27.09.2007 · F. K. Waechters Zeichnungen aus den letzten acht Jahren seines Lebens sind im Museum für Komische Kunst versammelt. Sie zeugen von seiner Bandbreite, seiner Akkuratesse, seinem so altmeisterlichen wie grotesken Strich.
Von Michael HierholzerDas letzte Buch. Die letzten Witze. Die letzten Zeichnungen. Durch die Blätter, die jetzt im Museum für Komische Kunst ausgestellt werden, huscht immer wieder einmal der Sensenmann. Der Grundton spielt oft ins Düstere, wenn nicht ins gänzlich Schwarze. Und auch die Zeichnungen für den Band mit dem zunächst anheimelnd-autobiographisch wirkenden Titel „Mein 1. Glas Bier“ muten elegisch an: Szenen einer recht eigentlich unspektakulären Dorfjugend, in denen dennoch der Tod eine entscheidende Rolle spielt.
Neben einem Bussard, der als Inbegriff des Wunderbaren und Außergewöhnlichen dem Festgefügten einen merkwürdigen Zauber verleiht. In der auch „Caricatura“ genannten Abteilung des Historischen Museums ist es nicht die allerletzte, aber fast die letzte, nämlich die vorletzte Schau, die in den alten Räumen stattfindet. Im Dezember setzt es noch eine Robert-Gernhardt-Präsentation, dann ist Schluss, und es folgt der Umzug ins Leinwandhaus. Nun aber erst einmal F. K. Waechter. Zeichnungen von acht Projekten aus den letzten acht Jahren seines Lebens sind versammelt und zeugen von seiner Bandbreite, seiner Akkuratesse, seinem so altmeisterlichen wie grotesken Strich.
Gründer des Satiremagazins „Titanic“
Charakteristisch sind sein erzählerischer Stil, seine Verbindung von Bild und Text, seine allemal szenische Vorgehensweise, sein Hang zur Binnendramatisierung in den einzelnen Zeichnungen. Als Stückeschreiber entwarf er auch einen zeichnerischen Kosmos aus Figuren und Szenerien, die sich parallel zum Text oder aus diesem heraus entwickelten. Waechter, einer der bedeutendsten deutschen Karikaturisten, Cartoonisten, komischen Erzähler, Bilderbuchautoren, ein Erneuerer des Kinder- und Jugendtheaters und auch als Filmemacher hervorgetretener Satiriker, wäre am 3. November 70 Jahre alt geworden. Vor ziemlich genau zwei Jahren ist er in Frankfurt gestorben.
Mit F. W. Bernstein und Robert Gernhardt gab er von 1962 an der satirischen Zeitschrift „Pardon“ ihr Gepräge. Aus seiner Feder stammt das Teufelchen, das dem Magazin als Signet diente. Mit „Welt im Spiegel“, abgekürzt „WimS“, brachten er und seine Mitstreiter den Nonsens allererst auf seinen bundesrepublikanischen Begriff. Die „Neue Frankfurter Schule“ war geboren. 1979 gründete Waechter zusammen mit Gernhardt sowie Chlodwig Poth, Peter Knorr und Hans Traxler das „endgültige Satiremagazin“ namens „Titanic“, das Zentralorgan der ganzen Richtung. Seinen individuellen Durchbruch hatte Waechter schon 1970 mit dem „Antistruwwelpeter“ gehabt.
Die Wurzeln in der antiautoritären Bewegung sind unverkennbar, auch wenn sich das Buch streng auf das Werk eines anderen Frankfurters bezog. Obzwar in Danzig geboren, ist Waechter gewiss vom spezifischen Frankfurter Geist geprägt worden und hat selbst Erkleckliches dazu beigetragen, ihn zu prägen. Auch indem er für das frühere Magazin dieser Zeitung die Serie „Ebi Eberle“ schuf. Eine Reihe von Zeichnungen mit dem selbstbewussten, etwas spießigen Schweinchen konnte nicht mehr veröffentlicht werden, weil das Magazin eingestellt wurde. Im Museum sind sie jetzt zu besichtigen: Auch dies Arbeiten eines hochkomischen, zutiefst ernsten Meisters, dessen Präzisionsarbeiten Maßstäbe setzten.