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Mittwoch, 19. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Ausstellung Feldweg, Böschung, Pfütze

 ·  Fast stand das Haus vor dem Aus, doch jetzt konnten die Schulden reduziert werden. Und schon gibt es im „Atelierfrankfurt“ zwei neue Ausstellungsreihen, „Pförtnerloge“ und „Interna“.

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Der Vorstand hat recht behalten. „Schwierig, aber machbar“, lautete die Einschätzung zur Situation des ambitionierten Projekts vor gerade einmal einem Jahr, und das schien fast ein wenig untertrieben. Gerade war dem „Atelierfrankfurt“ wegen aufgelaufener Mietschulden fristlos gekündigt worden. Obwohl es doch dem Verein in bemerkenswerter Weise gelungen war, innerhalb weniger Monate alle 41 Ateliers zu vermieten, das Haus als Veranstaltungsort für Ausstellungen, Konzerte und eine Lectures-Reihe zu etablieren und obwohl sich tatsächlich ein äußerst lebendiges Netzwerk von Künstlern und Kreativen verschiedenster Disziplinen im ehemaligen Polizeipräsidium (Hohenstaufenstraße 13-27) entwickelt hatte, stand der Verein plötzlich vor dem Aus.

Schwierig, aber machbar also, und die Rechnung ist nun zum Glück für den Verein, die Künstler und für Frankfurt wahrhaftig aufgegangen. Inzwischen, so der Vorstandsvorsitzende Joerg Weber, sind die Schulden in Höhe von mehr als 75.000 Euro zum größten Teil abgebaut, hofft man auf weitere Sponsoren und mittelfristig auf eine institutionelle Förderung. Und man arbeitet mit Nachdruck daran, sich als Ort der Produktion, Kooperation und Präsentation von Kunst und Künstlern unentbehrlich zu machen. Denn mit „Pförtnerloge“ und „Interna“ haben Projektleiterin Ursula Schöndeling und Katja Schroeder nun gleich zwei neue, längerfristig angelegte Ausstellungsreihen von je eigenem Reiz eröffnet.

„Who is Reinhold Hahn?“

Während Tris Vonna-Michell derzeit als erster Künstler die winzige Pförtnerloge des Gebäudes überzeugend mit seiner Performance „Who is Reinhold Hahn?“ bespielt, hat Katja Schroeder für die erste „Interna“-Schau des als Gastkuratorenreihe konzipierten Ausstellungsprojekts in den Galerieräumen des „Atelierfrankfurt“ die Kuratorin Janneke de Vries eingeladen. Sechs junge Künstler aus unterschiedlichen Netzwerken wie der nichtkommerziellen „Galerie für Landschaftskunst“ oder der Klasse für Freie Kunst Eran Schaerfs an der Hochschule für Bildende Künste hat die Hamburger Ausstellungsmacherin aus der Hansestadt mitgebracht.

Obwohl die Positionen auf den ersten Blick unterschiedlicher kaum sein könnten, gehen vor allem die auf den Raum bezogenen Arbeiten überraschend gut zusammen. Am entschiedensten reagiert Mirjam Thomann auf die räumliche Situation, indem sie mit beweglichen, aus schlichten Materialien und durch eine reduzierte Formensprache charakterisierten Elementen den

„Composition Parapluie die zweite“

„White Cube“ einerseits radikal aufbricht, ihn zugleich aber ebenso präzise wie zurückhaltend kommentiert und damit transparent macht. Daneben sind es die auffallend stark vertretenen zeichnerischen Positionen etwa Patrick Rieves oder Hanna Schwarz' zart-poetische Studien, Tusch- und Kohlezeichnungen vereinende „Composition Parapluie die zweite“, die sehr eigene, berührende Akzente setzen.

Während Malte Urbschat, der gleichfalls von der Zeichnung kommt, den Besucher mit entschiedener Geste auf Distanz zu seiner raumgreifenden Wandmalerei hält, spielt Karolin Meunier mit ihrer Videoinstallation ihr eigenes Spiel. Mit dem Raum, der Kunst und dem Betrachter. Immer komplexer wird im Lauf der gerade einmal acht Minuten ihr scheinbar so ausgeklügelter und die Ausstellungssituation selbst thematisierender Vortrag, so daß man am Ende vor lauter Verweisen die Orientierung verliert und das Verhältnis von Autor, Werk und Betrachter selbst für erfahrene Museumsbesucher beim besten Willen nicht mehr zu begreifen ist.

„Kaukasus 2005“

Nicht zuletzt sind es die Fotografien Daniel Maier-Reimers, die einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Dabei gibt es auf den ganz und gar unspektakulären, ebenso lakonisch wie rätselhaft erscheinenden Landschaftsaufnahmen kaum etwas zu sehen: Ein Feldweg, der sich in der Unschärfe und im Nebel verliert, eine Pfütze, in der ein Hauch von Frost auf malerische Winterbilder allenfalls verweist, eine unscheinbare Böschung - schlichte, im Grunde austauschbare Ansichten sind es, die er mit der Kleinbildkamera festhält und deren Motive in einem höchst merkwürdigen Mißverhältnis zu dem Aufwand stehen, sie zu finden.

Zwei Monate ist der 1968 geborene Künstler zu Fuß vom Schwarzen zum Kaspischen Meer unterwegs gewesen auf der Suche nach Bildern, die weniger das Charakteristische der kaukasischen Landschaft zeigen als, wenn man so will, landschaftliche Zustände dokumentieren, die Zeugnis geben von der Landschaftswahrnehmung, dem inneren Befinden vielleicht auch des einsamen, in menschenleerer Gegend einen Fuß vor den anderen setzenden Wanderers. Das romantische Motiv freilich, das in Maier-Reimers Vorgehen nicht zu übersehen ist, sparen die gerade einmal vier Aufnahmen von „Kaukasus 2005“ nahezu vollständig aus. Und genau diese Spannung ist es, die diese äußerst dichte und doch bescheiden daherkommende Arbeit trägt.

Die Ausstellung im „Atelierfrankfurt“, Hohenstaufenstraße 13-27, ist bis 18. Juni Donnerstag und Freitag von 16 bis 19 Uhr, am Wochenende von 14 bis 18 Uhr geöffnet.

Quelle: F.A.Z., 15.05.2006
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Jahrgang 1963, freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

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