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Kommentar Zurück zum Sonntagsbraten

11.09.2006 ·  Frankfurt hat seinen Fleischskandal. Wie fast immer hat auch dieses Unglück zwei Seiten: Anscheinend wird beim Fleischhandel an mehreren Stellen gepfuscht, zum anderen ist jeder Fund der Kontrolleure über die fast unkontrollierbaren Fleischberge ein Sieg.

Von Lisa Uphoff
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Frankfurt hat seinen eigenen Fleischskandal. Die 1,9 Tonnen verdorbenes Rindfleisch und die 23 Tonnen fragwürdiges Schweinefleisch stammen definitiv nicht aus den bayerischen Gammelfleischbeständen. Wie fast immer hat auch dieses Unglück zwei Seiten: Anscheinend wird beim Fleischhandel an mehreren Stellen gepfuscht, zum anderen ist jeder Fund der Kontrolleure über die fast unkontrollierbaren Fleischberge ein Sieg. Schließlich heißt der Slogan der Lebensmittelüberwachung: „Wir suchen, um zu finden.“

Zusätzlich bedarf es aber einiger wichtiger Änderungen: Kontrolleure müssen unangemeldet vor der Tür stehen. Die Verbraucherzentrale beanstandet außerdem zu Recht, die Verlagerung der Zuständigkeiten bei der Kontrolle vom Land auf Kommunen und Landkreise vor einem Jahr sei „ein Schuß in den Ofen“ gewesen: Zu schnell könnten Kommunen mit Gewerbesteuer zahlenden Betrieben in „Interessenkonflikte“ geraten. Auch sollten endlich, wie von Umweltminister Wilhelm Dietzel (CDU) gefordert, betrügerische Firmen öffentlich genannt und Berufsverbote ausgesprochen werden dürfen. Die bisher möglichen Strafen gegen Lebensmittelbetrüger von 20 000 Euro und bis zu fünf Jahre Haft müssen endlich ausgeschöpft werden.

Risikoausschluß bei Lebensmitteln unmöglich

Doch auch der Staat kann nicht alles richten. Verbrauchern muß zwar ein Höchstmaß an Sicherheit gewährleistet werden. Doch Risikoausschluß ist bei Lebensmitteln nicht möglich, lediglich Risikominimierung. Die bittere Wahrheit lautet: Jeder Verbraucher ißt auf eigenes Risiko. Hier ist ein Umdenken bei den Konsumenten erforderlich. Niemand kann bei den oft propagierten „Tiefstpreisen“ ernsthaft permanente und flächendeckende „Höchstqualität“ erhoffen. Früher brauchte ein Schwein ein ganzes Jahr, um schlachtreif zu sein, die Intensivtierhaltung verkürzt die Zeit auf fünf Monate. Irgend etwas bleibt dabei auf der Strecke.

Qualität hat ihren Preis, und so sollten sich Verbraucher, statt dem Geiz zu frönen, lieber den erklärten Mangel gönnen - ohne dabei gleich Vegetarier zu werden. Das schont den Geldbeutel sowie die Gesundheit und fördert den Genuß. Lieber ein teureres Stück Fleisch wenige Male in der Woche statt täglichen Verzehr von möglicherweise fragwürdiger Billigware, fordern Verbraucherschützer. Sie hoffen auf den „modifizierten Qualitätsesser“. Ernährungsphysiologisch reichten Fleisch- und Wurstverzehr zwei bis dreimal pro Woche ohnehin aus. Also zurück zum Sonntagsbraten, wie zu Großmutters Zeiten. Denn Überfluß kann zum Verdruß werden, und jeder Verbraucher entscheidet fern der staatlichen Fürsorgepflicht selbst, was in seiner Pfanne landet.

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