06.05.2005 · Etwa eine Million gefälschter Handyteile hat die Polizei in Frankfurt sichergestellt. Unter dem Zubehör hätten sich Ladegeräte, Kopfhörer und Akkus gefunden, berichtete Polizeisprecher Peter Liebeck gestern.
Etwa eine Million gefälschter Handyteile hat die Polizei in Frankfurt sichergestellt. Unter dem Zubehör hätten sich Ladegeräte, Kopfhörer und Akkus gefunden, berichtete Polizeisprecher Peter Liebeck gestern. Er sprach von einem "gigantischen Verfahren" gegen Produktpiraterie. Die Teile seien mit Markennamen bekannter Firmen - vor allem Nokia und Siemens - bedruckt. Sie waren nach wochenlangen Ermittlungen in sechs Geschäften im Frankfurter Bahnhofsviertel, im Ostend, in der Innenstadt und in Oberrad gefunden worden.
Im Hinterzimmer eines der Läden standen nach Polizeiangaben Maschinen, mit denen die Waren in gefälschte Verpackungen eingeschweißt werden konnten. Dort wurden auch falsche Hologrammaufkleber und Etiketten mit fiktiven Seriennummern gefunden. Der Betreiber dieses Geschäfts, ein 36 Jahre alter Mann aus Königstein, sitzt seit Anfang der Woche in Haft. Er habe die Waren zu Originalpreisen verkauft, teilte die Polizei mit. Welcher Schaden entstanden sei und welchen Verkaufswert die sichergestellten Teile hätten, stehe noch nicht fest. Ob der Festgenommene Komplizen hatte und ob er neben Endverbrauchern auch - möglicherweise unwissende - Händler als Kunden hatte, muß ebenfalls noch ermittelt werden.
Zudem untersucht die Polizei, ob die Waren ausschließlich in Frankfurt verkauft wurden. Die Ermittler schließen nicht aus, daß die Fälschungen auch hessen- oder gar bundesweit in Verkehr geraten seien. Für Laien und sogar für Händler sei nur schwer erkennbar, daß es sich um Fälschungen handele, sagte Ermittler Hans Zens. "Vielen Kunden wird es wohl erst auffallen, wenn sie ihr Handy zur Reparatur bringen." Selbst durch den Zoll waren die Waren unbeanstandet nach Deutschland gelangt. "Die Markennamen waren mit Made-in-China-Etiketten überklebt", erklärte Zens. So sei der Zoll wohl von sogenannten No-name-Produkten ausgegangen.
Die Sprecherin des Herstellers Nokia, Birgit Opladen, sagte, Produktpiraten fügten den Herstellern große Schäden zu. Diese seien jedoch nicht zu beziffern. Kunden, die sich schützen wollten, empfiehlt Opladen, nur im Fachhandel einzukaufen. Diese Händler könnten auch prüfen, ob es sich bei bereits gekauften Produkten um Originale oder Fälschungen handele. (lhe.)