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Kriminalität Neuer Massentest soll Mordfall Johanna klären

22.03.2005 ·  Mit einem weiteren Massentest hoffen die Ermittler doch noch auf die Spur des Täters zu kommen, der im September 1999 die achtjährige Johanna Bohnacker aus Ranstadt-Bobenhausen in der Wetterau ermordet hatte.

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Mit einem weiteren Massentest hoffen die Ermittler doch noch auf die Spur des Täters zu kommen, der im September 1999 die achtjährige Johanna Bohnacker aus Ranstadt-Bobenhausen in der Wetterau ermordet hatte. Eine erste Reihenuntersuchung von Finger- und Handflächenabdrücken vor mehr als zwei Jahren war erfolglos verlaufen. An der Aktion hatten sich seinerzeit 448 Männer aus Bobenhausen oder mit einem Bezug zu dem früheren Wohnort der Bohnackers beteiligt. Am Dienstag stellten Polizei und Staatsanwaltschaft die Pläne für den neuen Test in Anwesenheit von Johannas Eltern vor.

Mit Hilfe eines im Herbst 2003 zufällig von einem Polizeibeamten entdeckten Gebührenbuches einer Bauschuttdeponie der Gemeinde Ranstadt hat die Polizei inzwischen 390 Männer aus Ranstadt und den Ortsteilen Dauernheim und Ober-Mockstadt ermitteln können. In das Buch hatte ein inzwischen verstorbener Rentner seit Oktober 1994 akribisch neben dem Datum der Müllanlieferung auch die Namen, die Wohnorte sowie Fahrzeugtypen und -kennzeichen der Deponienutzer notiert. Die Deponie oberhalb des Bobenhausener Sportplatzes am westlichen Ortsrand ist deshalb für die Ermittler interessant, weil sie sich nur einen Steinwurf weit von den Orten entfernt befindet, wo sich Johanna oft mit ihrer Freundin versteckt hatte und wo das Mädchen am 2.September 1999 verschwunden war. Sieben Monate später fand ein Spaziergänger Teile ihres Leichnams an einem Waldweg bei Alsfeld, etwa 80 bis 100 Meter neben der Raststätte Berfa an der Autobahn Frankfurt-Kassel - rund 100 Kilometer von ihrem Heimatort entfernt.

Die 390 Deponienutzer sind nun aufgerufen, zwischen dem 11. und dem 16.April im Bürgerhaus Ranstadt, Oberriedstraße 3, an den Werktagen zwischen 13.30 Uhr und 20.30 Uhr sowie am Samstag zwischen 9 und 16.30 Uhr freiwillig einen Abdruck ihrer Finger und Handinnenflächen abzugeben. Die Abdrücke werden zum ersten Mal in Deutschland digital von einem Scanner erfaßt, so daß die Hände nicht mehr schwarz gefärbt werden müssen. Beim Bundeskriminalamt in Wiesbaden werden die erfaßten Daten gespeichert und mit der Spur einer Hand verglichen, die die Ermittler auf einem Klebeband gefunden haben, mit dem Johanna gefesselt worden war.

Das Verfahren ist nach Auskunft des Gießener Oberstaatsanwalts Wolfgang Thiele mit dem hessischen Datenschutzbeauftragten abgestimmt worden. Thiele erläuterte gestern, daß die Daten nur für diese Reihenuntersuchung verwendet und anschließend vernichtet würden. Freiwillige Massenuntersuchungen hätten schon häufiger auf die Spur von Mördern geführt. Wer sich an der Aktion nicht beteilige, werde nicht automatisch von den Ermittlern verdächtigt. Der Grund für die Verweigerung werde jedoch erfragt, sagte Thiele.

Die Ermittler nehmen inzwischen an, daß der Mörder aus der Umgebung des Mädchens stammt und Johanna ihn kannte. Für Hinweise, die zur Ermittlung des Täters führen, hat die Staatsanwaltschaft Gießen eine Belohnung von 25000 Euro ausgesetzt. Der Sprecher der Friedberger Polizei, Willi Schwarz, und der Sprecher der Gießener Staatsanwaltschaft, Reinhard Hübner, hoben gestern hervor, daß die Ermittler "weiterhin hoch motiviert" seien, den Fall Johanna aufzuklären. (jjo.)

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