30.03.2008 · Hessens SPD-Vorsitzende Ypsilanti mag keine halben Sachen. Sie will, notfalls auch mit Hilfe der Linkspartei, Regierungschefin werden. Dass ihre Rechnung aufgeht, ist zwar zu bezweifeln, tut aber vorerst nichts zur Sache.
Von Ralf EulerKeine Frage, Andrea Ypsilanti ist und bleibt die starke Frau der hessischen SPD. Mit einer Rede bar jeder Selbstkritik und nahezu frei von Inhalten brachte die Beinahe-Ministerpräsidentin neun von zehn Delegierten des Sonderparteitags in Hanau hinter sich. 90 Prozent gegen eine große Koalition und für eine vorsichtige Annäherung an die Partei "Die Linke" mit der Option, vielleicht in einigen Monaten abermals einen Versuch mit einer rot-grünen Minderheitsregierung zu starten - ein Sieg Ypsilantis auf der ganzen Linie.
Die SPD-Vorsitzende mag keine halben Sachen. Sie will, notfalls auch mit Hilfe der Linkspartei, Regierungschefin werden, nicht lediglich Juniorpartnerin der CDU. Dass ihre Rechnung aufgeht, den demnächst nur noch geschäftsführend regierenden Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) mit mehrheitsfähigen SPD-Anträgen vorzuführen und sich selbst als Madonna der sozialen Gerechtigkeit zu profilieren, ist zwar zu bezweifeln, tut aber vorerst nichts zur Sache. Neun Wochen nach der um ein Haar gewonnenen Landtagswahl ist den hessischen Genossen das Herz immer noch wichtiger als der Kopf.
Vor allem deshalb sitzt Ypsilanti trotz grober handwerklicher und strategischer Fehler beim ersten Versuch, eine Minderheitsregierung zustande zu bringen, weiterhin fest im Sattel. Neun von zehn Sozialdemokraten wissen, was sie an ihr haben. Woran es der Parteichefin mangelt, war gestern nicht die Frage.