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Carlos Santana in Mainz Love and Peace gehen immer noch

19.07.2009 ·  Bald feiert Woodstock seinen 40. Jahrestag – Carlos Santana feiert im Mainzer Volkspark schon mal vor, mit passendem T-Shirt und Perlen von einst.

Von Christian Riethmüller, Mainz
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Angesichts der noch am Nachmittag dunkel dräuenden Wolken hatte man schon fast ein Szenario erwartet wie im August vor 40 Jahren: Bei einem Open-Air-Festival skandiert eine unüberschaubare Menschenmenge immer wieder „No Rain“, in der Hoffnung, mit diesem kollektiven Geschrei dem Lauf der Natur Einhalt gebieten zu können, während eine junge Band namens Santana auftritt. So war es beim Woodstock-Festival, und weil ganz viele Menschen damals zwar nicht dabei waren, dafür aber die berühmte Filmdokumentation gesehen haben, ist das gemeinsame Rufen gegen den Regen zu einem bis heute gepflegten Ritual geworden.

Am Samstagabend im Mainzer Volkspark aber bedurfte es dieses Rituals nicht, weil wahrscheinlich schon den ganzen Tag über Tausende inbrünstig gebetet haben dürften, dass es trocken bleiben möge, um einen Woodstock-Veteranen zwar unter freiem Himmel, aber ohne die besondere Woodstock-Atmosphäre von Pfützen, Matsch und Müll erleben zu können.

Noch immer das Gitarren-Wunderkind

Die Hoffnung wurde nicht enttäuscht. Carlos Santana schien zum Auftakt seiner Deutschlandtournee jenes milde Abendlicht, das im übertragenen Sinne auch seit zehn Jahren seine zweite Karriere erstrahlen lässt. Das Gitarren-Wunderkind, das vor 40 Jahren mit seiner unerhörten Mischung aus Latin-Rhythmen und psychedelischem Blues-Rock den Hippies Elektrostöße in die steifen Hüften jagte, erfand sich vor einem Jahrzehnt quasi neu als Instrumental-Star unter Sangesstars, mit denen er immens erfolgreiche Duette aufnahm und dabei den unverkennbaren Santana-Gitarren-Sound anstelle der zweiten Stimme einsetzte.

Berühmte Gäste wie Rob Thomas, Wycleaf Jean, Dave Matthews oder Nickelback hat Santana selbstverständlich nicht mit auf seiner Tournee dabei, weshalb gerade Radio-Hits wie „Smooth“, „Maria Maria“ oder „Love of my Life“ an die Darbietungen x-beliebiger Salsa-Truppen denken ließen, denen eher am Rhythmus als am Song gelegen ist. Diese späten Hits dienten aber eher als Anker im Heute, an dessen Kette Carlos Santana und seine formidable Band einen tiefen Tauchgang in die Vergangenheit unternahmen und sogar manchen fast schon in Vergessenheit geratenen Schatz hoben. „Soul Sacrifice“ war zum demnächst anstehenden 40. Jahrestag des Woodstock-Festivals, an das Santana nicht nur mit einem entsprechenden T-Shirt, sondern auch mit Filmschnipseln und einer längeren Ansprache über „Love and Peace“ erinnerte, eine naheliegende Wahl, frühe Perlen wie „No one to depend on“ oder „Incident at Neshabur“ aber nicht unbedingt.

Führt die Band als eine straffe Einheit

Vorangetrieben von gleich zwei Percussionisten und einem Schlagzeuger, zeigte Santana bei seiner mehr als zweistündigen „Best of“-Parade im Mainzer Volkspark, warum gerade er unter den ganzen noch lebenden Woodstock-Veteranen als jener erscheint, der einem Jungbrunnen entstiegen sein muss. Nicht etwa, weil er als gitarrentechnischer Innovator glänzen oder zirzensische Kunststücke auf den sechs Saiten aufführen würde. Auch nicht, weil er mit ungeahntem Gefühl die vertrauten Läufe und Skalen gniedeln würde.

Was ihn vielmehr immer noch auszeichnet, ist jenes Talent, eine große Band wie eine straffe Einheit führen zu können. Santana ist ein Muster an „Tightness“ und straff wie ein Lackschuh. Bei brodelnden Versionen von Klassikern wie „Oye como va“ oder „Jingo“ erreichte die Band eine Dichte, wie sie nicht alle Tage zu hören ist. Wären im Dunkel Wolken zu sehen gewesen, hätte der Dampf nur von Santana selbst stammen können.

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