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Kommentar zur EBS Unangemessene Überheblichkeit

21.07.2011 ·  Die European Business School schwadroniert trotz der Zweckentfremdung öffentlicher Gelder und des Untreueverdachts gegen ihren früheren Präsidenten weiter über Ethik. Das zeugt von einer Überheblichkeit, die einer Universität nicht angemessen ist.

Von Ewald Hetrodt
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Die Pressemitteilung der European Business School (EBS) hatte zwei Hälften. Die eine bestand aus einer hinhaltenden Verlautbarung, die andere aus einem allgemeinen Standardtext zur Selbstdarstellung, der angesichts des aktuellen Anlasses grotesk wirkte. Danach legt die EBS größten Wert darauf, dass ihre Angehörigen „soziale Verantwortung übernehmen, ethisch handeln, nachhaltig und werteorientiert entscheiden“. Und die Law School verspricht, „in der deutschen Juristenausbildung neue Standards zu setzen“.

Das hat sie leider schon geschafft, bevor die ersten Nachwuchsjuristen ihr Studium überhaupt aufnehmen konnten: Gegen den Erfinder, den inzwischen zurückgetretenen EBS-Präsidenten Christopher Jahns, ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Untreue. Und er ist dafür verantwortlich, dass die EBS in den zurückliegenden zwei Jahren öffentliche Mittel, die ausschließlich für die Law School bewilligt worden waren, auch für andere Zwecke ausgegeben hat.

Enorme Anlaufschwierigkeiten

Die moralische Dimension dieses Vorgehens erschließt sich erst angesichts der Tatsache, dass es hier um Steuermittel geht. Eine private Hochschule, die sich das Studium von wohlhabenden Eltern mit mehr als 11.000 Euro pro Jahr bezahlen lässt, bekommt darüber hinaus noch Geld, das zu einem großen Teil von Normalbürgern stammt. Sie werden ungefragt zur Finanzierung einer Hochschule herangezogen, auf die sie ihre eigenen Kinder niemals schicken können. Das ist per se schon ein Modell, für das es gute Gründe geben muss. Wenn sich jetzt herausstellt, dass das Geld auch noch für Zwecke verwandt wurde, für die es gar nicht bewilligt war, ist die Grenze des Erträglichen überschritten.

Dass die EBS angesichts dieser Vorkommnisse bis heute immer noch über Ethik schwadroniert, zeugt von einer Überheblichkeit, die einer Universität nicht angemessen ist. Christopher Jahns hat trotz der langen öffentlichen Debatte über die EBS nie ein Gefühl für die schwierige politische Konstellation entwickelt, in der er sich mit seinem Projekt bewegt hat. Und die Vorgänge um seinen Rücktritt zeigen, dass er nicht einmal seine engere akademische Umgebung richtig einzuschätzen vermochte. Die enormen Anlaufschwierigkeiten, mit denen die EBS und ihre juristische Fakultät in Wiesbaden zu kämpfen haben, sind deshalb keine Betriebsunfälle, sondern die Auswüchse eines sich selbst genügenden, dem Alltag entrückten Systems. Jahns' Nachfolger steht vor einer großen Herausforderung.

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Jahrgang 1963, Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

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