Home
http://www.faz.net/-gzg-754ai
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 17.12.2012, 11:00 Uhr

Künstler August Peukert Reminiszenz an den christlichen Glauben

Vor 100 Jahren wurde der Künstler August Peukert geboren. Das Jubiläum gibt Anlass für eine Sonderausstellung im Museum Großauheim.

© Wohlfahrt, Rainer Bandbreite: Im Museum Großauheim werden Beispiele für Peukerts Mosaike ausgestellt.

Wer auf den Spuren des Hanauer Künstlers August Peukert wandeln will, findet vor allem in den Kirchen seiner Heimatstadt reichlich Gelegenheit dazu. In den Jahren zwischen 1950 und 1972 schuf Peukert um die 50 monumentale Glasfenster und Mosaiken, die Kirchen, Schulen und öffentliche Gebäude schmücken. Nach dem Krieg habe der tiefreligiöse Künstler seinem Glauben Ausdruck verleihen und zugleich zum Wiederaufbau seiner Heimatstadt beitragen, sagt Beate Hofmann, Leiterin des städtischen Museums in Großauheim und Kuratorin einer Ausstellung, die sich zum hundertsten Geburtstag des im Jahr 1986 verstorbenen Malers, Grafikers und Glasgestalters und dessen Monumentalwerken widmet.

Luise Glaser-Lotz Folgen:

Vor zwei Jahren eröffnete das Museum in Großauheim eine Abteilung zur Erinnerung an den in dem Hanauer Stadtteil geborenen Künstler. Diese Dauerausstellung legt den Schwerpunkt auf die Malerei: Stillleben, Porträts und Landschaftsdarstellungen, wie sie das Vorkriegswerk Peukerts kennzeichnen.

In den zwanziger Jahren ließ sich Peukert an der Hanauer Zeichenakademie zum Gebrauchsgrafiker ausbilden. Dort holte er sich nach den Worten Hofmanns das Rüstzeug für sein späteres Schaffen. Neben expressionistischen Zügen finden sich in seinen Bildern auch impressionistische Anklänge. Peukerts Malerei greift Motive aus Hanau und der Umgebung wie Ansichten von Großauheim oder dem Hafen auf, sie verarbeitet aber auch Eindrücke aus seiner Zeit als Soldat in Norwegen und aus seinen späteren Studienreisen in europäische Länder. Neben Illustrationen des Menschen in seiner Not, sei es im Krieg oder in der industriellen Entfremdung, tauchen auch auf seinen Bildern und Grafiken immer wieder religiöse Darstellungen auf.

Immense Schaffenskraft

Weitgehend in den Mittelpunkt seines Schaffens rückt Peukerts Glauben in der Nachkriegszeit, in der er eine immense Schaffenskraft an den Tag legt. Den Beginn macht die Neugestaltung der Fenster in der Katholischen Pfarrkirche St. Paul am Großauheimer Mainufer. Die ersten Entwürfe für die Ausstattung der Kirche seiner Heimatpfarrei entstanden in den Jahren 1946 und 1947. Den Mittelpunkt der in leuchtenden Rot-, Blau- und Goldtönen erstrahlenden Chorfenster bildet eine große Christusfigur, auf die Engel mit Posaunen zuschweben. Während die Jesusdarstellung und die in seiner Nähe befindlichen Engel sehr deutlich zu erkennen sind, werden die äußeren Heerscharen immer abstrakter und gehen in eine ornamentale Darstellungsweise über.

Schon dort kristallisiert sich die für Peukert typische Mischung aus abstraktem und figürlichem Stil für seine Monumentalwerke heraus. Etwa fünf Jahre arbeitete Peukert Anfang der fünfziger Jahre an den insgesamt 18 Fenstern. Schnell sprach sich laut Hofmann sein Talent in den Hanauer Pfarreien herum. 1951 wurde im der zweite Auftrag zur Gestaltung von Kirchenfenstern erteilt, dieses Mal in der Steinheimer St. Nikolaus Kirche. Weitere Kirchengemeinden folgten in den nächsten Jahren in mehreren Hanauer Stadtteilen, im Main-Kinzig-Kreis und im Kreis Darmstadt-Dieburg.

