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Conor Oberst in Frankfurt : Von Architekten und leeren Hotels

Geschichtenerzähler: Conor Oberst bei seinem Auftritt in der Batschkapp in Frankfurt Bild: Maria Klenner

Opulent statt karg: Der amerikanische Singer und Songwriter Conor Oberst spielt in der Batschkapp in Frankfurt. Im Gepäck: sein jüngstes Album „Salutations“.

          Das Alter hat einen Vorteil, befand der amerikanische Singer/Songwriter Conor Oberst vor einigen Monaten in einem Interview: Mittlerweile müssten doch fünf bis zehn Songwriter nachgewachsen sein, die als „neue Bob Dylans“ bezeichnet werden können. Nun ist Oberst mit 37 Jahren noch nicht gerade alt, und das Dylan-Etikett haftete bereits an unzähligen anderen Musikern, wenn auch vielleicht nicht ganz so hartnäckig wie am einstigen Wunderkind aus Omaha, das schon im Alter von 13 Jahren das später berühmt gewordene Indie-Label Saddle Creek gründete und dann mit Gruppen wie Bright Eyes, Desaparecidos oder den Monsters of Folk erfolgreich war. Der Dylan-Vergleich, der ja stets auch Obersts Wortgewalt sowie seiner Verwurzelung im amerikanischen Folk galt, verblasste dabei im Lauf der Zeit, um sich nun aber wieder mit Vehemenz aufzudrängen.

          Christian Riethmüller

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das dürfte damit zu tun haben, dass Conor Oberst sein jüngstes Album „Salutations“ unter anderen mit seinen Kumpels von den Felice Brothers aufgenommen hat, die als respektable Wiedergänger von Dylans einstigen Begleitern The Band gelten dürfen. Eine Abordnung der Felice Brothers um Organist und Akkordeonist James Felice dient Oberst zudem als derzeitige Tourband, was die Reminiszenzen noch unterstreicht. Dylan ist aber nicht die einzige Assoziation, die sich am Dienstagabend bei Obersts gutbesuchtem Auftritt in der Batschkapp in Frankfurt aufdrängt. Ronnie Lane oder die Rolling Stones sind mitunter auch nicht fern, was jüngere Konzertbesucher auf den Gedanken bringen könnte, der Indie-Held Conor Oberst habe sich dem „Dad-Rock“ verschrieben.

          Felices markantes Orgelspiel sticht heraus

          Doch die Anleihen an die Rockmusik der siebziger Jahren im Americana-Sound der sechs Musiker sind wohlgesetzt und scharf und unterstreichen die Emotionalität in Obersts Vortrag. Schon der erste Song des gut hundert Minuten dauernden Sets, „Afterthought“ vom neuen Album, braust geradezu euphorisch in den Saal, von Greg Farleys Geigen- und James Felices Akkordeonspiel eher angetrieben als geerdet. Der zehn Jahre alte Bright-Eyes-Song „Four Winds“, der danach folgt, unterstreicht noch diesen Eindruck, bevor es mit „Time Forgot“ von Obersts sechstem Soloalbum „Upside Down Mountain“ etwas getragener wird, wobei Felices markantes Orgelspiel heraussticht.

          Auf einen tollen Kontrast, den Conor Oberst mit seinen jüngsten beiden Alben geboten hat, verzichtet er im Konzert hingegen. Oberst hat ja auf „Salutations“ alle Songs im Bandformat neu eingespielt, die er vergangenes Jahr auf dem Album „Ruminations“ ganz allein nur zu Gitarren-, Piano- und Mundharmonika-Begleitung veröffentlicht hat. In ihrer Kargheit sind dies einige der besten Lieder, die er in langer Zeit geschrieben hat, und es hätte seinen Reiz gehabt, die unterschiedlichen Versionen auf der Bühne geboten zu bekommen. So bleibt es bei einigen wenigen Ausflügen Obersts ans Klavier, um kurz innezuhalten, bevor die Band wieder Fahrt aufnimmt und nicht nur groß, sondern auch bisweilen laut auftrumpft.

          So beginnt der Tag in Frankfurt und Rhein-Main: das Wichtigste in Kürze, mit Hinweisen auf mobile Blitzer, Straßensperrungen, Gaststätten.

          Das lockert nicht nur dem Publikum die Glieder, sondern auch Conor Oberst die Zunge, der nun anfängt, die Songs anzusagen und auch mit dem Publikum zu plaudern. „Sind Architekten im Saal“, fragt er einmal: „Oder Ärzte?“ Keine Regung im Publikum. Nur „Anwalt“ ruft einer, doch Juristen spielen im danach folgenden Song keine Rolle. In „Mamah Borthwick (A Sketch)“ geht es nämlich um den berühmten amerikanischen Architekten Frank Lloyd Wright und seine Geliebte, was stellvertretend für die an Themen reiche lyrische Welt des Songwriters steht, der in einem Song sogar einen Krimi erzählen kann. „Empty Hotel By The Sea“ heißt diese gesungene Crime Story über zwei verfeindete Brüder, wobei die Frage nicht beantwortet wird, ob Oberst mit diesem neuen Lied nicht seine Trauer über den Tod seines (mit ihm natürlich nicht verfeindeten) Bruders Matthew verarbeitet hat. Das Rätsel bleibt.

          Quelle: F.A.Z.

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