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Autorin Charlotte Link : Mord mit preußischer Disziplin

Daheim in Wiesbaden: Charlotte Link in der Lobby des Nassauer Hofs Bild: Frank Röth

Dranbleiben, weitermachen: die Bestsellerautorin Charlotte Link über Krimis, Hunde und gelegentliche Schreibkrisen.

          Charlotte Link wirkt ganz entspannt. Vor wenigen Tagen hat sie ihren jüngsten Roman vollendet, er erscheint im Herbst. Und keine Frage, der nächste Text ist ebenfalls schon in Vorbereitung. Link ist, mit rund 26 Millionen allein in der Bundesrepublik verkauften Büchern, die meistgelesene deutschsprachige Autorin.

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Noch aber ist der jüngste Link auf dem Buchmarkt, „Die Entscheidung“, der Thriller, aus dem sie am 14. Januar im Frankfurter Tower 185 zugunsten der Spendenaktion „F.A.Z.-Leser helfen“ lesen und dabei auch über ihre Arbeit sprechen wird. Für „Die Entscheidung“ hat sie einiges anders gemacht als sonst. Es geht um Menschenhandel, ein Thema, auf das sie im Zuge ihres Engagements für den Tierschutz auf einer Reise nach Bulgarien gestoßen ist. „Ich denke, ich bin immer dicht an dem, was Menschen geschieht, es beschränkt sich aber meist auf private Situationen“, sagt Link beim Gespräch in Wiesbaden, wo sie seit geraumer Zeit mit ihrer Familie lebt: „Diesmal ist das Thema auch politisch, es betrifft uns als Gesellschaft.“

          „Die Recherche in England ist nicht so aufwendig“

          Mit dem sensiblen Simon hat sie eine Hauptfigur geschaffen „mit Charaktereigenschaften, die man tendenziell eher Frauen zuschreiben würde: selbstkritisch, sehr reflektiert und oft bemüht, gemocht zu werden“. Es habe sie interessiert, einmal einen Mann so zu beschreiben. Sie ist diplomatisch, manch einer hat Simon schon mit dem wenig charmanten Begriff „Weichei“ belegt. Simon, der in den bulgarischen Menschenhandel hineingerät, habe bei ihr regelrechte Beschützerinstinkte geweckt, sagt Link. Sie mag ihn. Mühe hingegen hat es ihr bereitet, die Strukturen innerhalb der Polizei Frankreichs, eines Hauptschauplatzes des Krimis, präzise zu recherchieren. Denn Recherche ist Link, als säße wirklich etwas von der Detektivin in ihr, sehr wichtig: „Sie ist einer der interessantesten Teile der Arbeit.“ Die Struktur des englischen Polizeiapparats kenne sie in- und auswendig, sagt sie.

          In England, zumal im Norden, spielt, wie „Die Betrogene“, vor zwei Jahren erschienen, ein großer Teil ihrer Romane. Vor ziemlich genau 30 Jahren ist ihr letztes Buch erschienen, das in die Kategorie des historischen Romans passen würde. So hatte sie angefangen, eine passionierte Leserin von klein auf. Geboren in Frankfurt, aufgewachsen im Taunus, die Mutter Pädagogin und Autorin, der Vater Jurist. Und Charlotte, die Tochter, begann, kein einziger Artikel über sie kommt ohne diese Anekdote aus, also auch dieser nicht, im Alter von 16 Jahren, an dem Roman zu arbeiten, der erschien, als sie mit der Schule gerade fertig war: „Cromwells Traum oder die schöne Helena“. Seit den neunziger Jahren erscheinen psychologische, oft recht blutige Krimis. Sie könnten überall spielen, England und Südfrankreich aber, Gegenden, in denen sie sich auch aus persönlichen Gründen besonders gut auskennt, sind seitdem ihre bevorzugten Schauplätze. Nach Scarborough kehrt auch das Buch zurück, das in diesem Jahr erscheint.

          „Die Recherche in England ist nicht so aufwendig“, sagt Link, schließlich kennt sie vieles dort schon lange: „Für das neue Buch bin ich aber doch zweimal dort gewesen. Ich überprüfe, ob es den Supermarkt noch gibt oder ob eine Bushaltestelle da liegt, wo eine Person in meinem Plan zu einer bestimmten Uhrzeit den Bus nehmen muss. Ich überprüfe das nicht, weil ich glaube, dass die Leser es tun – es gibt mir Struktur.“ Und wenn ein Täter in Scarborough nicht Bus fahren könnte, dann fährt er auch bei Link nicht Bus. Punkt.

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