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Aus dem Ägyptischen Museum Echnaton und Nofretete jetzt im Odenwald

03.04.2009 ·  Einzigartige Werke aus dem ägyptischen Altertum sind von Berlin nach Erbach gekommen. Das Deutsche Elfenbeinmuseum gibt einen gelungenen Einblick in Sonnenkult und Lebenswelt der Amarna-Zeit.

Von Michael Hierholzer, Erbach
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Glanzstücke aus der Sammlung, frisch restaurierte Objekte, seit langem in den Depots schlummernde Plastiken: Einzigartige Werke aus dem ägyptischen Altertum sind von Berlin nach Erbach gekommen, singuläre Ausstellungstücke aus der Zeit von Tell el-Armana, die nur so lange währte wie die Regentschaft von Amenophis IV., der sich alsbald Echnaton nannte.

Von ihm ging ein Umsturz aller Werte aus, eine revolutionäre Kraft, die nicht nur einen neuen Kult im Land durchsetzte, sondern auch einschneidende Wirkung auf die Kunst hatte. 17 Jahre lang wurden die vielen Götter des alten Ägypten in den Hintergrund gedrängt, galt allein Aton, dem Sonnengott, der Sonnenscheibe, dem Licht und Leben spendenden Prinzip die höchste Verehrung, die freilich von Staats wegen verordnet wurde und nach dem Tod des Pharao in der erneuerten Vielgötterei verschwand.

Ästhetisches Ideal, das über Jahrtausende gültig blieb

Als Geburtsepoche des Monotheismus gelten die Jahre, in denen der Pharao Echnaton, was soviel bedeutet wie „Dem Gott Aton wohlgefällig“, am Nil regierte: Er ließ in kürzester Zeit eine Stadt errichten, Achet-Aton, nach drei Jahren stand sie, und Echnaton zog gemeinsam mit seiner Hauptfrau Nofretete von Theben in die neue Residenz. Sie wurde ein Zentrum von Künstlern und Handwerkern. Mit einem Mal begannen die Bildhauer sich an den natürlichen Gegebenheiten zu orientieren, die statuarische Auffassung der Figur wich einer fließenden, ein vorher nicht gesehener Realismus bestimmte die Darstellungen. Und als Motiv kamen immer wieder die Sonnenscheibe und mit ihren Strahlen ins Spiel.

Auf dem Leben in der von Echnaton gegründeten Stadt und auf der neuen Religion liegen die Schwerpunkte der Ausstellung, die geeignet ist, die Stadt im Odenwald zu einem Ziel nicht nur für die von Altägypten Begeisterten, sondern für alle zu machen, die von der Aura des antiken Originals fasziniert sind. Wohl im Jahr 1353 vor Christus hatte Echnaton den Thron bestiegen, ganz sicher ist die Forschung hier bei den Datumsangaben nicht. Doch was machen ein paar Jahre aus bei einer Distanz von fast dreieinhalbtausend Jahren. Merkwürdigerweise scheint sie zusammenzuschmelzen, sobald man sich einzelnen Arbeiten nähert.

Etwa dem Statuenkopf der Nofretete, der nicht vollendet wurde und noch die schwarzen Striche aufweist, die markieren, wo der Künstler das Werk weiter bearbeiten wollte. Im Unterschied zu dem bemalten Bildhauermodell, das längst zur Berliner Ikone geworden ist, handelt es sich bei diesem Kopf um ein einst tatsächlich für die Aufstellung vorgesehenes Werk. Nicht nur haben wir es hier mit einem über Jahrtausende hinweg gültigen ästhetischen Ideal zu tun, auch die würdevolle Ausstrahlung berührt die Gegenwartsmenschen in besonderer Weise.

Statuen, Siegelringe, Skarabäen

Der Kopf war als Teil einer Statue gedacht: In der Amarna-Zeit hat man Plastiken aus unterschiedlichen Teilen, die in diversen Materialien gearbeitet waren, zusammengesetzt. Ein Pendent zur unvollendeten Nofretete ist die Statue des stehenden Echnaton mit Opfertafel aus Kalkstein – auch dieses Werk ist nicht fertig geworden, gewährt so aber ebenfalls Einblicke in den schöpferischen Prozess. Zwei Reliefs mit dem Bildnis Echnatons vom Anfang und Ende der Amarna-Ära zeigen, wie sich der Stil innerhalb weniger Jahre entwickelt hat: Grotesk-veristisch wirken die Züge des Herrschers in der älteren Darstellung, idealisiert in der jüngeren. Die Besucher der in einen Raum konzentriert dargebotenen Schau lernen die Eltern Echnatons kennen, mehrere Prinzessinnen und auch Kija, die „große Geliebte“ des Pharao.

Spektakuläre Inszenierungen, gewaltige Aufbauten, illusionistische Nachbildungen von Gräbern mit Sarkophagen oder dergleichen darf man nicht erwarten, wenn man zum Deutschen Elfenbeinmuseum fährt, um „Echnaton und Nofretete – Herrscher im göttlichen Licht“ zu erleben. Stattdessen gibt es eine erlesene Auswahl von Statuen, Reliefs, Siegelringen, Skarabäen, Tongefäßen zu sehen, die das Publikum unaufdringlich, aber um so intensiver in den Bann ziehen. Möglich wurde diese Präsentation dank persönlicher Kontakte und viel Engagement. Und noch aus einem anderen Grund: Ein halbes Jahr lang ist das Ägyptische Museum in Berlin wegen Umzugs geschlossen. Erbach profitiert davon. Und ganz Südhessen.

Bis 9. August im Deutschen Elfenbeinmuseum Erbach, Otto-Glenz-Straße 1. Geöffnet täglich von 10 bis 17 Uhr.

Quelle: F.A.Z.
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Jahrgang 1955, Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

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