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Kommentar zur Ivi-Räumung : Anspruchsvoll obdachlos in Frankfurt

Diskussionsforum: Die Ivi-Räumung sah martialisch aus, verlief aber weitgehend friedlich Bild: Nils Thies

Jahrelang haben die Studenten im Frankfurter „Institut für vergleichende Irrelevanz“ mietfrei in bester Lage gewohnt. Nun ist es Zeit, dass die Aktivisten das Fordern aufgeben

          Zehn Jahre lang haben die Studenten im „Institut für vergleichende Irrelevanz“ (Ivi) mietfrei ein großes Haus in bester Lage bewohnt. Und es ist schon klar: Was einer einmal hat, will er nicht so einfach wieder hergeben. Vielleicht geht das Abschiednehmen aber leichter, wenn der Besitz sowieso schon weg ist. Vielleicht also können die Studenten aus dem Ivi jetzt, nach der Räumung des Gebäudes, ihre Ansprüche an eine künftige Unterkunft herunterschrauben. Wenn es das Ivi weiter geben soll, wird das nötig sein.

          Es war ein irrwitziger Gedanke, dass der Erhalt des Ivi in Form eines ganzen Hauses quasi Naturgesetz sei. Die Haltung, das stehe den Studenten nach all der Zeit am Kettenhofweg zu, ist anmaßend und wenig zielführend: Wer soll schon die dauernd wiederholte Maximalforderung erfüllen und den Studenten für ihre Vorlesungen und Partys ein Haus zur Verfügung stellen, mietfrei oder sehr günstig? Dazu noch in Frankfurt, einer Stadt, an deren Rändern man womöglich bald Felder bebauen will, damit alle Platz haben. Ganz genau: niemand.

          Das Fordern aufgeben

          Aufgabe der Stadt kann die Suche nach einer neuen Unterkunft für das Ivi nicht sein - und mit Unterstützung durch die Universität ist nicht zu rechnen. Es wird also Zeit, dass die Aktivisten das Fordern aufgeben - und sich selbst nach Alternativen umsehen. Damit ist freilich nicht die Suche nach anderen leerstehenden Gebäuden gemeint, die unter den Ivi-Studenten und deren Unterstützern jetzt wieder beginnen wird.

          Statt Kraft zu verschwenden auf neue Besetzungen, da ohnehin klar ist, dass sie, egal wo, nicht lange bleiben dürfen, sollten die Studenten darüber nachdenken, was das Ivi jenseits effekthaschender Aktionen noch sein könnte. Ein Ideenverband ohne festen Wohnsitz zum Beispiel. Bisher haben die Aktivisten immer abgewiegelt, wenn man sie darauf ansprach, das Ivi könne sich doch mit seinen Veranstaltungen regelmäßig im Studierendenhaus der Universität oder in den Räumen des ehemaligen Polizeigefängnisses im Klapperfeld, eines im Bestand nicht gefährdeten autonomen Zentrums, einmieten. Nichts da, hieß es bisher stets: Das Studierendenhaus sei immerzu voll, die Zellen im einstigen Gefängnis seien zu klein.

          Im Sinne der Studenten ist zu hoffen, dass diese Großspurigkeit angesichts ihrer Obdachlosigkeit zusammenschrumpft. Ansonsten wird die Räumung das letzte Kapitel in der Ivi-Geschichte gewesen sein.

          Denise Peikert

          Freie Autorin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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