständlich auf „Ray Manzarek & Robby Krieger Of The Doors“ betitelte Quintett zum Auftakt fulminant durchstartet. Unter Beweis stellen, wie authentisch er, der rund 20 Jahre in einer Epigonenformation von The Doors sein Handwerk erlernte, sich als Morrison-Klon macht, kann Vokalist Dave Brock mit dem Boogie-Rock „Roadhouse Blues“: eine schnörkellose Adrenalingranate von Muntermacher, die Stimmung potenziert.

          Putziger Flowerpower-Duktus

          Brock, in Habitus, Gestik, Mimik und selbst Frisur minutiös auf das eigentlich unerreichbare Idol geeicht, macht seine Sache ausgezeichnet. So gut, dass er seine unmittelbaren Vorgänger überholt. Wenn Brock bei Klassikern wie „Break On Through“, „Moonlight Drive“, „Alabama Song“ und „Not To Touch The Earth“ mit der legendären Zeile „I am the lizard king, I can do anything“ das Stimmtimbre des Originals täuschend echt trifft und sogar die exaltierten Luftsprünge exakt imitiert, werden letzte Zweifel an der alten Konspirationstheorie, wonach die in ihrer späten Phase zum Alkoholiker und Kettenraucher avancierte Proto-Rockikone untergetaucht sei, hinweggewischt: Morrison lebt.

          Mag Brock seine Lektionen auch noch so penibel verinnerlicht haben - die Fäden in der Hand hält Keyboarder Ray Manzarek. Mit 72 Jahren Dienstältester der Formation, formuliert er wortreiche Zwischenansagen im putzigen Flowerpower-Duktus. Wenn er ungestüm von „Gettin' high on LSD and Marihuana“ und „Makin' love tonight“ faselt, seine Mitmusiker in der Ansage zu „Touch Me“ als „Sex Machines“ bezeichnet und dabei eindeutige Kreisbewegungen mit dem Becken ausführt, wirkt das unfreiwillig komisch. Makellos virtuos bedient Manzarek die Orgel. Neuerdings muss er nicht mehr die tiefen Töne mit dem Pedal beisteuern, da Bassist Phil Chen, jahrzehntelang im Dienst von Rod Stewart, das im Rhythmusgespann mit Schlagzeuger Ty Dennis erledigt.

          Ausgezehrter Körper und faltiger Anblick

          Reichlich kauzig präsentiert sich auch Robby Krieger, dessen schlohweiße Haare, ausgezehrter Körper und faltiger Anblick suggerieren, er sei älter als seine tatsächlichen 65 Jahre. Zeitlos hingegen Kriegers Spiel auf E- und Akustikgitarre. Vor allem das überlange „When The Music's Over“, der Evergreen „Light My Fire“ zur finalen Zugabe und das klassische Instrumental „Russian Caravan“ von Kriegers aktuellem Soloalbum, das in den Favoriten „Spanish Caravan“ mündet, veranschaulichen den eigenwillig einzigartigen Stil. Abrupt endet die Zeitreise in die Vergangenheit. Minutenlanges Toben nach weiteren Zugaben lassen die Veteranen ebenso unbeantwortet wie die Frage offen, warum die angekündigte Komplettaufführung des Albums „L. A. Woman“ nur auszugsweise erfolgte.

          Quelle: F.A.Z.

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