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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Kommentar Zurück ins kulturelle Leben

07.01.2009 ·  „Kulturpass“-Inhaber bekommen vergünstigten Eintritt ins Städel, Liebieghaus und die Schirn Kunsthalle. Die Idee, Kultur auch Mittellosen zugänglich zu machen, wie es Götz Wörner fordert, verdient Unterstützung.

Von Michael Hierholzer
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Kultur für alle: Das ist der Titel eines mittlerweile vergriffenen Buchs von Hilmar Hoffmann. Der einstige Frankfurter Kulturdezernent hatte Ende der siebziger Jahre darin das Programm formuliert, das er in der von Kriegs- und Nachkriegszerstörungen schwer gebeutelten Großstadt am Main durchsetzen wollte. Ein wesentlicher Gedanke war, den Zugang zu Kulturgütern und Kunstereignissen allen Bürgern zu ermöglichen und auch bei jenen Interesse dafür zu wecken, die sich noch nie über die Schwelle eines Museums, Konzerthauses oder Theaters gewagt hatten.

Dass sich allmählich repräsentative Zwecke, der Wunsch nach Standortvorteilen und das Bestreben, das Außenbild der Stadt aufzupolieren, bei der Rekultivierung Frankfurts in den Vordergrund schoben, steht auf einem anderen Blatt. Es ändert nichts an der Richtigkeit des ursprünglichen Ansatzes. Inzwischen ist noch viel deutlicher geworden, dass der Verlust an kultureller Identität einer der Gründe für die sozialen Verwerfungen der Gegenwart ist.

Nicht verkriechen

Kultur für alle: So nennt sich ein vor gut einem halben Jahr gegründeter Verein, mit dem der ehemals erfolgreiche Musikproduzent und heutige Hartz-IV-Empfänger Götz Wörner die Idee der Teilhabe auch der Bedürftigen an den vielfältigen kulturellen Angeboten in der Stadt beleben möchte. Dass gerade in persönlichen Notzeiten die Künste heilsame, aufbauende, anregende Wirkung haben können, ist kaum zu bestreiten. Wer sich nicht verkriecht, sondern offen ist für Impulse, Denkanstöße, emotionale Erfahrungen, hat wohl auch größere Chancen, seine missliche Situation zum Besseren zu wenden.

Wörners Initiative verdient daher jede Unterstützung. Dass schon Städel, Liebieghaus und Schirn Kunsthalle den „Kulturpass“-Inhabern für einen Euro Zutritt zu Dauer- wie Sonderausstellungen gewähren, spricht für die Flexibilität von Institutionen, die von der bürokratischen Blässe der Stadtverwaltung nicht angekränkelt sind. Möglichst viele große Einrichtungen sollten diesem Beispiel folgen. Vor allem Oper und Schauspiel sind aufgerufen, die technischen Voraussetzungen zu schaffen, um Restkarten an mittellose Theaterfreunde zu bringen. Das ist allemal besser, als sich mit leeren Zuschauerreihen abzufinden.

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Jahrgang 1955, Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

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