„Die Zauberflöte war meine erste Oper“, erzählte Peter Cahn, ehemaliger Professor an der Musikhochschule Frankfurt. Schon als Kind besuchte Cahn oft Opernaufführungen in Frankfurt. Doch bald durfte sein Vater, ein jüdischer Rechtsanwalt, ihn nicht mehr begleiten. Einmal jedoch, erinnert sich Cahn, gelang es seiner Mutter und ihm, den Vater in eine Aufführung einzuschmuggeln.
Im Holzfoyer der Frankfurter Oper erzählte Cahn aus seinem Leben. Er war Gast der „LernNacht“, die das Jüdische Museum in Zusammenarbeit mit den Städtischen Bühnen und dem Institut für Stadtgeschichte organisiert hat - und die seit der Eröffnung des Museums vor 17 Jahren alljährlich am 8. November stattfindet, um an die Schicksale der Juden im Nationalsozialismus zu erinnern.
Im Mittelpunkt der diesjährigen „LernNacht“ standen die Städtischen Bühnen in Frankfurt zwischen 1933 und 1945. Eingeleitet wurde die Veranstaltung mit der Enthüllung einer Gedenktafel, auf der die Namen der jüdischen verfolgten und gestorbenen Mitarbeiter genannt werden. Deren Schicksale sind außerdem dargestellt in der Ausstellung „ . . .wir haben bis zuletzt ausgehalten. Opfer der Städtischen Bühnen Frankfurt am Main während der NS-Zeit“.
Für drei Monate in ein Arbeitslager
Cahn erzählte aber nicht nur von seinem ersten Opernbesuch in den dreißiger Jahren, sondern viele Anekdoten aus seiner Kinder- und Jugendzeit in Frankfurt während des Naziregimes. Schon als kleiner Junge lernte Cahn, geboren 1927, Klavier spielen und komponierte kleine Musikstücke, die Liebe zur Musik begleitete ihn sein ganzes Leben. Die Familie lebte bis zum Sommer 1943 im Frankfurter Westend und empfing in der Wohnung jüdische Musiker. Nicht nur, um ihnen die Möglichkeit zum Musizieren zu geben, sondern auch, um ihnen bei alltäglichen Dingen, wie beispielsweise Wäsche waschen, zu helfen. 1943 mußte Cahn das Gymnasium verlassen und für drei Monate in ein Arbeitslager, vorher war er Hilfsarbeiter in einer Gärtnerei. Auf die Zeit des Lageraufenthalts ging Cahn nicht näher ein, er erzählte aber von seinen Bekanntschaften mit namhaften Musikern dieser Zeit.
Aber nicht nur das Zeitzeugengespräch mit Cahn stand bei der „ LernNacht“ auf dem Programm. Begonnen hatte die „LernNacht“ mit einem Musikstück von Hans Krasa „Tanz für Streichtrio“, entstanden 1943 im Konzentrationslager Theresienstadt. Bettina Schültke skizzierte in ihrem Vortrag über die Städtischen Bühnen Frankfurt während des Nationalsozialismus den Werdegang der jüdischen Mitarbeiter. Zwei Schauspieler lasen unter anderem Schreiben von Behörden vor, in denen Versorgungsansprüche gekürzt wurden, aber auch sehr bewegende Briefe, die einige Mitarbeiter zum Abschied vor ihrem Freitod verfaßt hatten: In einer Familie wußten die Eltern keinen anderen Rat, als ihren Sohn mit in den Tod zu nehmen.

