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Kommentar zur OB-Wahl 2018 : Auf einem großen Feld

Mit der früheren Integrationsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg wollen die Grünen in die Frankfurter Oberbürgermeisterwahl im März nächsten Jahres gehen. Bild: Helmut Fricke

Die Grünen schicken die frühere Integrationsdezernentin Eskandari-Grünberg bei der Oberbürgermeisterwahl 2018 ins Rennen. Eine kluge und zugleich überraschende Entscheidung.

          Die Entscheidung der Grünen, mit der aus Iran stammenden früheren Integrationsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg in die Frankfurter Oberbürgermeisterwahl im März nächsten Jahres zu gehen, ist klug und überraschend zugleich. Die 52 Jahre alte Politikerin, die seit 2001 im Römer agiert, war parteiintern längere Zeit durchaus umstritten. In der vergangenen Wahlperiode, als eine überaus pragmatisch zu Werke gehende neue Generation das Sagen in Partei und Fraktion übernommen hatte, wollten die Wortführer von Eskandari-Grünberg nichts wissen. Manche bezeichnen den Umgang mit ihr im Rückblick als „Mobbing“.

          Ihre politische Karriere verdankt die promovierte Psychotherapeutin ganz wesentlich Lutz Sikorski, einer der führenden Figuren der Frankfurter Grünen; er hatte sie wesentlich gefördert. Seit Sikorskis Tod Anfang 2011 stand sie im Römer weitgehend allein da.

          Mit der Basis und den Bürgern offen diskutieren

          Für Eskandari-Grünberg spricht, dass sie weder nach vier harten Jahren im Magistrat noch nach dem Verlust des Integrationsdezernats aufgegeben hat. Wieder hatten viele an der Basis das Gefühl, dass sie von den gewiefter taktierenden Parteifreunden ausgebootet wurde, als nach der Kommunalwahl das kleiner gewordene Fell verteilt wurde. Das trug ihr Solidarität ein; dadurch, dass sie sich unverdrossen integrationspolitisch engagierte, kam Respekt hinzu.

          Wie sie bei ihrer Vorstellung als Kandidatin sagte, schlafe sie „nicht mit dem Parteiprogramm unter dem Kopfkissen“. Sie sei offen für innovative Ideen, auch solche, die nicht auf Parteilinie lägen. Bei ihrer Zusage zur Kandidatur habe sie sich gegenüber der Parteiführung ausbedungen, dass dies weiterhin gelte. Sie will mit der Basis und den Bürgern offen diskutieren. Das ist gut, das hat es zu lange nicht mehr mit den Frankfurter Grünen gegeben.

          Überhaupt hat sich unter den Grünen angesichts der hohen Wahlverluste, der Abwahl von zwei Dezernenten und dem Ende der schwarz-grünen Ära der Wind gedreht. Die Grünen in Partei und Fraktion – oder zumindest wesentliche Teile – setzen wieder auf Debatten und zugleich auf die Integration der unterschiedlichen Richtungen. Zu diesem neuen Kurs passt Eskandari-Grünberg. Sie auszuwählen ist aber nicht nur parteiintern klug. Sie besetzt als Migrantin auch ein politisches Feld, das in der internationalsten Stadt Deutschlands ziemlich groß ist.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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