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Atelierfrankfurt : Wo sich einst die Akten türmten

Zutritt eingeschränkt: „restricted sceneries#1“, eine Performance von Edith Kollath und Raman Zaya im Atelierfrankfurt Bild: Röth, Frank

Fünf Tage Kunst und Feiern: Das Atelierfrankfurt eröffnet sein neues Domizil an der Schwedlerstraße. Mit sechs Etagen und rund 11.000 Quadratmetern ist es das größte Atelierhaus Hessens.

          Der Osten leuchtet. Und mittendrin Frankfurts frühere Oberbürgermeisterin Petra Roth, die Beiratsvorsitzende von Atelierfrankfurt. In dieser Woche wurden die neuen Räume des privaten, von der Stadt und zahlreichen Förderern unterstützten Vereins in der Schwedlerstraße 1-5 eröffnet: 130 Ateliers sind hier geschaffen worden, zudem Ausstellungsflächen sowie Ladenlokale und Büroareale für Galerien und artverwandte Unternehmen. Entstanden ist das größte Atelierhaus Hessens. Mehr noch, eine, wie Roth sagte, „in der Bundesrepublik einzigartige Institution“.

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

          Freundlich präsentiert sich das renovierte und umgebaute Gebäude aus der Spätzeit der Industriekathedralen, das 1913 fertiggestellt wurde und lange als Lagerhaus diente. Den Eingang erreichen die Besucher über einen Hof, der Schriftzug „Atelierfrankfurt“ prangt hoch über den Treppenstufen, die ins Innere des labyrinthischen Komplexes mit einer Nutzfläche von etwa 11.000 Quadratmetern auf sechs Etagen führen.

          Zuvor lagerte die Commerzbank dort Akten

          Der Unternehmer und Kunstsammler Michael Loulakis hatte die Immobilie einst an die Commerzbank vermietet, die dort ihr Firmenarchiv unterbrachte. Akten, nichts als Akten auf endlosen Regalmetern, das war es, was man hier zu sehen bekam, wenn einem Einlass gewährt wurde. Das Finanzinstitut aber wollte ausziehen, und daher war die Gelegenheit günstig, die Fühler nach dem Gebäude auszustrecken, zumal es sich beim potentiellen Vermieter um einen ausgewiesenen Freund der Künste handelt. Auf Initiative von Carolina Romahn, der Leiterin des Frankfurter Kulturamts, kam ein Treffen zwischen den Verantwortlichen von Atelierfrankfurt und Loulakis zustande.

          Die Macherinnen: Carolina Romahn (links), Corinna Bimboese (Mitte) und Petra Roth
          Die Macherinnen: Carolina Romahn (links), Corinna Bimboese (Mitte) und Petra Roth : Bild: Röth, Frank

          Vor etwa drei Jahren wurde beschlossen, die Institution in die Schwedlerstraße zu verlegen, ins Frankfurter Ostend. Die Stadt schließlich fasste den Entschluss, die von ihr geförderten Künstler mit Ateliers in der Schwedlerstraße zu versorgen, und kündigte anderweitig angemietete Räume. Eine Ausweitung der Künstlerförderung kam angesichts der prekären Finanzlage Frankfurts nicht in Betracht. Dafür kann Atelierfrankfurt nun ein beträchtliches Wachstum verzeichnen.

          Petra Roth: Kunst muss von unten kommen

          „Keiner, der sich das angeschaut hat, dachte, dass hier jemals Räume für die Kunst entstehen könnten“, sagte eine überglückliche Corinna Bimboese vor zahlreichen Gästen, darunter viele Künstler, die zum Kern dessen gehören, was sich mit Fug und Recht „Frankfurter Szene“ nennen lässt. Die Direktorin von Atelierfrankfurt sprach von einem „emotionalen Augenblick“. Sie sei froh darüber, dass es mit dem Umzug von 45 Künstlern aus dem ehemaligen Polizeipräsidium an der Hohenstaufenstraße, das vom Atelierfrankfurt zwischengenutzt worden war, geklappt habe. Zwei Säulen hätten die Einrichtung bisher getragen, die Vergabe günstiger Ateliers und die Ausstellungen. Nun komme als dritte der nationale und internationale Austausch an Ort und Stelle hinzu: Es gehe, führte Bimboese aus, um die Vernetzung und um Kooperationen mit Partnern im In- und Ausland.

          Fünf Tage lang dauern die Festivitäten zum Beginn der neuen Ära. Am ersten Abend des Veranstaltungsreigens hatte zunächst Petra Roth das Wort ergriffen. Enthusiasmiert wie eh und je sprach sie von Frankfurts Zukunft, die sie schon zu ihrer Amtszeit immer im Osten gesehen habe. Nun sei die Stadt in dieser Zukunft angekommen. Sie sei stets der Überzeugung gewesen, die Kunst müsse von unten kommen, erinnerte sie die Anwesenden und lobte die freie Szene in der Stadt.

          Auch den unmittelbaren Nachbarn des Frankfurter Ostens, Offenbach, erwähnte sie, was sofort Heiterkeit auslöste, dabei wies sie bloß auf die Hochschule für Gestaltung und die Tatsache hin, dass in Offenbach viele Künstler tätig sind. „Wir sollten aufhören zu lachen, wenn wir den Namen Offenbach aussprechen“, sagte sie.

          „Ten Years After“ ist der Titel einer Jubiläumsausstellung, die Arbeiten zahlreicher mit dem Atelierfrankfurt verbundener Künstler zeigt. Und mit „restricted sceneries#1“, einer Performance von Edith Kollath und Raman Zaya, für die eine Reihe weiblicher Komparsen bereitsteht, werden gleich einmal grundlegende Fragen zur Kunst gestellt: Wer hat Zugang, wer nicht, und geht es im Kunstbetrieb nicht ähnlich zu wie beim Einchecken am Flughafen, wo der Passagier schnell an die Grenzen seiner persönlichen Bewegungsfreiheit gerät und sich freiwillig den Vorgaben fügt? Heute steht Musik auf dem Programm, unter anderem mit Mitgliedern des Ensemble Modern, morgen und am Sonntag öffnen sich die Ateliers bei den „Frankfurter Ateliertagen“. Ein Programm der Fülle erwartet das Publikum.

          Näheres unter www.atelierfrankfurt.de

          Quelle: F.A.Z.

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