20.02.2007 · Es ist gerade noch einmal gut gegangen. Die Heroinvergabe in Frankfurt muss nicht eingestellt werden. Eine Wende in der Rauschgiftpolitik zeichnet sich ohnedies ab. Bei Heroin zeichnet sich ein Imagewandel ab. - Kommentar von Brigitte Roth
Von Brigitte RothEs ist gerade noch einmal gut gegangen. Die Heroinvergabe in Frankfurt muss nun doch nicht am 30. Juni eingestellt werden. Die 59 schwer kranken Süchtigen, die in der Studienambulanz täglich Diamorphin vom Arzt erhalten, dürfen auf unbefristete Zeit mit dem Originalstoff weiter behandelt werden. Wann ihre Therapie beendet ist, hängt nun nur noch von medizinischen Gründen, nicht mehr aber von politischen Unwägbarkeiten ab. Vor allem von den Patienten fällt mit dieser Gewissheit eine Last, aber auch von den sechzehn Mitarbeitern, deren Arbeitsplatz jetzt sicher ist. Nachdem die CDU/CSU-Bundestagsfraktion am Wochenende eingelenkt hat, kehrt in der Studienambulanz wieder Alltag ein. Patienten können sich auf eine neue Zukunft konzentrieren, ihre Therapeuten auf deren optimale Betreuung.
Dafür dürfen sich besonders Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) und Frankfurts Gesundheitsdezernentin Manuela Rottmann (Die Grünen) auf die Schulter klopfen, die freilich zahlreiche Mitstreiter hatten - in der Region quer durch die Parteien und in den anderen sechs am Projekt teilnehmenden Städten. Diese dürfen die Heroinvergabe ebenfalls fortführen. Neue Städte sollen allerdings nicht hinzukommen, und Diamorphin wird auch nicht als Arzneimittel zugelassen. Deshalb erhält Frankfurts Gesundheitsdezernentin ihren Antrag beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte auf eine Sondergenehmigung für 150 Süchtige weiterhin aufrecht.
Imagewandel
Eine Wende in der Rauschgiftpolitik zeichnet sich ohnedies ab. Denn die positiven Ergebnisse des wissenschaftlichen Modellprojekts und das Aufrechterhalten der Ambulanzen im Interesse der Öffentlichkeit werden Heroin zur Therapie tief in die Rauschgiftsucht verstrickter Menschen bald zu einem anderen Image verhelfen: weg von einer zu verteufelnden Droge hin zu einem durchaus nützlichen Medikament, wenn es denn in verantwortlichen Händen liegt.
Auch wird es kaum bei dem Kreis Süchtiger bleiben, der derzeit täglich Heroin in der Ambulanz erhält. Zumindest ausscheidende Patienten werden durch neue ersetzt werden. Sinnvoll wäre es freilich, noch mehr Junkies von der Straße weg in diese Einrichtung zu holen, wo hoch qualifiziertes Personal zur Verfügung steht. Der damit verbundene Rückgang der Beschaffungskriminalität ist erwiesen. Mit der Heroinvergabe als zusätzlichem Angebot für Rauschgiftabhängige wird natürlich nicht alles gut, aber doch einiges besser. Für die Allgemeinheit sind es vielleicht kleine Erfolge, für die Betroffenen und ihre Angehörigen große.