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Cocoon Club Die Party ist aus - und geht weiter

 ·  Schlangestehen zum Abschied: Die letzte Nacht des Cocoon Clubs erinnert an die gute alte Zeit des Techno. Die ist vorbei, der Club ist insolvent. Neue Zeiten haben begonnen.

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Schon drei Stunden. „Ich kann meine Zehen nicht mehr spüren“, hört man einen der vielen Drängenden, die der Kälte trotzend anstehen, um zum letzten Mal im Cocoon Club zu feiern. „Einlassstopp“. Etwa 200 Wartende erstarren, als der Türsteher das ruft, um halb drei Uhr morgens. Die meisten geben auf, Enttäuschungen murmelnd oder Beschimpfungen. Ein paar Optimisten bleiben und wippen mit den verfrorenen Füßen. Nichts lässt darauf schließen, dass es den Cocoon in ein paar Stunden nicht mehr geben wird. Die Riesendisko im Fechenheimer Industriegebiet, weltbekannt, ist insolvent, nach acht Jahren und viermaliger Kür zum besten Technoclub Deutschlands. Was ist geschehen?

“Am Anfang war es jedes Mal so voll“, sagt eine Frau Mitte dreißig. Sie aber warte zum ersten Mal so lange, da sie die Betreiber von früher kenne und sie häufig auf der Gästeliste stehe. Heute habe sie niemanden erreichen können. Auch ihre Clubkarte habe sie vergessen. Der Türsteher lässt die Argumente nicht gelten. „Man hätte mehr Geld verlangen sollen“, sagt die Frau daraufhin. „Ein höherer Preis hätte gleich aussortiert.“ Wer wirklich im Cocoon feiern wolle, würde auch 50 Euro bezahlen.

Unter den Umstehenden verziehen einige das Gesicht zu einem skeptischen Blick, andere nicken. Tendenziell sind die Skeptiker jung, die Nickenden älter. Kein Wunder: Die ersten Jahre galt das Haus als Exklusivclub mit harter Türpolitik. Wer reinkam, fühlte sich privilegiert. Ein Mann Ende dreißig, „schon immer Cocoongänger“, sagt er, macht die Türpolitik für die Insolvenz verantwortlich. „Man hätte nie anfangen sollen, besoffene Jugendliche reinzulassen, die pöbeln statt zu tanzen.“

Um halb fünf lässt der Türsteher die letzten, die noch anstehen, doch noch in den Club. Es ist immer noch voll. Nicht mehr komplett, im Rundgang um die Tanzflächen ist Platz, aber nicht auf den Tanzflächen selbst. Der Boden vibriert vom starken Bass der Musikanlage, die einmal 700 000 Euro gekostet hat. Das wärmt die Zehen auf. Ein blondes Mädchen mit Minirock und engem Top, Mütze und Sonnenbrille, schafft sich mit stolzierenden Schritten einen Laufsteg.

Einstiger Newcomer legt auf

Auf der DJ-Kanzel, die wie ein landendes Raumschiff in den Raum ragt, legt Dominik Eulberg auf, Newcomer des Jahres 2004 (“Groove Magazin“), Durchbruch beim Plattenlabel des Clubs, Cocoon Records. Das Publikum, das die Lieder des Vierunddreißigjährigen feiert, ist gut durchgemischt. Das Alter der Feiernden lässt sich bei eingeschalteter Nebelmaschine im Stroboskop-Licht und Trockeneisdunst höchstens aus der Wahl der Kleider ableiten. Alle tanzen, alle Altersklassen, verschiedenste Stile. Alle feiern den DJ, gemeinsam. So war es lange nicht mehr, und so bleibt es auch nicht.

Als Eulberg mit seinem Set fertig ist und sich der Club ein wenig leert, ist es deutlich zu sehen: Gruppen bilden sich, besonders an den hellen Theken im Rundgang um die Hauptfläche herum. Betrunkene rempeln sich gegenseitig an, immer wieder müssen die Sicherheitsleute einschreiten und jemanden vor die Tür bringen. Die kleinere, zweite Tanzfläche füllt sich zunehmend, die Musik gleitet hier sanfter und melodischer, im Hauptraum dominieren weiter tiefe, feste Bass-Strukturen. Beides nennt sich Minimal. Im überfüllten kleinen Raum feiern die jüngeren Technoadepten, Leute, die in den Neunzigern jung waren, sind im Hauptraum. Sven Väth, der Gründer des Cocoon Clubs, ist nicht da. Wegen eines schon vor einem Jahr vereinbarten Auftritts im Ausland, und wegen „interner Aspekte“, wie er vergangene Woche mitteilen ließ.

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