23.02.2006 · Der amerikanische Künstler Mike Bouchet erhebt den Whirlpool zur skulpturalen Form. Aus Pappe, Fiberglas, ein wenig Farbe und Accessoires enstehen „Celebrity Jacuzzis“.
Von Christoph SchütteSteffi Graf, darf man annehmen, hat bestimmt schon einen. Kofi Annan, der sicher ebenfalls zum Zwecke der Entspannung planschen will, vermutlich auch. Und zu Hause bei Carmen Electra, ihres Zeichens „Playboy“-Model und einstige „Baywatch“-Bademeisterin, versteht sich dieser Luxus ohnehin von selbst.
Schließlich hat noch jeder in den Vereinigten Staaten, der etwas auf sich und seinen Status hält, einen fröhlich vor sich hin blubbernden Jacuzzi im Garten. Insofern befinden sich „Tatjana Gsell“, „Jack Welsh“ oder auch „Robert Mugabe“ in durchaus ehrenwerter Gesellschaft, auch wenn es in den Badewelten Mike Bouchets ungleich komischer zugeht als im richtigen Jetset-Leben.
Luxuswannen
Vor ein paar Jahren schon hat der 1970 geborene amerikanische Künstler den Whirlpool gleichsam zur skulpturalen Form erhoben und eignet seither seine aus Pappe, Fiberglas, ein wenig Farbe und diversen Accessoires gefertigten Plastiken als „Celebrity Jacuzzis“ den Prominenten dieser Welt, des Boulevards und all der bunten Illustrierten zu. Und ob man will oder nicht, die Versuchung, all die vorgeblichen Luxuswannen in Poolblau, Rapsgelb oder Bordeaux insgeheim als mal hintergründige, mal reichlich freche Porträts zu lesen, ist einfach zu verführerisch. Das galt schon für „Steffi Graf“ oder „Kofi Annan“, und für die teils zweifelhafte Prominenz der Namenspaten jener aktuellen Jacuzzis, die derzeit in der Frankfurter Galerie Michael Neff (Hanauer Landstraße 52) zu sehen sind, gilt das allemal.
Formschön, sprudelnd, mit opulentem Blumenschmuck und selbstredend stilvoll ganz in Schwarz kommt etwa „Karl Lagerfeld“ daher, während „Carmen Electra“ mit der „perfekten Karotte“ im abgestandenen Badewasser dem Betrachter dann doch schwer zu denken gibt. Und „Tatjana Gsell“ verfügt zwar dankenswerterweise über eine großzügige Ablage für die Klatschblätter und Lifestyle-Magazine; der zerklüfteten, mit reichlich steilen Graten und unendlich tiefen Schluchten nur bedingt badetauglichen Wohlfühllandschaft aber zöge man im Zweifelsfall vermutlich doch die kalte Dusche vor.
Abenteuerliches Design
Freilich geht es dem in Frankfurt und New York lebenden Bouchet weniger um Kalauer als darum, eine künstlerische Form zu finden für gesellschaftliche Phänomene und Prozesse, wie sie im Zentrum all seiner in unterschiedlichen Medien realisierten Arbeiten stehen. Ob er seine eigene Diätcola entwickelt, um sie nach China zu verschiffen oder damit wunderbare Colabilder zu malen, für „Carpe Denim“ in Kolumbien Jeans nähen läßt, um sie genau dort als amerikanisches Glücksversprechen vom Himmel regnen zu lassen oder ob er den Schaum von Luxus und Erfolg im abenteuerlichen Design von Whirlpools spiegelt: Stets findet er mit seinen Aktionen, Installationen und Skulpturen treffende Bilder für komplexe Zusammenhänge.
Das ist manchmal komisch, dann schlicht skurril oder beklemmend und gelegentlich alles zugleich. Für „Almost every City in the World“ etwa hat sich der Künstler einer Datei des amerikanischen Ministeriums für Heimatschutz bedient, die genau das zum Ziel hat, was der Titel verspricht: eine vollständige Erfassung aller Städte der ganzen Welt. Und während der Betrachter sich noch fragen mag, welche Städte er wohl verpaßt hat zwischen Ops, diversen Opyts und Orange, vor allem aber, welchen Effekt das ganze Unternehmen in den Augen militärischer Strategen für die grenzenlose Bekämpfung des Terrors haben soll, läuft Bouchets Namensliste alphabetisch und als wochenlanger Loop über das Schaufenster wie der Abspann eines Kinofilms.
Mäßig spannend eigentlich, hat man ihn doch allem Anschein nach verpaßt. Der Soundtrack unzähliger amerikanischer Blockbuster, der die Projektion spannungsvoll untermalt, läßt freilich wenig Zweifel: Das Drehbuch für diesen Film will man im Grunde lieber gar nicht kennen.