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Veröffentlicht: 30.04.2017, 18:02 Uhr

Brüder-Grimm-Festspiele Himmlische Wesen und teuflische Umtriebe

Am 12. Mai beginnt die Saison der Brüder-Grimm-Festspiele in Hanau. Zum Ensemble gehört ein Broadway-erfahrener Musical-Star, die im Musical „Chicago“ mitspielte.

von , Hanau
© dpa Das Denkmal der Brüder Grimm in Kassel.

Zwischen Himmel, Hölle und dem Meeresboden bewegt sich die nächste Saison der Hanauer Brüder-Grimm-Festspiele. Himmlisch losgehen für die Stadt könnte es gleich zur Premiere, denn endlich hat der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) seinen lange von der Stadtspitze und dem Festivalintendanten Frank-Lorenz Engel eingeforderten Besuch zum Festspielauftakt angekündigt. Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) geht davon aus, dass der prominente Gast nicht mit leeren Händen kommen und eine ordentliche Aufstockung des Landeszuschusses für die Festspiele bekanntgeben wird. Damit wäre laut Kaminsky der seit dem Jahr 2015 schwelende Streit zwischen dem Land und der Stadt um die Höhe der Bezuschussung für ihn beendet.

Luise Glaser-Lotz Folgen:

Hanau sieht sich seit langem benachteiligt, weil andere hessische Freiluftfestspiele, wie etwa die in Bad Hersfeld, eine deutlich höhere finanzielle Unterstützung des Landes als die rund 40 000 Euro Zuschuss für Hanau erhalten. Dabei geht es nicht allein um das Geld, sondern auch um die Anerkennung der Grimm-Festspiele als gleichwertiges und hochrangiges Festival in Hessen. Das Land verwies bisher auf die Förderung der Hanauer Festspiele durch den Kulturfonds Frankfurt/Rhein-Main, an dem das Land beteiligt ist. Der Kulturfonds fördert die Hanauer Festspiele seit mehreren Jahren. In der bevorstehenden Saison schießt er nach Angaben von Geschäftsführer Helmut Müller 85 000 Euro zu.

Mit Gebärdendolmetschern für Gehörlose

Geht alles nach Plan, dann wird der Ministerpräsident bei der Premiere am 12. Mai im überdachten Amphitheater am Park von Schloss Philippsruhe den diesjährigen Musical-Star erleben. Die Rolle der Ilsebill im Musical „Vom Fischer und seiner Frau“ singt Anna Montanaro, die dank der Rolle der Velma Kelly in dem Musical „Chicago“ nach Auftritten in London und am Broadway in New York international bekannt wurde. Erstmals spielt unter der Intendanz Engels eine Live-Band auf der Bühne. Die Musik stammt von Marc Schubring, der schon mehrfach für die Hanauer Festspiele komponierte. Regisseur Holger Hauer inszenierte in Hanau zuvor die Musicals „Rapunzel“ und „Aschenputtel“. Hauer kündigt einen neuen Blick auf die Hauptfiguren des Stückes an. So wird die Ilsebill nicht als raffgieriger Drache dargestellt, sondern als eine Frau, für deren Verhalten es Gründe gibt. Dabei kommt ihr Mann, der Fischer, nicht immer gut weg. Der geheimnisvolle Fisch, der die immer unverschämteren Forderungen Ilsebills erfüllt, bis der Rahmen überspannt ist, bekommt auch eine eigene Geschichte. Die Inszenierung führt die Zuschauer dabei in eine magische Unterwasserwelt.

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Das Glückskind wiederum aus dem Märchen „Der Teufel mit den drei goldenen Haaren“ nimmt das Publikum vom 3. Juni an mit in die Hölle. In der Unterwelt muss der junge Mann dem Teufel drei goldene Haare abluchsen, um die Hand der Prinzessin zu erhalten. Das Stück steckt laut Jan Radermacher voller Mystik, Geheimnisse und guter Laune. Radermacher, Gewinner des ersten Autorenwettbewerbs der Grimm-Festspiele im Jahr 2014, schrieb das Buch, komponierte die Musik und führt Regie. Am 16. Juli gibt es eine Aufführung des Stückes mit Gebärdendolmetschern für Gehörlose – ein ganz neues Angebot der Festspiele.

Hoch hinauf in den Himmel geht es mit dem Familienstück „Frau Holle“, das am 20. Mai Premiere hat. Dort lebt Frau Holle mit ihren drei wilden Kindern, dem Wind, der Sonne und dem Regen, die ihr beim Wettermachen helfen. Doch geht es nicht allein um die Wetterkapriolen, die der Klimawandel verursacht, sondern auch um die Erklärung, warum die Goldmarie so gut und die Pechmarie so böse ist. Den Klassiker schlechthin der deutschen Klassik inszeniert Intendant Engel im Rahmen der Reihe „Grimms Zeitgenossen“. Premiere von Goethes Faust ist am 10. Juni. Engel, der selbst in der Rolle als Theaterdirektor auf der Bühne stehen wird, will besonders den Gegensatz zwischen der Faszination des Bösen und der Reinheit der Unschuld herausarbeiten und dabei das Panoptikum der damaligen Gesellschaft entfalten. Nicht fehlen werden nach seinen Worten magische Szenen, etwa aus der Walpurgisnacht und der Hexenküche. Wie in der vergangenen Saison gibt es auch in diesem Jahr eine zweite Spielstätte. In der Kulisse der Wallonisch-Niederländischen Kirche in der Innenstadt wird das Jugenddrama „Burning Love“ mit Jungschauspielern abermals aufgeführt. Spieltermine sind am 14., 21. und 28. Juli jeweils um 20 Uhr.

Informationen über den Spielplan, den Kartenverkauf und das Rahmenprogramm gibt es im Festspielbüro (Telefon 0 61 81/2 46 70) oder unter www.festspiele.hanau.de.

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Von Katharina Iskandar

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