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Veröffentlicht: 07.01.2013, 19:47 Uhr

Kool Savas Wirf den Fehdehandschuh von vorvorgestern

Der selbsternannte „King Of Rap“ Kool Savas präsentiert im Offenbacher Capitol eine bodenständig anmutende Werkschau.

von Michael Köhler
© Kretzer, Michael Tiefer Griff in die Repertoirekiste: Kool Savas in Offenbach.

Großspurigkeit, gepaart mit Größenwahn: Frei nach amerikanischem Vorbild wird auch im deutschen Hiphop grobe Selbstüberschätzung gerne mal mit angeblicher Authentizität verwechselt. Eine als vermeintliche Tugend getarnte Charakterschwäche, die sich wie ein roter Faden von Bushido bis hin zu Sido zieht. Inszenierte Provokationen, gespickt mit Kontroversen, die der durchschnittliche Fan als in Stein gemeißeltes Dogma wahrnimmt, die aber lediglich dem Zweck dienen, das Bankkonto des jeweiligen Protagonisten noch dicker anschwellen zu lassen. Erstaunlich bodenständig gestaltet sich da die von einem Hauch wehmütiger Nostalgie umflorte Werkschau des selbsternannten „King Of Rap“ Kool Savas beim finalen Tourneeauftritt im nicht optimal ausgelasteten Offenbacher Capitol.

Weniger ist mehr, lautet die Devise des Deutschtürken Savas Yurderi. Im Beiprogramm tummeln sich die handverlesenen Kollegen Architekt, KaynBock und Montez aus Bielefeld, DCVDNS aus Saarbrücken und der Hamburger Laas Unltd.. Zwischen den Auftritten moderiert Ben Salomo Rap-Battles mit lokalem Nachwuchs - spontan Gereimtes zumeist unterhalb der Gürtellinie. Provokante pubertäre Zotenattacken, kaum der Rede wert, die aber das großformatig in Sprayer-Graffitischrift im Bühnenhintergrund installierte Tourmotto konterkarieren: „Warum rappst Du?“. Eine gute Frage, deren Antwort Kool Savas im Gespann mit Laas Unltd. als Back-up-Rapper sowie einem DJ letztendlich schuldig bleibt. Wenn der 37 Jahre alte Kool Savas tief in die Repertoirekiste greift, um gut Abgehangenes wie „LMS“, „Fehdehandschuh“ oder „Und dann kam Essah“ zutage zu fördern, wirken die einstigen Bürgerschreck-Hymen wie Demoplakate von vorvorgestern.

Diesmal wird er nicht ausgebuht

Irritiert zeigt sich zumindest ein Teil des Publikums, als Kool Savas mit fünfköpfigem Chor aus ehemaligen Kandidaten von „The Voice Of Germany“ vier Stücke aus seinem mit Xavier Naidoo entstandenen Kollaborationsalbum „Gespaltene Persönlichkeit“ serviert. Im vergangenen Herbst plazierte sich das Werk immerhin auf Rang eins der Media Control Charts. In Zusammenarbeit mit Naidoo, dessen künstlerische Handschrift das Material dominiert, kamen für Savas atypische Songs wie „Gegen die Freundschaft“, „Wage es zu glauben“, „Lied vom Leben“ und „Schau nicht mehr zurück“ zustande.

Mit letzterem Titel gewann das Duo haushoch Stefan Raabs Bundesvision Song Contest 2012 - und wurde vom Berliner Publikum ausgebuht. Eine Erfahrung, die Kool Savas in Offenbach erspart bleibt. Mit den Klassikern „Brainwash“, „Das Urteil“, „Der beste Tag meines Lebens“ und „Sky Is The Limit“ erobert die seit mehr als einer Dekade aktive Rap-Galionsfigur souverän Terrain zurück.

Quelle: F.A.Z.

 

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