02.03.2006 · Auf unzähligen Polaroidfotos haben Brigitte Maria Mayer und Heiner Müller Momente ihres privaten Zusammenlebens festgehalten. Brigitte Maria Mayer zeigt nun eine Installation über ihren verstorbenen Mann im Literaturhaus.
Ihrem toten Mann hat Brigitte Maria Mayer einen Altar aufgebaut: In Form eines wohl zwei Meter hohen, aufgeschlagenen Buches prangt das Denkmal im ehemaligen Lesesaal des Frankfurter Literaturhauses. Das Mittelbild des Triptychons zeigt übermenschlich groß denjenigen, um den ihre Erinnerungsarbeit kreist: Heiner Müller.
Die beiden Seitenflügel führen mit Bildern ihrer Liebe und ihres gemeinsamen Familienlebens dem Betrachter außerdem vor Augen, daß Brigitte Maria Mayer und Heiner Müller in den fünf Jahren, die sie bis zu seinem Tod 1995 zusammen verbrachten, ihre Zeit intensiv nutzten. Zwei Monate, nachdem sie sich auf der Frankfurter Buchmesse zum ersten Mal trafen, zog die damals 25 Jahre alte Künstlerin zum dem einundsechzigjährigen Dramatiker in den Lichtenberger Plattenbau, 1992 heirateten sie, im selben Jahr kam ihre Tochter Anna zur Welt.
„Der Tod ist ein Irrtum“
Auf unzähligen Polaroidfotos haben sie Momente ihres privaten Zusammenlebens festgehalten - entspannte, erschöpfte und nachdenkliche Augenblicke ebenso wie inszenierte Auftritte vor allem der jungen Frau, die ohne Scham ihren Körper zur Schau stellt. Daß sie sich fotografiert hätten, sei eine ihrer Formen von Kommunikation gewesen, erzählt Mayer heute. Daran, die Aufnahmen einmal zu veröffentlichen, habe sie zunächst nicht gedacht. Zehn Jahre blieben die Bilder nach Müllers Tod tatsächlich unangerührt, bis Mayer sie vorigen Herbst in dem Bildband „Der Tod ist ein Irrtum“ bei Suhrkamp herausgab, der großen Anklang fand.
Mit einigen der Fotografien hat Mayer nun ihre eigens für die Räume des Frankfurter Literaturhauses entwickelte Installation bestückt. Allerdings bestreiten die Bilder nur einen Teil der Schau, Manuskripte von Müller sowie Toncollagen und Videoarbeiten der Künstlerin sind ebenfalls zu sehen und zu hören. Sie berichten von der Liebe und der Arbeit des Paares, von beider Herkunft und Auseinandersetzung mit dem Vater und vom Ende des „Zeitalters der Revolution“ nach Müllers Tod, dessen Nähe der Dramatiker vielleicht geahnt hat: „Die Hoffnung ist ein Witz“, steht am Rand eines Manuskripts.