Er ist smart, er ist maßgeschneidert, und er gibt sich Mühe. Aloe Blacc versucht, das Publikum im ausverkauften Frankfurter Künstlerhaus Mousonturm in einen Jubeltaumel mitzunehmen, immer wieder, so wie es in den Shows des klassischen Soul üblich ist: „It’s not a show! It’s not a concert! It’s a party!“ Kein Zweifel, der 31 Jahre alte Kalifornier kennt die Spielchen der Unterhaltung und verfügt über alles, was man dazu so braucht.
Sein Entree auf die von der Band gut angewärmte Bühne sitzt so perfekt wie das hellblaue Hemd mit der knappen Weste darüber. Seine Stimme ist live nicht weniger geschmeidig als im Aufnahmestudio. Und überhaupt: Aloe Blacc ist so stilsicher und makellos wie seine Gesangs-Einsätze, sein Lächeln, sein elegantes Klatschen. Aloe Blacc tanzt auch nicht wirklich, er tänzelt. Jeder Schritt eine kleine Hipster-Pose. Kleine rauhe Macken, die Blaccs Soul wirklich funky machen würden, sind rar. Die Unzulänglichkeiten, die sein 75 Minuten dauerndes Konzert offenbart, sind eher konzeptioneller Natur. Sein „It’s a Party!“-Aufruf plaziert er ausgerechnet mitten im genügsam-relaxten Song „You make me smile“, den er dann auch noch zum Gruß an alle Mamas herunterkocht. Er hängt die Messlatte ziemlich hoch, wenn er gleich am Anfang die „Good Things“ beschwört, die Geister von James Brown, Stevie Wonder, Marvin Gaye und Al Green.
Die Schwere des Phänomens „Konsens-Hit“
Er covert dann aber seltsamerweise Velvet Underground („Femme Fatale“, in etwa die Album-Version) und später Michael Jacksons „Billy Jean“, was in seiner cool ausgebremsten R-&-B-Fassung immerhin ein Highlight des Abends darstellt. Und es ist ein hübsche Idee, beim gemeinsamen „We got Soul“ das Publikum eine Gasse bilden zu lassen, in der sich die Tanzwilligen exponieren sollen. Allein, es traut sich niemand, die Gasse schließt sich wieder eher unspektakulär.
Und so ist die Begeisterung im Saal spürbar, fällt aber immer wieder in sich zusammen, so wie die Band nur in punktuellen Ansätzen glaubhafte Spielfreude zeigt. Es fühlt sich an, als hätten Aloe Blacc und sein Publikum vor allem eines gemeinsam: das Wissen darum, dass es hier unterm Strich nur um die eine wirklich große, packende und unwiderstehliche Nummer geht.
„I need a Dollar“ ist allgegenwärtig und damit die Schwere des Phänomens „Konsens-Hit“, der, den alle mögen, von Stefan Raab über den hr3-Moderator bis zum Soulfan an sich, der die Perle lieber für sich und seinesgleichen behalten hätte. Das charakteristische „Hey Hey“ sitzt aber schon im Sample-Cut-Up, das das Konzert aus der Konserve eröffnet. Der Beat wird schon angespielt, bevor der Star überhaupt auf der Bühne ist. Und als der Song nach 50 Minuten endlich kommt, ist er selbstverständlich zunächst wunderbar, aber dann eben auch mit den angehängten Reggae- und Latin-Versionen sehr in die Länge gezogen. Bis auch dem letzten Zuhörer ein „Jetzt ist aber gut“ durch den Kopf schießt. Es gewinnt die Dramaturgie, den kleinen gemeinsamen Nenner zu befriedigen, über die Möglichkeit, den Soul wirklich zum Tanzen zu bringen. Es ist eben doch eher Showtime als Partytime.

