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Veröffentlicht: 09.11.2008, 19:26 Uhr

Deep Purple in Frankfurt „Smoke On The Water“ geht auch im Chor

Keine Experimente, dafür, sozusagen, Klassik: Die Rock-Dinosaurier von „Deep Purple“ spielen in der Festhalle Frankfurt - und wagen es, zumindest ein paar Stücke neueren Datums ins Repertoire mit einzubauen.

von Michael Köhler
© dpa Immer noch fit: „Deep Purple” mit dem Besten aus 40 Jahren

Ganz so gelenkig wie vor mehr als drei Jahrzehnten ist Frontmann Ian Gillan nicht mehr. Über den altersbedingten Mangel an Elan kann auch sein noch immer freches Spitzbubengrinsen nicht hinwegtäuschen. Groß strahlt es von den Bildschirmen in der Frankfurter Festhalle: Die Rock-Dinosaurier von „Deep Purple“ spielen allerdings vor nicht ganz ausgelastetem Haus. Recht gut bei Stimme aber ist der 63 Jahre alte Brite mit der kecken Kurzhaarfrisur, die mittlerweile eisgrau ist, noch.

Und zu feiern haben „Deep Purple“ auch etwas: 40 Jahre aufreibendes Künstlerleben brachten die Hard-Rock-Pioniere weitgehend unbeschadet hinter sich. Auch wenn die Netto-Zeit an Aktivität eigentlich 32 Lenze beträgt. Trennte sich doch die 1968 aus der Taufe gehobene und anfänglich von Textilgroßhändler Tony Edwards finanzierte Formation 1976, um erst acht Jahre später wieder zusammenzufinden. Und gleich mehrmals wurden Sänger, Bassist und Gitarrist ausgetauscht, ohne dass „Deep Purple“ künstlerisch Schaden genommen hätten. Im Gedächtnis aber blieb vor allem das legendäre Mark-II-Line-Up mit Ian Gillan und Bassist Roger Glover haften. Weder der Urbesetzung mit Sänger Rod Evans und Bassist Nick Simper noch Gillans und Glovers Nachfolger David Coverdale und Glenn Hughes war ähnliche Popularität beschieden.

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Fans erwarten keine Experimente mehr

Sicherlich einer der Gründe, warum das rüstige Schlachtschiff in rund zwei Stunden, wenn es völlig erwartungsgemäß Rückblick hält, vornehmlich auf Material der Jahre 1969 bis 1973 zurückgreift. Schließlich erwarten ebenfalls ergraute, aber zum Teil auch erstaunlich junge Gratulanten von den Jubilaren keine Experimente mehr. Dementsprechend tief kramen „Deep Purple“ im eigenen Archiv. Fördern noch immer zündende Klassiker wie „Into The Fire“, „Strange Kind Of Woman“ oder „Highway Star“ zutage. In knackigen Arrangements, die von Roger Glover ersonnen sind und sich nicht allzu weit vom innig geliebten Original auf Vinyl-Platte entfernen dürfen. Schließlich würde das die Schwelgerei in purer Nostalgie vieler Fans empfindlich torpedieren.

Immerhin wagen es „Deep Purple“, zumindest ein paar Stücke neueren Datums ins Repertoire mit einzubauen. „Rapture Of The Deep“ etwa, vom gleichnamigen Album aus dem Jahre 2005. Ein deftiges Stück mit orientalischen Anleihen, das sich nahtlos in die Werkschau eingliedert. Vor allem eine Paradenummer, bei der Ur-Schlagzeuger Ian Paice brillieren kann. Auch der amerikanische Gitarrist Steve Morse strahlt noch ein paar Takte intensiver, wenn er den vom legendären Vorgänger Richie Blackmore minutiös vorgezeichneten Weg verlassen und seiner vom Jazz inspirierten Virtuosität Ausdruck verleihen darf.

Richtig melancholisch jammert Morses Gitarre bei einem Instrumental, das Ian Gillan als Widmung für den vor wenigen Tagen verstorbenen befreundeten Photographen Klaus „Pyro“ Porzia ankündigt. Auch Keyboarder Don Airey, einst beim Purple-Ableger Whitesnake und 2002 als Ersatz für Gründungsmitglied Jon Lord eingestiegen, darf solo in die Tasten greifen und kurz Beethoven, Bach und Haydn anstimmen.

Traumhaft skandieren Tausende Kehlen den Text

Doch was wären „Deep Purple“ ohne jenen krachenden Gassenhauer, der zum Mantra sämtlicher Hard-Rock-Adepten mutiert ist: „Smoke On The Water“. Traumhaft sicher skandieren Tausende Kehlen den Text, der auf einem wahren Ereignis beruht: Als „Deep Purple“ 1971 zu Plattenaufnahmen in Montreux waren, brannte das Casino lichterloh, weil ein Besucher mit Signalpistole während eines Konzerts von Frank Zappas „Mother Of Invention“ einen Schuss an die Saaldecke abfeuern musste. Die Historie ist adrett verpackt in die simpel geschmeidige Akkordfolge G, B, C / G, B, Cis, C / G, B, C / B, G, die wohl populärste Hard-Rock-Hymne überhaupt. Zur Zugabe servieren „Deep Purple“ locker aus dem Handgelenk weitere Evergreens wie das zwar uralte, aber noch immer swingende „Hush“, das mit Gillans deftigem Mundharmonika-Solo veredelte „Lazy“ und der Riff-Rock-Reißer „Black Night“. Sternstunden – oft kopiert, aber noch immer unerreicht.

Schrei! mich!! nicht!?! an!!!

Von Eva-Maria Magel

Außer Beiträgen in Social Media werden auch E-Mails mit reichlich Interpunktion garniert. Der Einsatz von Frage- und Ausrufungszeichen erhöht sich jährlich um grob geschätzt 1000 Prozent. Mehr 1 2

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