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Ausstellung "Gute Aussichten" Kabinette des seltsamen Alltags

01.08.2010 ·  Von der Wunderkammer zum Flüchtlingscontainer: In Frankfurt zeigt das Art Foyer der DZ Bank die Ausstellung „Gute Aussichten“. Zu sehen ist Fotokunst acht junger Hochschulabsolventen.

Von Christoph Schütte, Frankfurt
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Andere sammeln Briefmarken, Münzen, Ehemänner oder moderne Kunst. Was also gibt es einzuwenden gegen jene Liebhaber des Grotesken und Obskuren, die, wie einst barocke Fürsten, wundersame Kreaturen zu ihren Schätzen zählen? Die sie hätscheln, tätscheln und verwöhnen, um sie vorzuführen wie im 19. Jahrhundert Schwarze und Indianer auf Kuriositätenschauen. Winzige Pferdchen, nackte Katzen, Hunde ohne Gehör und was man sich sonst noch denken mag an seltsamen Missgestalten, die ihr Dasein keiner Laune der Natur, sondern den Vorlieben von Züchtern und Besitzern verdanken. Mona Mönnig hat diese „Man-made Wonders“ fotografiert und präsentiert die Ergebnisse ihrer Abschlussarbeit an der Essener Folkwang-Schule wie in den Kabinetten einer Wunderkammer: mit Schädeln, Knöchelchen und vollständigen Skeletten unter Glasstürzen und in Schauvitrinen.

Mönnigs Inszenierung gehört zu den bleibenden Eindrücken der Ausstellung „Gute Aussichten“, die derzeit, nach Stationen in Herford und den Hamburger Deichtorhallen, in Frankfurt zu sehen ist. Mehr als 90 Absolventen von 33 Hochschulen hatten sich für die jüngste Ausgabe des Fotokunst-Nachwuchspreises beworben, den Josefine Raab und Stefan Becht vor sechs Jahren initiierten und dessen Gewinn mit der Teilnahme an der Ausstellungstournee dotiert ist, die nun im Art Foyer der DZ Bank am Frankfurter Platz der Republik angekommen ist.

Raffiniertes Spiel mit Raum und Fläche

Alle acht von einer Jury ausgewählten Positionen sind ausgesprochen gut gemacht. Das gilt für Ingo Mittelstaedts zum Teil inszenierte, zum Teil mit vorgefundenen Situationen arbeitende Auseinandersetzung mit dem klassischen Stillleben, für Shigeru Takatos konzeptuelle Landschaftsfotografie und die Serie des Bielefelder Absolventen Philipp Dorl. Auch sein Thema ist zunächst die „Nature morte“, die er seltsam schwerelos, als seien die Gesetze der Schwerkraft in seinen Bildern auf ganz natürliche Weise aufgehoben, mit einem Granatapfel, einem Träubchen oder Dattelzweigen wie auf einer winzig kleinen Bühne inszeniert. Ein raffiniertes Spiel mit Raum und Fläche, eine Auseinandersetzung mit der Malerei und, keineswegs zuletzt, ein hübscher Taschenspielertrick des Künstlers mit der Raumwahrnehmung des Betrachters.

Was trotz bemerkenswerter Arbeiten der jungen Künstler freilich doch ein wenig irritiert an dieser akademischen Leistungsschau der Fotokunst, ist das fast völlige Fehlen von im engeren Sinne konzeptuellen oder experimentellen Positionen. Das große Thema dieser „Guten Aussichten“ ist im Kern ein Klassiker der Fotografie und der Malerei und lässt sich am ehesten als Illusion und Inszenierung auf einen Nenner bringen. Das ist, bei aller Qualität, ein wenig bedauerlich. Denn dadurch wirkt die Schau trotz starker Bilder, unter denen die wunderbaren „Skizzen“des Leipzigers Georg Brückmann genannt seien, im Ganzen ziemlich glatt.

Ganz normaler Flüchtlingshorror

Umso eindringlicher kann sich eine formal streng konzeptuelle Arbeit wie die Anna Simone Wallingers in diesem Kontext behaupten. „Container“, so der Titel ihrer in einer engen Blackbox vorgeführten Diaserie, zeigt keine spektakulären Bilder, sondern Alltag, Langeweile, Lagerkoller und unausgesetzte Nervenschlacht. Von Männern und Frauen, Familien und Ehepaaren, die als Flüchtlinge für Wochen, Monate oder längere Zeiträume in einem Container mit den Maßen des Vorführraums in Berlin-Spandau hausen. Jeweils zwölf Stunden hat die 1980 geborene Schülerin von Frank Schumacher bei und mit jedem der Bewohner des Containers verbracht und alle halbe Stunde vom selben Standpunkt und ohne Veränderung des Ausschnitts genau eine Aufnahme gemacht.

Was man auf ihnen sieht, mag manchmal friedlich, manchmal kühl, dann wieder pittoresk erscheinen. Doch was man eigentlich sieht in diesen Bildern und jenseits dieser Bilder, steht Mona Mönnigs Kuriositätenkabinett, all den bedauernswerten Katzen, Hunden und Pferdchen, an Furcht und Schrecken nicht im Geringsten nach. Allein, „Container“ zeigt keinen Spleen, kein ausgefallenes Hobby und keine ziemlich große Macke, sondern, noch einmal, Alltag. Warten, Nichtstun, Hoffen, Bangen, kurzum: den ganz normalen Flüchtlingshorror. Kein Zweifel, den Namen Wallinger kann man sich für die Zukunft schon mal merken.

Die Ausstellung im Art Foyer der DZ Bank am Frankfurter Platz der Republik ist bis 11. September dienstags bis samstags von 11 bis 19 Uhr geöffnet.

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