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Künstler August Peukert : Reminiszenz an den christlichen Glauben

Bandbreite: Im Museum Großauheim werden Beispiele für Peukerts Mosaike ausgestellt. Bild: Wohlfahrt, Rainer

Vor 100 Jahren wurde der Künstler August Peukert geboren. Das Jubiläum gibt Anlass für eine Sonderausstellung im Museum Großauheim.

          Wer auf den Spuren des Hanauer Künstlers August Peukert wandeln will, findet vor allem in den Kirchen seiner Heimatstadt reichlich Gelegenheit dazu. In den Jahren zwischen 1950 und 1972 schuf Peukert um die 50 monumentale Glasfenster und Mosaiken, die Kirchen, Schulen und öffentliche Gebäude schmücken. Nach dem Krieg habe der tiefreligiöse Künstler seinem Glauben Ausdruck verleihen und zugleich zum Wiederaufbau seiner Heimatstadt beitragen, sagt Beate Hofmann, Leiterin des städtischen Museums in Großauheim und Kuratorin einer Ausstellung, die sich zum hundertsten Geburtstag des im Jahr 1986 verstorbenen Malers, Grafikers und Glasgestalters und dessen Monumentalwerken widmet.

          Luise Glaser-Lotz

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

          Vor zwei Jahren eröffnete das Museum in Großauheim eine Abteilung zur Erinnerung an den in dem Hanauer Stadtteil geborenen Künstler. Diese Dauerausstellung legt den Schwerpunkt auf die Malerei: Stillleben, Porträts und Landschaftsdarstellungen, wie sie das Vorkriegswerk Peukerts kennzeichnen.

          In den zwanziger Jahren ließ sich Peukert an der Hanauer Zeichenakademie zum Gebrauchsgrafiker ausbilden. Dort holte er sich nach den Worten Hofmanns das Rüstzeug für sein späteres Schaffen. Neben expressionistischen Zügen finden sich in seinen Bildern auch impressionistische Anklänge. Peukerts Malerei greift Motive aus Hanau und der Umgebung wie Ansichten von Großauheim oder dem Hafen auf, sie verarbeitet aber auch Eindrücke aus seiner Zeit als Soldat in Norwegen und aus seinen späteren Studienreisen in europäische Länder. Neben Illustrationen des Menschen in seiner Not, sei es im Krieg oder in der industriellen Entfremdung, tauchen auch auf seinen Bildern und Grafiken immer wieder religiöse Darstellungen auf.

          Immense Schaffenskraft

          Weitgehend in den Mittelpunkt seines Schaffens rückt Peukerts Glauben in der Nachkriegszeit, in der er eine immense Schaffenskraft an den Tag legt. Den Beginn macht die Neugestaltung der Fenster in der Katholischen Pfarrkirche St. Paul am Großauheimer Mainufer. Die ersten Entwürfe für die Ausstattung der Kirche seiner Heimatpfarrei entstanden in den Jahren 1946 und 1947. Den Mittelpunkt der in leuchtenden Rot-, Blau- und Goldtönen erstrahlenden Chorfenster bildet eine große Christusfigur, auf die Engel mit Posaunen zuschweben. Während die Jesusdarstellung und die in seiner Nähe befindlichen Engel sehr deutlich zu erkennen sind, werden die äußeren Heerscharen immer abstrakter und gehen in eine ornamentale Darstellungsweise über.

          Schon dort kristallisiert sich die für Peukert typische Mischung aus abstraktem und figürlichem Stil für seine Monumentalwerke heraus. Etwa fünf Jahre arbeitete Peukert Anfang der fünfziger Jahre an den insgesamt 18 Fenstern. Schnell sprach sich laut Hofmann sein Talent in den Hanauer Pfarreien herum. 1951 wurde im der zweite Auftrag zur Gestaltung von Kirchenfenstern erteilt, dieses Mal in der Steinheimer St. Nikolaus Kirche. Weitere Kirchengemeinden folgten in den nächsten Jahren in mehreren Hanauer Stadtteilen, im Main-Kinzig-Kreis und im Kreis Darmstadt-Dieburg.

          40 Quadratmeter großes Mosaik

          Neben Glasfenstern schuf Peukert auch zahlreiche wandfüllende Mosaiken für öffentliche Gebäude wie im Jahr 1962 die Märchenfiguren für die Eichendorff-Schule in Großauheim oder im Jahr 1967 das Wandmosaik für das Bürgerhaus Wolfgang. Eine Kombination aus Glasfenstern und Mosaik findet sich beispielsweise in der Kapelle des Hanauer St.-Vinzenz Krankenhauses. Mit einer Breite von acht Metern und einer Höhe von zwölf Metern schuf Peukert dort eines seiner größten Mosaike. Es prangt über dem Altar. Gegenüber prangen stattliche Glasfenster, ausgeführt als sogenannte Betonglasfenster, bei denen das Glas in Beton gefasst wurde, was noch üppigere Ausführungen ermöglichte. Eines seiner größten Werke entstand im Jahr 1963 für die Pfarrkirche St. Barbara in Neuhof bei Fulda. Rund 320 Quadratmeter umfassen die dortigen Glasfenster, ergänzt durch ein gut 40 Quadratmeter großes Mosaik.

          Mit der Jubiläumsausstellung gibt es erstmals einen Überblick über das monumentale Werk von August Peukert auf kleinem Raum, so Hofmann. Neben originalen Entwürfen und Kleinmosaiken stehen Detailaufnahmen der überdimensionalen Objekte. In chronologischer Reihenfolge zeigt zudem eine Monitorpräsentation seine wichtigsten Arbeiten auf dem Bildschirm. Sie soll mit der Zeit ausgeweitet werden und künftig in der Dauerausstellung auch das großformatige Schaffen Peukerts repräsentieren.

          Die Ausstellung über die Monumentalwerke August Peukerts ist bis zum 24. Februar im Museum Großauheim donnerstags bis sonntags von 10 bis 12 Uhr sowie von 14 bis 17 Uhr im Museum Großauheim zu sehen. Peukerts Sohn Rudolf führt am 20. Januar und am 10. Februar 2013 zu den Glasfenstern seines Vaters in der Großauheimer Kirche St. Paul. Treffpunkt ist um 15 Uhr an der Museumskasse im Museum Großauheim.

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