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AC/DC in Frankfurt Bewährtes in Zeiten der Krise

 ·  Rekord in Krisenzeiten: Nach zwölf Minuten Vorverkauf waren die Tickets für AC/DC in der Frankfurter Festhalle vergriffen. Ihnen traut man, wenn alles andere wankt.

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Seit dem späten Nachmittag gleicht die komplett übervölkerte Frankfurter Festhalle einem Wallfahrtsort. Ganze Busladungen pilgern ferngesteuert ins Allerheiligste, vor den Toren warten Verzweifelte auf ein Wunder in letzter Minute. Doch an der Abendkasse liegengebliebene Eintrittskarten sind rar. Im Halleninnern flaniert massiver Männerüberschuss zwischen Getränkestand, Imbissverzehr und Raucherecke. Welchen Heiligen in den kommenden Stunden gehuldigt werden soll, machen mit Logo beschriftete T-Shirts, Hemden, Westen, Jacken, Plakate und Fahnen deutlich: AC/DC.

Gerade mal zwölf Minuten dauerte im Oktober der Vorverkauf, dann waren sämtliche Tickets der ersten Deutschland-Tournee seit acht Jahren ausverkauft. Rekord in Krisenzeiten – da greift der Mensch gerne auf Bewährtes zurück. AC/DC können nicht viel falsch machen von dem Zeitpunkt an, zu dem Tausende von Lampen rund um den Laufsteg hell aufleuchten. Überraschungen oder Experimente sind vom Publikum weder gefordert noch von einer Formation zu erwarten, die seit ihrem Debüt 1975 ihren Stil stets nur zu variieren wusste.

Young zieht nicht mehr blank

Zum Auftakt rast in spektakulärem Cartoon auf Großleinwand ein gespenstischer Express mit Volldampf durch die Nacht. Es kommt, wie es kommen muss: Der immer schneller seinem Ziel Hölle entgegenbrausende Geisterzug entgleist und teilt die Projektionsfläche in zwei Teile, um einer leibhaftigen Lok in gigantischer Übergröße Platz zu machen. Mit dem Ungetüm trollt sich auch die Band auf die Bühne, angeführt von Sänger Brian Johnson und Solo-Gitarrist Angus Young in obligatorischer Schuluniform.

Es ist lange her, dass eine Dampflok als Inbegriff moderner Technik galt. Auch AC/DC dürfen als Relikt einer längst vergangenen Epoche eingestuft werden, was ihre weltweite Popularität indes keineswegs schmälert. Passend zur opulenten Kulisse eröffnet das Quintett mit „Rock And Roll Train“. Doch richtig in Fahrt kommt der anfänglich ein wenig behäbig dahinratternde Zug erst, als mit „Hell Ain’t A Bad Place To Be“ der erste von insgesamt acht Klassikern aus jener Zeit erklingt, in der noch nicht der farblos wie ein angetrunkener Hafenarbeiter wirkende Brian Johnson, sondern der 1980 tragisch verstorbene Testosteron-Rockgott Bon Scott den Frontmann gab.

Minutiös der weitere Ablaufplan, der alte, jüngere und aktuelle Songs zugunsten der Klassiker mischt. Jacke, Hemd, Schlips und Hose von Angus Young fallen, einem Ritual gleich, beim kernigen Riff-Rocker „The Jack“. Zog Young mit heraushängender Zunge einst tatsächlich blank, sieht man zur Enttäuschung vieler heute nur Boxershorts mit Bandlogo. Brian Johnson gibt derweil den volksnahen Tribun auf Tuchfühlung mit den Fans. Schüttelt Hände, hängt beim monströsen „Hells Bells“ für Sekunden an einer riesigen Kirchenglocke und kultiviert über weite Strecken den „Ich bin komplett durchgeknallt“-Blick. Prinzipiell gilt für Johnson das Gleiche wie für Ron Wood von den Rolling Stones: Selbst nach drei Jahrzehnten Gruppenzugehörigkeit bleiben sie die Neuen.

Kurzweilig steuert das Spektakel nach weiteren Animationen und Feuersalven auf das mit dem Donner von sechs Kanonen flankierte Finale zu. Mit „For Those About To Rock“ verabschieden sich AC/DC nach nur zwei Zugaben endgültig, allerdings erst, nachdem eine aufblasbare Riesin namens Rosie leicht geschürzt und mit Dollarscheinen im Strumpfband rittlings auf der Lok sitzen und im Takt zu „Whole Lotta Rosie“ stampfen durfte.

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