27.01.2009 · „Glückauf, der Steiger kommt!“ rufen sich die hessischen Sozialdemokraten zu, wenn der neue Landtagsfraktionschef und designierte Parteivorsitzende mit der Lampe in der Hand auftaucht. Die SPD braucht vor allem eine Integrationsfigur.
Von Ralf EulerSelbst in der schwärzesten Nacht brennt irgendwo noch ein Licht. So niederschmetternd der Ausgang der Landtagswahl für sie war, so leicht fällt es den Sozialdemokraten jetzt, Hoffnung aus der Erkenntnis zu schöpfen, dass es schlimmer kaum noch zu kommen vermag. Ganz unten angekommen, kann es für die einstige „Hessen-Partei“ eigentlich nur noch aufwärtsgehen, und das unter der Führung des neuen Steuermanns in Partei und Fraktion, Thorsten Schäfer-Gümbel.
„Glückauf, der Steiger kommt!“ rufen sich die tief im Sympathieloch feststeckenden Genossen erwartungsfroh zu, wenn der einmütig gewählte neue Landtagsfraktionschef und designierte Parteivorsitzende mit der Lampe in der Hand auftaucht. Dem Neununddreißigjährigen aus der Mitte Hessens, der die Landespartei mit gerade mal noch 23,7 Prozent zum schlechtesten Wahlergebnis aller Zeiten geführt hat, steht vor der enormen Herausforderung, nach innen zu einen und nach außen Vertrauen zu schaffen. In fünf Jahren, so die Zielvorgabe, soll die SPD der CDU wieder Paroli bieten können.
Vor einer Mammutaufgabe
Um ihr „Projekt 2015“ mit Leben zu erfüllen, brauchen die Sozialdemokraten zunächst vor allem eine Integrationsfigur. Dabei genügt es nicht, wie in der vergangenen Woche geschehen, die beiden Flügel der Landtagsfraktion, den links-progressiven und den rechts-pragmatischen, offiziell für aufgelöst zu erklären. Viele der Personen, die in den vergangenen zwei Jahren unter dem Deckmantel dieser „Vorwärts“ und „Aufwärts“ genannten Gruppierungen ihr eigenes Süppchen gekocht und die Partei einer Zerreißprobe ausgesetzt haben, sitzen nämlich auch im neuen Landtag. Schäfer-Gümbel – selbst ehemals Mitglied bei „Vorwärts“ und Befürworter des Projekts einer von der Linkspartei unterstützten rot-grünen Minderheitsregierung – muss deshalb beim Neuaufbau zwangsläufig auch auf jene setzen, die das einst stolze Parteigebäude an den Rand des Einsturzes gebracht haben.
Dass dennoch viele dem Mann mit der Brille den erfolgreichen Wiederaufbau zutrauen, hat eine Menge damit zu tun, dass sich außer Schäfer-Gümbel niemand um diese Mammutaufgabe reißt. Aber fünf Jahre sind eine lange Zeit, und es kann gut sein, dass sich der neue starke Mann als Hoffnungsträger mit nur begrenzter Haltbarkeitsdauer erweist. So mancher denkbare Konkurrent hält sich wohl jetzt in der Deckung und spekuliert darauf, irgendwann eine von Schäfer-Gümbel runderneuerte Partei zu übernehmen. Man darf gespannt sein, wie lange der Wahlschock und die demonstrative Einigkeit bei der SPD anhalten.