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Krankenkassen-Portale im Test Einen Arzt finden und bewerten

 ·  Zwei Krankenkassen-Portale für die Bewertung von Ärzten buhlen seit 2011 um die Gunst der Versicherten. Beide könnten mehr Feedback gebrauchen. Ein Test.

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Kennst du einen? Oder: Wo gibt es eigentlich? Mit diesen Fragen in Suchmaschinen werden Verbraucher heutzutage auch auf der Suche nach einem Arzt schnell fündig. Einen mal mehr, mal weniger saftigen Kommentar gibt es in der Regel noch dazu. Das müssen Ärzte hinnehmen, wie das Oberlandesgericht Frankfurt in einem aktuellen Urteil entschieden hat.

Seit 2007 gibt es Arztbewertungsportale im Internet, die meisten arbeiten jedoch kommerziell. In einem Test der Stiftung Warentest im vergangenen Jahr stellte sich heraus, dass Ärzte bei fünf Portalen gegen Geld „Premium“-Einträge erwerben konnten.

Diese Gefahr besteht nicht bei den beiden Portalen, die im Mai 2011 die AOK und ein paar Monate später der Verband der Ersatzkassen (VDEK) freigeschaltet haben und jeweils in Kooperation mit Stiftungen betreiben. Allenfalls können sich Ärzte von der Bewertungsliste streichen lassen.

Lob nur durch Versicherte

Die Portale sind bisher in erster Linie Suchmaschinen, die allen offenstehen. Verbraucher finden über die Eingabe der Postleitzahl und der gewünschten Fachrichtung sehr schnell einen niedergelassenen Arzt in ihrer Nähe - mit Entfernungsangabe, Adresse, Sprechzeiten und weiteren Details wie etwa Angaben zu Behindertenparkplätzen. Bewertungen fehlen dagegen oft oder sind nicht einsehbar.

Wir haben neulich auf der Suche nach einem Facharzt den Ärztenavigator der AOK ausprobiert und fanden gleich eine Praxis in der Nähe mit offener Sprechstunde zwischen 15 und 16 Uhr: Wir haben uns spontan eine halbe Stunde vorher ins Wartezimmer gesetzt und hielten schon um 15.15 Uhr das Rezept in der Hand.

Gern hätten wir anschließend bei der AOK die Praxis, für die es bis dahin noch keine Bewertung gab, für ihre gute Organisation gelobt, doch das können nur Versicherte der Krankenkasse. Sie müssen sich mit Versicherungs-Nummer registrieren, bevor sie unter Pseudonym ihr Votum abgeben. Manipulation durch Mehrfachvoten werden so ausgeschlossen. Überhaupt sind die Arztnavi-Kassen beim Bewerten vorsichtig. Bis zu zehn Urteile müssen zusammenkommen, damit AOK, Barmer und TK die Bewertungen für einen Arzt freischalten. In Hessen ist das bisher nach Angaben eines AOK-Sprechers erst bei zehn Prozent der Ärzte der Fall. Bundesweit sind nach Angaben der Bertelsmann Stiftung 5300 von 58.000 bewerteten Ärzten einsehbar.

Das Urteil nach dem Arztbesuch macht etwas Mühe. Einen Bogen mit 33 Fragen muss ein Patient, der ein Urteil abgeben will, durchgehen, im Fall des Zahnarztbesuchs sind es sogar 40 Fragen. Sieben bis acht Minuten setzt die AOK dafür an. Am Ende steht dann, so sich denn zehn Verbraucher bequemen, eine Empfehlung für bestimmte Punkte in Prozentzahlen. Die Gesamtempfehlung liest sich so: „87,5 Prozent der Befragten würden diesen Arzt bestimmt oder wahrscheinlich weiterempfehlen. Bundesdurchschnitt für das Fachgebiet: 89,1 Prozent.“

30.000 Bewertungen verworfen

Der Arztlotse der Ersatzkassen steht allen offen, nicht nur den eigenen Versicherten. Er macht es seinen Nutzern leichter, bleibt aber mehr an der Oberfläche. Die Bundesärztekammer hatte nach dem Start kritisiert, dass Nutzer sich nicht registrieren müssten und Mehrfacheinträge möglich seien, die zu verfälschten Bewertungen führten. Der Beurteiler vergibt beim Ärztelotsen Noten für bestimmte Aspekte und am Ende eine Gesamtnote von 1 bis 6. Außerdem gibt es eine freies Feld für einen persönlichen Kommentar zu der Frage: Warum würden Sie die Praxis empfehlen oder nicht empfehlen?

Schmähkritik wird nicht veröffentlicht. Nach Angaben des Verbandes wurden bisher 30.000 Bewertungen nach Prüfung verworfen. Auffällig ist, dass so gut wie keine negative Bewertung zu finden ist. Gleichwohl können Verbraucher mit Kommentaren wie „Nettes Personal, Arzt nimmt sich viel Zeit und erklärt alles sehr langsam und verständlich. Kein Freund schneller Operationen. Leider lange Wartezeiten“ mehr anfangen als mit Prozentzahlen.

Ohnehin haben es Verbraucher selbst in der Hand, die Portale mit Leben und ehrlicher Meinung zu füllen. Bewertungsportale sind letztendlich nur so gut wie ihre Nutzer.

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Jahrgang 1964, feste freie Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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