40 Quadratmeter großes Mosaik

Neben Glasfenstern schuf Peukert auch zahlreiche wandfüllende Mosaiken für öffentliche Gebäude wie im Jahr 1962 die Märchenfiguren für die Eichendorff-Schule in Großauheim oder im Jahr 1967 das Wandmosaik für das Bürgerhaus Wolfgang. Eine Kombination aus Glasfenstern und Mosaik findet sich beispielsweise in der Kapelle des Hanauer St.-Vinzenz Krankenhauses. Mit einer Breite von acht Metern und einer Höhe von zwölf Metern schuf Peukert dort eines seiner größten Mosaike. Es prangt über dem Altar. Gegenüber prangen stattliche Glasfenster, ausgeführt als sogenannte Betonglasfenster, bei denen das Glas in Beton gefasst wurde, was noch üppigere Ausführungen ermöglichte. Eines seiner größten Werke entstand im Jahr 1963 für die Pfarrkirche St. Barbara in Neuhof bei Fulda. Rund 320 Quadratmeter umfassen die dortigen Glasfenster, ergänzt durch ein gut 40 Quadratmeter großes Mosaik.

Mehr zum Thema

Mit der Jubiläumsausstellung gibt es erstmals einen Überblick über das monumentale Werk von August Peukert auf kleinem Raum, so Hofmann. Neben originalen Entwürfen und Kleinmosaiken stehen Detailaufnahmen der überdimensionalen Objekte. In chronologischer Reihenfolge zeigt zudem eine Monitorpräsentation seine wichtigsten Arbeiten auf dem Bildschirm. Sie soll mit der Zeit ausgeweitet werden und künftig in der Dauerausstellung auch das großformatige Schaffen Peukerts repräsentieren.

Die Ausstellung über die Monumentalwerke August Peukerts ist bis zum 24. Februar im Museum Großauheim donnerstags bis sonntags von 10 bis 12 Uhr sowie von 14 bis 17 Uhr im Museum Großauheim zu sehen. Peukerts Sohn Rudolf führt am 20. Januar und am 10. Februar 2013 zu den Glasfenstern seines Vaters in der Großauheimer Kirche St. Paul. Treffpunkt ist um 15 Uhr an der Museumskasse im Museum Großauheim.

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Lindley-Quartier Frankfurt Aufbruch an der Automeile

An der Hanauer Landstraße entsteht das Lindley-Quartier. Fiat Chrysler zieht hierher, zwei Hotels und vier Bürohäuser sind geplant. Nur für ein Kino war kein Platz. Mehr Von Rainer Schulze

05.02.2016, 16:55 Uhr | Rhein-Main
Kunst aus dem KZ Museum zeigt 100 Holocaust-Kunstwerke

Das Deutsche Historische Museum in Berlin zeigt erstmals in Deutschland einhundert Kunstwerke aus der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem. Die Arbeiten stammen von Häftlingen aus verschiedenen Konzentrations- und Arbeitslagern. Von den 50 präsentierten Künstlern wurden 24 von den Nationalsozialisten ermordet. Mehr

25.01.2016, 19:49 Uhr | Feuilleton
Russlands Umgang mit der Krise Wodka heilt jede Krankheit

In Russland fallen die Einkommen, Kliniken und Kindergärten werden geschlossen. Das therapiert man mit viel Nostalgie, Wodka, Religion und durch die präventive Bedrohung von Kritikern. Mehr Von Kerstin Holm, Moskau

25.01.2016, 11:05 Uhr | Feuilleton
Hubcap Creatures Britischer Künstler erweckt alte Radkappen zu neuem Leben

Wenn Ptolemy Elrington Radkappen in Straßengräben findet, entsteht daraus etwas völlig Neues: Seine sogenannten Hubcap Creatures. Der Künstler aus dem südenglischen Brighton baut seit den 1990er Jahren Tierskulpturen und stellt sie weltweit aus. Mehr

29.01.2016, 13:40 Uhr | Feuilleton
Brooklyn Zeugen Jehovas verkaufen ihr Hauptquartier

Das Haus an der Brooklyn Bridge ist auf dem Markt. Der Verkauf dieser und zweier weiterer Immobilien könnte den Zeugen Jehovas einen Geldsegen bescheren. Mehr

03.02.2016, 15:01 Uhr | Wirtschaft

Pflicht zur Information

Von Ralf Euler

Vertuscht Hessens Polizei gezielt Straftaten von Flüchtlingen? Eine Reihe von Fällen erweckt diesen Eindruck. Den Finger in die Wunde zu legen, ist hilfreich. Mehr 47

Abonnieren Sie unsere Rhein-Main Newsletter

  • Newsletter auswählen

    Newsletter auswählen