Wie geht es Ihnen heute?
Das ist ein zwiespältiges Gefühl. Einerseits hänge ich emotional sehr an diesem Bild, andererseits bin ich erleichtert, weil der Verkauf gut für die Zukunft des Hessischen Hausstiftung ist.
Wie drückt sich diese emotionale Verbindung zu diesem Bild aus?
Ich habe sogar heute morgen überlegt, ob ich ins Städel gehe, um mich von der Holbein-Madonna sozusagen im Stillen zu verabschieden. Aber ich habe es dann doch gelassen, weil mich dort einige Personen kennen, und das wäre mir nicht recht gewesen. Auch mein Vater hängt natürlich sehr an der Madonna.
Er hat sie ja mal gerettet.
Ja, das Bild war im Zweiten Weltkrieg ausgelagert worden und entging so der Zerstörung des Darmstädter Schlosses. Mein Vater holte es im Dezember 1945 von der Veste Coburg zurück. Der amerikanische Lastwagen, mit dem er es transportierte, fing Flammen. Mein Vater konnte den Brand in letzter Sekunde mit Sand löschen und zitterte natürlich um das Bild, aber es ging gut.
Wie ist Ihre eigene frühste Erinnerung an die Holbein-Madonna? Erinnern Sie sich an den ersten Eindruck?
Sehr gut. Da war ich etwa fünfzehn. Ich bin in Schleswig-Holstein aufgewachsen, und als wir unsere Tante Prinzessin Margaret besuchten, hat sie uns ins Schlossmuseum in Darmstadt geführt, uns das Bild gezeigt und seine Geschichte erklärt. Das war ein sehr eindrückliches Erlebnis, weil man merkte, wie sehr meine Tante an diesem Gemälde hing.
Waren Sie selbst in die Verkaufsverhandlungen involviert?
Nein, für die Verkaufsverhandlungen mit Herrn Professor Würth hatte die Erbengemeinschaft Graf Douglas beauftragt.
Die Erbengemeinschaft besteht aus welchen Personen?
Meinen drei Geschwistern Mafalda, Elena, Philipp und mir.
Die Geschwister erhalten aus dem Verkauf 57 Prozent. Die restlichen 43 Prozent gehen an die Hessische Hausstiftung, deren Vorsitzender Sie sind und der unter anderem die Schlösser Wolfsgarten und Fasanerie, das Schlosshotel Kronberg und der „Hessische Hof“ gehören. Was werden Sie mit dem Geld tun?
Wir werden es in eine neu zu gründende gemeinnützige Stiftung einbringen. Sie wird den Namen „Kulturstiftung des Hauses Hessen“ tragen. Mit den Erträgen soll vor allem der Hessen-Kasseler Besitz gefördert werden, das ist insbesondere das Schloss Fasanerie in Eichenzell bei Fulda.
Das derzeit ja schon renoviert wird.
Ja, und zwar mit Unterstützung von Bund und Land, weil es zu einem national wertvollen Kulturdenkmal erklärt wurde. Schloss Fasanerie ist ja wirklich ein Kleinod, und deshalb bin ich unterm Strich doch froh über den Verkauf des Bildes. Denn das Geld gibt uns die Möglichkeit, Schloss Fasanerie wirklich nachhaltig zu sichern.
Seit 2003, als das Städel mit Ihnen den Leihvertrag über die Holbein-Madonna aushandelte, gab es ein Vorerwerbsrecht des Städel. Hat dessen Direktor Hollein sich genügend angestrengt, Geld für einen Kauf zusammenzutragen?
Das hat er, und übrigens auch Professor Schweickhardt von der Städel-Administration. Aber man muss sehen, dass das Städel selbst gerade große Anstrengungen unternehmen muss, um seinen Ausbau zu finanzieren.
Hat die Landesregierung zu wenig getan, um das Bild in Hessen zu halten?
Nein, das kann man nicht sagen. Die Landesregierung hat andere Sorgen, sie muss sparen. Außerdem hatte sich die Regierung Koch ja für das Jagdschloss Erbach engagiert und dafür unfassbar viel Schelte bekommen. Das mag die Landesregierung zusätzlich abgeschreckt haben, zumal es ja bei der Holbein-Madonna noch um einen ungleich höheren Betrag gegangen wäre. Das wäre schwer zu vermitteln gewesen.
Die Fragen stellte Peter Lückemeier.

