Wer pleite ist, kann keine große Party feiern. Wie pleite Bad Schwalbach ist, das lässt sich an den beachtlichen Defiziten in den Budgets der vergangenen Jahre und überdies daran ablesen, dass die Kreisstadt eine von nur zwei Kommunen im Untertaunus ist, denen das Land eine Teilentschuldung anbietet: Fast zwölf Millionen Euro kommunaler Schulden würde Hessen übernehmen, das ist der dritthöchste Einzelbetrag im gesamten Landkreis.
Trotz leerer Taschen will es Bad Schwalbach 2018 aber ordentlich krachen lassen. Mehr als sechs Millionen Euro soll die sechste Landesgartenschau kosten, sieben Millionen Euro sollen im Vorfeld in den Kurpark und sein Umfeld investiert werden, weitere sechs Millionen Euro in die Stadtentwicklung. Abzüglich aller zu erwartenden Einnahmen und Zuschüsse bleiben an Bad Schwalbach allein für Aufbau und Organisation der Gartenschau vier Millionen Euro hängen. Eine Summe, die über neue Kredite finanziert werden muss. Wie unter diesen Umständen ein ausgeglichener Haushalt erreicht werden soll, den das Land unter dem Schutzschirm verlangt, bleibt schleierhaft.
Nur zwei hessische Kommunen hatten sich beworben
Ungeklärt ist bislang aber vor allem, worin der nachhaltige Effekt eines mit Millionenaufwand aufgehübschten Kurparks liegt. Die eigenen Therapieangebote fährt Bad Schwalbach gerade auf ein Minimum herunter. Und die Attraktivität der Kurstadt als Wohn- und Gewerbestandort hängt nicht vorrangig von einem hochattraktiven Parkgelände ab. Jungen Familien geht es um attraktiven und bezahlbaren Wohnraum, um gute Verkehrsanbindung, schnelles Internet und um Bildung. Bad Schwalbach aber wird die Landesgartenschau nun ausrichten müssen, selbst wenn der Stadt weitere Investitionen in die Infrastruktur nicht gestattet werden.
Dass sich in diesen Zeiten überhaupt nur zwei hessische Kommunen um die Ausrichtung der Schau beworben haben, sollte Bad Schwalbach und dem Land zu denken geben. Die Schau stellt ein großes Risiko für eine nicht einmal 11.000 Einwohner zählende Kleinstadt dar, die schon jetzt über ihre Verhältnisse lebt. Anstatt im Februar scherzhaft in einer Büttenrede über die Vergabe der Schau zu räsonieren, hätte Ministerpräsident Bouffier vielleicht darüber nachdenken sollen, ob Bad Schwalbach nicht vor sich selbst geschützt werden muss.
Sie sind pleite - aber in Partylaune
Lothar Wölfel (LWoelfel)
- 01.06.2012, 15:08 Uhr