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Künstlerpaar Heute Mozart, morgen Wagner

Anna Ryberg und ihr Ehemann Simon Bailey treten auch in der „Hochzeit des Figaro“ als Paar auf.

© Röth, Frank Vergrößern Paarweise: Anna Ryberg und ihr Ehemann Simon Bailey singen gemeinsam in der „Hochzeit des Figaro“.

Als Anna Ryberg Ende der neunziger Jahre zum Studium nach Manchester kam, ahnte sie nicht, welche Bedeutung der Ortswechsel für ihr Leben haben sollte. Vor 15 Jahren begegnete die gebürtige Schwedin dort Simon Bailey, der mittlerweile nicht nur ihr Ehemann ist, sondern auch ihr Kollege im Ensemble der Oper Frankfurt. Oft haben die beiden Sänger seither auch auf der Bühne ein Paar dargestellt. Gerade singen sie in Mozarts „Die Hochzeit des Figaro“ wieder regelmäßig zusammen - er die Titelrolle, sie die Susanna. Häufig, merkt Bassbariton Bailey an, fragten Freunde, wie das sei, die eigene Frau im Stück stets aufs Neue zu ehelichen und dem lüsternen Grafen zu entreißen, der auf sein „Recht der ersten Nacht“ mit der Kammerzofe pocht. Dann erklärt der Engländer, wie unromantisch sich der Akt tatsächlich anfühlt: „Die Hochzeits-Szene geht in einen schwierigen Tanz über - während wir die Ringe tauschen, gehen wir im Kopf immer schon die Schrittfolge durch.“

Nach dem Abschluss des Gesangsstudiums in Manchester und einer Weile an der Mailänder Scala wechselte Bailey vor etwa zehn Jahren an die Oper Frankfurt. Zwei Jahre später wurde Ryberg ebenfalls in das Ensemble aufgenommen, und zusammen bezog das Paar eine Wohnung ganz in der Nähe des Arbeitsplatzes. „Sachsenhausen war unser kleines Dorf“, sagt die Sopranistin, die in Stockholm zur Welt kam und den Großteil ihrer Kindheit und Jugend in Australien verbrachte. Erst kürzlich haben die Eltern zweier Söhne im Alter von fünf und sieben Jahren ein Haus in Niedererlenbach bezogen. „Damit die Kinder im Grünen spielen können“, sagt Bailey, der die Strecke bei fast jedem Wetter mit dem Fahrrad zurücklegt.

Ensemblemitglieder helfen bei der Künstlerbetreuung

Auswärtige Freunde fragen das Paar oft, wie es sich in Frankfurt denn lebe und ob die Einwohner wirklich so verschlossen seien, wie man gern sagt. „Davon habe ich kaum etwas bemerkt“, antwortet die Sängerin, und ihr Mann fügt hinzu: „Frankfurt muss man kennenlernen - es gibt hier alles, nur nicht auf den ersten Blick.“ Die Stadt passe in keine Schublade, sagt die Sopranistin. Ohne Zweifel sei Frankfurt ein komfortabler Ort für junge Familien. Für die Kinder finde sich selbst in der Nähe des Zentrums stets ein Spielplatz, sagt Ryberg. Zeit für das familiäre Miteinander bleibt trotz des Berufs, muss aber gut organisiert werden. „Wir sind eigentlich eine ganz normale Familie, aber wir sind auch Meister der Improvisation“, sagt Bailey, der am Arbeitsplatz als flexibel gilt und wiederholt kurzfristig für Kollegen eingesprungen ist. Die vier Stunden gesetzlich geregelter Pausenzeit am Nachmittag aber seien für alle vier heilig, sagt seine Frau. Fast täglich widmen sich die Eltern dann ihren Söhnen, die in Kindergarten und Schule deutsch, mit den Eltern englisch und nur selten schwedisch mit der Mutter sprechen. „Gegen unseren Beruf haben die Kinder nichts einzuwenden“, sagt Bailey mit gespieltem Ernst. „Die wissen genau, dass sie in der Opern-Kantine Apfelschorle und Schokolade bekommen, das gibt es zu Hause nicht so oft.“ Dort spiele die Musik hingegen eine Nebenrolle. Die Begeisterung der Kleinen für Weihnachtslieder sei zwar auch jetzt, im neuen Jahr, noch hörbar groß; und in seinem Kindersitz spiele der Jüngere regelmäßig die Luftgitarre zu den Hits aus dem Autoradio. „Wir üben aber keinen Druck aus“ sagt die Sängerin. „Die Musik fügt sich ohnehin organisch in ihr Leben.“

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